04. April 2022 / 22:22 Uhr

Bayern-Boss Oliver Kahn "nicht überrascht" von Freiburger Einspruch – Wie es nach dem Protest weitergeht

Bayern-Boss Oliver Kahn "nicht überrascht" von Freiburger Einspruch – Wie es nach dem Protest weitergeht

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Oliver Kahn, Vorstandschef des FC Bayern, sieht dem Einspruch des SC Freiburg gelassen entgegen.
Oliver Kahn, Vorstandschef des FC Bayern, sieht dem Einspruch des SC Freiburg gelassen entgegen. © Getty Images (Montage)
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Nachdem der SC Freiburg am Montagabend offiziell – wenn auch widerwillig – Einspruch gegen die Spielwertung der 1:4-Niederlage gegen den FC Bayern einlegte, wird das Spiel nun am grünen Tisch entschieden. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen zu dem Wechselfehler.

Ein unachtsamer Moment und seine Folgen. Der heiß diskutierte Wechselfehler des FC Bayern München bekommt ein juristisches Nachspiel. Das steht seit Montagabend fest, als der SC Freiburg mitteilte, nach einem "intensiven und äußerst differenzierten Abwägungsprozess" offiziell Einspruch gegen die Wertung des mit 1:4 verlorenen Bundesliga-Spiels einzulegen.

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"Wir befinden uns in einem unverschuldeten Dilemma. Der SC Freiburg hatte keinen Anteil und Einfluss auf die Geschehnisse rund um den Wechselvorgang. Dennoch zwingt uns die Rechts- und Verfahrensordnung des DFB formal in eine aktive Rolle, um die Vorgänge rechtlich überprüfen zu lassen", heißt es in einer Mitteilung des Tabellenfünften der Bundesliga.

Die Bayern reagierten gelassen auf den Freiburger Protest. "Wir sind nicht überrascht, dass der SC Freiburg Einspruch eingelegt hat. Die Angelegenheit liegt nun in den Händen der Sportgerichtsbarkeit, der wir voll vertrauen", teilte Vorstandschef Oliver Kahn am Montagabend auf eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.
Die Antworten auf die wichtigsten Fragen zu dem Fall im Überblick:

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Welche Konsequenzen muss der FC Bayern fürchten?

Da der SC Freiburg offiziell Einspruch gegen die Wertung des am vergangenen Samstag mit 1:4 verlorenen Spiels eingelegt hat, könnte der Bundesliga-Spitzenreiter die drei sicher geglaubten Punkte nachträglich am grünen Tisch verlieren.

Welche Aussicht auf Erfolg hat der Einspruch?

Der Ball liegt jetzt beim Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes. Das Gremium werde zunächst Stellungnahmen von den Verfahrensbeteiligten einholen und dann über den weiteren Fortgang des Verfahrens entscheiden, teilte der DFB am Montagabend mit. Im Falle eines Freiburger Verzichts auf einen Einspruch hätte der DFB nicht eingegriffen. Fakt ist: Es liegt ein Regelverstoß vor, der allerdings keine Auswirkung auf den Ausgang des Spiels hatte. Die Freiburger begründen den Einspruch damit, dass die Bayern in der Schlussphase knapp 20 Sekunden lang mit zwölf Spielern auf dem Platz waren und damit ein zu diesem Zeitpunkt nicht spiel- oder einsatzberechtigter Spieler mitgewirkt habe.

Welche Motive verfolgt Freiburg?

Die Breisgauer wollen eine sportrechtliche Bewertung des Präzedenzfalls und damit auch für andere Klubs künftig Rechtssicherheit in vergleichbaren Fällen schaffen. Zudem geht es dem Verein auch um die Wahrnehmung wirtschaftlicher und sportlicher Interessen. Immerhin kämpft der Tabellenfünfte um eine Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb, die viel Geld einbringen würde.

Gibt es eine Sperre für Referee Christian Dingert?

Wahrscheinlich wird der Vorfall keine Konsequenzen für den 41 Jahre alten Unparteiischen haben. "Ich fände es fatal als Botschaft", sagte DFB-Schiedsrichterchef Fröhlich am Montag zu einer möglichen Strafe für Dingert. Immerhin räumte Fröhlich eine Teilschuld des FIFA-Referees ein: "Im Prozessablauf gab es schon Fehler, die auf der Schiedsrichterseite gelegen haben." Noch deutlicher wurde Schiedsrichter-Beobachter Knut Kircher. "Das ist ein Fauxpas des Schiedsrichterteams, der so nicht passieren darf, wenn man die Spielleitung bis zum Ende konzentriert durchbringen will", sagte der frühere Spitzenreferee bei SWR Sport.

Hat der Schiedsrichter noch andere Fehler gemacht?

Ja. Dingert hätte den zwölften Bayern-Spieler auf dem Feld – Kingsley Coman – verwarnen und die unterbrochene Partie mit einem indirekten Freistoß für Freiburg fortführen müssen. Stattdessen gab es Schiedsrichterball und kein Gelb. Beides sei aber "nicht erheblich" gewesen, sagte Fröhlich. Der 42 Jahre alte Dingert ist schon seit 2002 DFB-Schiedsrichter. Seit 2010 leitet der Diplom-Verwaltungswirt aus Lebecksmühle Bundesliga-Partien, seit 2013 auch Spiele des Weltverbands FIFA.

Gab es schon ähnliche Fälle?

Eine folgenreiche Wechselpanne leistete sich in dieser Saison der VfL Wolfsburg im Erstrundenspiel des DFB-Pokals bei Preußen Münster. Kurios: Auch da war Dingert beteiligt. Der Bundesligist hatte insgesamt sechs Auswechslungen vorgenommen – erlaubt waren nur fünf. Dingert und seinem Team war dies nicht aufgefallen. Münster erhob erfolgreich Einspruch gegen die Wertung der mit 1:3 verlorenen Partie, Wolfsburg flog am grünen Tisch aus dem Wettbewerb.

Wird die seit Corona geltende Regelung überdacht, dass die Teambetreuer die Auswechseltafeln bedienen?

Eine Rückkehr zum vor der Pandemie jahrelang bewährten Ablauf, bei dem der vierte Offizielle die Auswechseltafeln bediente, ist in der kommenden Saison denkbar. Zum einen läge das Prozedere wieder in einer Hand, zum anderen hat auch die Politik bereits etliche Corona-Regeln aufgehoben. „Wenn sich das Ganze mit der Pandemie gelegt hat, sollte man darüber nachdenken, dass man das in einer Hand lässt und wieder so macht wie früher“, sagte Fröhlich.

Wird die Grauzone im Regelwerk geschlossen?

Mit dieser Frage muss sich der Verband beschäftigen. In 59 Jahren Bundesliga-Geschichte ist dies offenkundig ein Präzedenzfall. In dieser Saison wird sich am Status quo aber definitiv nichts ändern. Fröhlich kündigte an: „Da ist ein Fehler passiert. Das muss man in Ruhe aufarbeiten.“

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