08. April 2014 / 13:04 Uhr

„Bayern-Dominanz nicht festgeschrieben“

„Bayern-Dominanz nicht festgeschrieben“

Torsten Teichert
Leipziger Volkszeitung
Ulf Kirsten beim Spiel der Legenden in Leipzig.
Ulf Kirsten beim "Spiel der Legenden" in Leipzig. © Christian Nitsche
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Stürmer-Ikone Ulf Kirsten über Champions League, RB Leipzig und Großpösna.

Dresden. Der gebürtige Sachse Ulf Kirsten erzielte in seinen insgesamt 100 Länderspielen für die DDR und die BRD 34 Tore, war als Stürmer von Dynamo Dresden und Bayer Leverkusen gefürchtet - auch im Europacup. In insgesamt 752 Pflichtspielen traf er 350 Mal. Eine Traumquote. Nach seinem Laufbahnende im Jahr 2003 arbeitete er in Leverkusen als Co-Trainer des Bundesligateams und später als Chefcoach der zweiten Mannschaft. Seit Ende 2012 ist der Fußball-Lehrer für eine Sportagentur tätig, mit der Ulf-Kirsten-Stiftung engagiert er sich für den Dynamo-Nachwuchs und bei einem Fußballcamp in Großpösna vom 23. bis 25. April (Anmeldung über www.fsv1990.de) feiert der 48-Jährige ein Kurzzeit-Comeback als Trainer.

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Frage: Mit Bayer Leverkusen verloren Sie einst das Finale in der Champions League gegen Real Madrid mit 1:2. Große Europacup-Abende sind mit Sicherheit auch zwölf Jahre später Pflichttermine - diese Woche kommt Bayern weiter und Dortmund scheidet aus. Oder?

Ulf Kirsten: Ich habe mir schon die Hinspiele angeschaut, klar. Dortmund hat seine Chancen nicht gemacht. Bei einem 3:1 hätte man sicher noch Hoffnung. Aber 3:0 - ich kann mich nicht erinnern, so ein Resultat mal umgebogen zu haben. Die Bayern müssen freilich auch erst mal das zweite Spiel gewinnen, aber andererseits - warum soll es ausgerechnet im Heimspiel gegen Manchester nicht klappen? Sie spielen eine souveräne Saison.

Die Bayern sind der Bundesliga-Konkurrenz enteilt. Droht auf Dauer Langeweile?

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Ach, Fußball ist ein Tagesgeschäft, schnelllebig. Die Bayern-Dominanz ist nicht für die nächsten Jahre festgeschrieben. Da wird auch mal ein Umbruch kommen. Ihre momentane Stellung haben sich die Bayern über viele Jahre erarbeitet. Durch den jahrelangen Erfolg haben sie entsprechende Sponsoren bekommen - das ist völlig verdient.

Sky-Experte und Ex-Bundesligaprofi Jan Age Fjörthoft hat RB Leipzig perspektivisch schon als stärksten Bayern-Jäger bezeichnet. Was erwarten Sie denn von RB?

Die Bundesliga, ganz klar. Mit der Wirtschaftskraft. In den nächsten zwei bis fünf Jahren die Bundesliga. In drei Jahren werden sich vielleicht schon alle wundern - aber es gibt da schon noch den einen oder anderen Verein mehr.

Die Wirtschaftskraft ist ein wesentlicher Faktor, dass die Vereine im Osten sportlich nicht auf die Beine kommen?

Ja, natürlich. Aber wenn ich bei Dynamo Dresden schaue, was in den letzten drei Jahren von Sportlichen Leitern oder Managern für Geld rausgefeuert wurde, dann ist das nicht der einzige Grund. Ich hoffe und denke, dass Ralf Minge mit dem jetzigen Aufsichtsrat den richtigen Weg gehen wird.

Wo hapert es denn bei Dynamo, glauben Sie an den Klassenerhalt?

Es sind ja noch etliche Punkte bis zum Saisonende zu vergeben. Aber mehr möchte ich dazu nicht sagen.  Bitte. Das ist schon kompliziert genug dort...

Was machen Sie denn eigentlich derzeit genau? Im Internet taucht Ihre Sportagentur-Tätigkeit mit Schwerpunkt Asien auf.

Das wurde von Anfang an falsch geschrieben. Keine Ahnung, wie das zustande gekommen ist. Wir kümmern uns um Marketing, Sponsoring, Spielerbetreuung - und zwar alles hier-zulande. Wir haben sehr viele Nachwuchsspieler unter Vertrag, Akteure aus der ersten und zweiten Bundesliga.


Und wie kommt es zum Einsatz in Großpösna? Wollen Sie sich dort ein paar Talente angeln?

Ich mache das dem Organisator Mike Rietpietsch zuliebe, wir haben in Leverkusen zusammen gespielt, kennen uns lange. Ich bin gespannt, was für Kinder und Jugendliche kommen - werde mir in den Tagen davor Gedanken machen, was ich genau mache. Es geht ja um Kinder, die einfach Spaß haben wollen. Und das kriegen wir auf jeden Fall hin. Entdeckt werden kann man freilich grundsätzlich immer und in jedem Nachwuchsalter. Auch mit 17 ist es nicht zu spät. Wichtig ist, dass man dann konstant und beharrlich dabei bleibt.

Macht dieses Kurzzeit-Comeback als Trainer vielleicht Lust auf eine Rückkehr auf die Bank? Oder haben Sie das abgehakt?

Ich halte die Augen offen. Grundsätzlich ist das immer eine Option. Wenn ein solches Angebot kommt, muss ich entscheiden, ob es mir gefällt.

Dresden?

Es muss mir gefallen - wie gesagt.

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