23. März 2021 / 08:32 Uhr

Bayern II, Türkgücü, 1860: Für Dynamo Dresden ist München keine Reise wert

Bayern II, Türkgücü, 1860: Für Dynamo Dresden ist München keine Reise wert

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
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Dynamos Pascal Sohm hadert mit der Chancenverwertung beim TSV 1860 München. © Picture Point
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Im Stadtteil Giesing kann die Mannschaft von Trainer Markus Kauczinski in dieser Saison einfach keine Punkte einfahren. Rächt sich das in der Endabrechnung?

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München. Das Stadion an der Grünwalder Straße ist für Dynamo Dresden kein gutes Pflaster. Die 0:1-Niederlage beim TSV 1860 München war schon die dritte Pleite in dieser Drittliga-Saison, die die Profis von Trainer Markus Kauczinski in der traditionsreichen Spielstätte mit dem ganz eigenen Charme einer innerstädtischen Arena alter Prägung hinnehmen mussten. Wie schon zuvor bei den Duellen mit den Bayern-Bubis (0:3) und gegen Türkgücü München (0:1) gingen die Dresdner an Ort und Stelle leer aus und büßten somit wieder wichtige Punkte im Kampf um die Rückkehr in die 2. Bundesliga ein. Längst vorbei sind die seligen Zeiten, als Dynamo bei den Sechzigern wiederholt gewann, doch damals spielten die auch noch in der Allianz-Arena.

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„Im Fußball zählen Tore“

Ärgerlich war die Niederlage am Montagabend vor allem, weil Dynamo mindestens einen Punkt verdient gehabt hätte, doch an der eigenen Chancenverwertung und einer Nachlässigkeit in der ansonsten wieder recht stabilen Abwehr scheiterte. „Im Fußball zählen Tore, da haben wir heute leider keins gemacht, aber wir hätten ein paar machen können“, haderte Kapitän Sebastian Mai mit der Abschlussschwäche seiner Mannschaft. Dass letztlich der eine, entscheidende Treffer dann auf der anderen Seite fiel, nervte ihn – auch wenn er hinzufügte: „Das ist Fußball, da reicht manchmal eine Unaufmerksamkeit. Vielleicht waren wir diese eine Minute davor ein bisschen zu ungeordnet.“

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Bitter! Die SG Dynamo Dresden verliert die Auswärtspartie beim TSV 1860 München durch einen Treffer in der 86. Minute mit 0:1. Zur Galerie
Bitter! Die SG Dynamo Dresden verliert die Auswärtspartie beim TSV 1860 München durch einen Treffer in der 86. Minute mit 0:1. ©

Schon in der ersten Halbzeit hatte Dynamo durch Christoph Daferner eine Großchance liegen lassen, als er an Marco Hiller im Tor der Sechziger hängenblieb (8.). Bei seinem vermeintlichen 1:0 in der 10. Minute stand der später mit Problemen am Sprunggelenk ausgeschiedene Daferner dann einen Tick im Abseits. In der zweiten Halbzeit erarbeitete sich Dynamo deutlich mehr Gelegenheiten. Heinz Mörschel verzog aus der Distanz haarscharf (68.), zwei Kopfbälle von Tim Knipping nach Eckbällen von Paul Will verfehlten ihr Ziel nur knapp (74./75.). Einmal parierte Hiller stark, einmal zischte die Kugel vorbei. Doch die Riesenchance zur Führung sollte erst noch kommen, als Ransford-Yeboah Königsdörffer in der 84. Minute freistehend die Kugel 20 Zentimeter neben den rechten Pfosten ins Toraus drosch. Sein Gesichtsausdruck und der enttäuschte Griff ins Haupthaar sprachen Bände, als ,Ransy', wie sie ihn bei Dynamo nennen, den Bock zu verarbeiten suchte.

Eine bittere Pille für Dynamo

„Das Tor müssen wir machen!“, sprach Trainer Kauczinski hinterher Klartext, vermied es aber, Königsdörffer direkt die Leviten zu lesen. Der 19-Jährige hatte schließlich im Hinspiel zum 2:1-Sieg getroffen, diesmal auch kein schlechtes Spiel gemacht, doch am Ende musste er nun mal mit dem Makel leben, die beste Dynamo-Chance des Spiels verdaddelt zu haben. Doch der junge Ex-Herthaner war es gewiss auch nicht allein, der diese Partie verlor, denn er war nicht der Einzige, der vorm gegnerischen Tor sündigte: „Ich glaube, es waren genug Chancen da – in der ersten wie in der zweiten Halbzeit. Heute hatten wir aber das Quäntchen Glück nicht, dass wir den Ball reingemacht haben. Ich persönlich hatte auch ein, zwei Chancen, aber es hat nicht geklappt“, übte Innenverteidiger Tim Knipping Selbstkritik. Er forderte eine detaillierte Analyse, um die eigenen Angriffe wieder zwingender zu gestalten: „Ich glaube, dass wir im offensiven Spiel Ausbaupotenzial haben, dass wir die letzten Bälle noch ein bisschen genauer bringen müssen.“

Nichtsdestotrotz weiß auch der Kasseler, dass Dynamo zumindest das 0:0 über die Zeit hätte retten müssen: „Es war am Ende ein bisschen zu unkontrolliert, da sind wir durcheinander gekommen“, bedauerte Knipping. Philipp Steinhart hätte beim 1:0 gar nicht erst so ungestört auf Kevin Ehlers zulaufen dürfen, doch der Löwe konnte Tempo aufnehmen, den Dynamo-Verteidiger in der Rückwärtsbewegung narren und flach ins lange Eck einschießen. Eine bittere Pille, die Trainer Markus Kauczinski schwer aufstieß: „Wenn man seine Chancen schon nicht nutzt, dann muss man das 0:0 nach Hause bringen“, brachte er mit versteinerter Miene hervor.

Doch über dem Stadion in Giesing scheint ein Fluch zu hängen, der den Dresdnern im Münchner Süden immer nur Nullrunden erlaubt. Hoffentlich fehlen die in der „Weltstadt mit Herz“ verlorenen Punkte den Sachsen am Ende nicht. Wenn doch, dann müssen die Dresdner zur Strafe wohl nächstes Jahr wieder an die Grünwalder Straße, denn die Sechziger bräuchten schon ein großes Wunder, um trotz des Sieges am Montag noch einmal die Aufstiegsränge zu erreichen. Besser als die Dresdner, die es lieber nicht auf ein Abrutschen auf den Relegationsplatz ankommen lassen sollten, waren sie in den 90 Minuten nicht, glücklicher schon.