06. Mai 2021 / 22:19 Uhr

Bayern-Kapitänin Magull vorm Wolfsburg-Spiel: "Druck spüren beide!"

Bayern-Kapitänin Magull vorm Wolfsburg-Spiel: "Druck spüren beide!"

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Ex-Wolfsburgerin und Bayern-Kapitänin: Lina Magull.
Ex-Wolfsburgerin und Bayern-Kapitänin: Lina Magull. © Imago Images / Boris Baschin
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Lina Magull, Kapitänin des FC Bayern München, spricht im SPORTBUZZER-Interview über das entscheidende Liga-Duell gegen Wolfsburg am Sonntag, das bittere Halbfinal-Aus gegen Chelsea in der Champions League - und erklärt, warum von einem Triple in München nie die Rede war.

Am Sonntag steigt um 13 Uhr (live im NDR und BR) im AOK-Stadion der ultimative Showdown des deutschen Frauenfußballs. Die Liga-Partie zwischen dem VfL Wolfsburg und Spitzenreiter FC Bayern könnte das Rennen um die deutsche Meisterschaft entscheiden. Im großen SPORTBUZZER-Interview spricht Bayern-Kapitänin und Ex-VfLerin Lina Magull über die Entwicklung ihrer Mannschaft, warum von einem Triple nie die Rede war und wie sie die Liga in den kommenden Jahren sieht.

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Frau Magull, wie hat die Mannschaft das Aus im Champions-League-Halbfinale verkraftet?
Die Enttäuschung ist sehr groß. Wir waren nah dran und es hätte anders laufen können, aber wir können es mittlerweile ganz gut einordnen. Es bringt ja nichts, dem noch ewig nachzutrauern und uns ständig zu hinterfragen. Wir haben viele Gespräche miteinander geführt, um das schnellstmöglich auf- und zu verarbeiten. Es ist für uns schon ein Erfolg gewesen, ins Halbfinale zu kommen und uns gut zu präsentieren. Unser Blick geht jetzt ganz klar nach vorn, die Stimmung ist wieder besser.

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Und jetzt geht es ausgerechnet nach Wolfsburg...
Ich bin mir sicher, dass sich alle bewusst sind, was jetzt auf dem Spiel steht - und dass wir das durchstehen. Das Ausscheiden im DFB-Pokal und der Champions-League ist natürlich enttäuschend, aber entscheidend und wichtiger für uns ist die Meisterschaft. Wer die Schale hat, ist am besten durch die Saison gekommen. Wir stehen gut da und sind bereit für ein packendes Spiel.

Beim VfL spricht man davon, dass der Druck für Bayern größer ist - weil sie mehr zu verlieren haben.
Einen psychologischen Vorteil gibt es meiner Meinung nach nicht. Ich bin kein Fan davon, im Vorhinein da vielleicht eine Ausrede zu suchen. Es ist mir auch egal, dass Wolfsburg jetzt spielfrei hatte und wir ein paar Tage weniger Vorbereitung. Wir werden alles aus uns rausholen, um diese Partie zu gewinnen. Es ist jetzt für beide Mannschaften das wohl wichtigste Duell und wird ausschlaggebend dafür sein, wer am Ende Meister wird.

Also spielt Druck keine Rolle?
Druck spüren beide Mannschaften. Wir sind die Gejagten, Wolfsburg ist Titelverteidiger. Wolfsburg wird sicher mit derselben Einstellung ins Spiel gehen, wie schon im Pokal. Ich weiß, dass es eine typische Phrase ist, aber es werden Kleinigkeiten ausschlaggebend sein. Wir werden ihnen jedoch nichts schenken und ein anderes Gesicht zeigen als noch beim letzten Aufeinandertreffen.

Hätten Sie gedacht, dass es an der Tabellenspitze doch noch Mal so eng wird?
Mir war schon bewusst, dass wir wahrscheinlich nicht ohne Punktverlust durch die Liga gehen werden. Dass wir jetzt so blöd gegen Hoffenheim verlieren, hätte ich aber nicht gedacht. Wir sind eigentlich gut ins Spiel gekommen und haben es uns trotzdem noch nehmen lassen, das war ärgerlich. Dass es hinten raus nicht leicht wird, war aber jedem klar. Ich denke eher, dass vor der Saison niemand gedacht hätte, dass wir drei Spieltage vor Saisonende vor Wolfsburg stehen.


Wie bewerten Sie die Liga allgemein? Wird es auch in Zukunft ein Rennen zwischen dem VfL und Bayern an der Spitze sein?
Man merkt bei einigen Vereinen, dass sich hohe Ziele gesteckt werden und man bemüht ist, ein gutes Team aufzubauen. Das ist aber genau so ein Prozess wie bei uns. Das geht nicht von heute auf morgen. Ich traue es der einen oder anderen Mannschaft schon zu, in Zukunft näher ranzukommen. Aber auch Wolfsburg und Bayern bleiben ja nicht einfach stehen, deswegen glaube ich schon, dass wir weiter vorangehen werden.

Der FC Bayern hat den Anspruch angemeldet, auch im Frauenfußball die Nummer 1 in Deutschland zu werden und international eine bedeutende Rolle zu spielen. Wie weit sind Sie da schon?
Wie weit wir sind, sehen wir am Ende der Saison. Dieser Plan ist langfristig ausgelegt und die Philosophie tragen auch die Spielerinnen mit. Wir sind auf einem guten Weg und Rückschläge gehören bei so einer jungen Mannschaft dazu. Diese Leichtigkeit, die der VfL beispielsweise seit Jahren im Kampf um die Meisterschaft hat, die müssen wir uns erst erarbeiten. Diese Saison könnte die Richtung vorgeben.

Und ans Triple schon in dieser Saison hatte wirklich niemand gedacht?
Von außen wurde viel gesagt, aber wir haben uns nie so positioniert, nicht als Mannschaft und auch nicht als Verein. Man muss sich Ziele setzen und wir streben natürlich einen Titel an. Nach einer guten Spielzeit direkt vom Triple zu sprechen wäre auch einfach zu hoch gedacht. Langfristig gesehen wollen wir diese Erfolge aber natürlich einfahren.

Sie spielen mit Ihrer Mannschaft eine hervorragende Saison, sorgen für viele positive Schlagzeilen. Wie nehmen Sie das mediale Interesse in München wahr?
Regional ist es eher weniger. Man muss jedoch auch bedenken, dass München eine kulturell sehr vielfältige, internationale Stadt ist - und da gibt es eben viele Themen, die bearbeitet werden müssen. Da bleibt der Frauenfußball ein bisschen auf der Strecke. Von Vereinsseite aus können wir uns nicht beschweren, der Klub macht wirklich viel für uns.

Dass die Rahmenbedingungen oft speziell sind, haben Sie ja auch gerade beim Spiel in London erlebt...
Ja, Chelseas Kingsmeadow-Stadion an sich hat natürlich einen gewissen Charme. Es ist typisch englisch und ein bisschen altmodischer. Aber unsere Kabine war hingegen eher unprofessionell. Es war ein großer Raum und daneben direkt eine Bar. Es wurden einfach nur Stühle hingestellt und die Duschen waren draußen in einem Container. Wir hatten warmes Wasser, also war das so gesehen gar kein Problem, aber wenn man bedenkt, wie sich die Liga nach außen hin präsentiert, war das verwunderlich. Wahrscheinlich war die Situation auch der Pandemie geschuldet. Es war aber auf jeden Fall nichts, was das Spiel irgendwie beeinflusst hat. Wir haben das so angenommen und uns auch nicht drüber aufgeregt.

Was ist denn Ihrer Meinung nach schiefgelaufen gegen Chelsea?
Man muss sich nur die Gegentore anschauen. Es sind zwei Standard-Situationen, die wir nicht gut verteidigen und dann eine Kontersituation, wo wir doch eigentlich genau wissen, wie gnadenlos Chelsea sein kann. Es waren alles vermeidbare Tore und im Gegenzug haben wir es verpasst, den Deckel draufzumachen. Wir waren nicht chancenlos, das macht das ganze so ärgerlich für uns. Wir versuchen, das Positive mitzunehmen.

Und das wäre?
Wir waren auf einem Niveau. Diese Situation ist aber auch ein guter Lernprozess für unsere Mannschaft. Es gehört zu Erfahrungswerten dazu, mit so einem Rückschlag gut umzugehen. Das Gute ist doch, dass man es im nächsten Spiel immer direkt besser machen kann.