02. Mai 2020 / 18:07 Uhr

Bayern-Präsident Herbert Hainer stellt 50+1-Regel in Frage: "Hat bestimmten Vereinen nicht geholfen"

Bayern-Präsident Herbert Hainer stellt 50+1-Regel in Frage: "Hat bestimmten Vereinen nicht geholfen"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
FC-Bayern-Präsident Herbert Hainer spricht sich für eine Öffnung von 50+1 aus. Zuletzt protestierten Bayern-Fans immer wieder für die Fortsetzung des Modells.
FC-Bayern-Präsident Herbert Hainer spricht sich für eine Öffnung von 50+1 aus. Zuletzt protestierten Bayern-Fans immer wieder für die Fortsetzung des Modells. © imago images/Schiffmann/Ulmer/Montage
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Präsident Herbert Hainer vom FC Bayern München hat im Gespräch mit der "Sportreportage" des ZDF die 50+1-Regelung in ihrer jetzigen Fassung in Frage gestellt. Es solle den Vereinen selbst überlassen bleiben, wie viele Anteile sie abgeben wollen, meinte der frühere Adidas-Boss.

Nach Ansicht von Präsident Herbert Hainer vom FC Bayern München sollten die Vereine selbst entscheiden, ob sie Investoren Stimmrechte gewähren oder nicht. Die sogenannte 50+1-Regelung, die verhindern soll, dass ein Investor die Mehrheit in einem Verein übernimmt, stellte der frühere Vorstandschef von Adidas in Frage. „Man muss ja auch mal als Fakt sehen, dass die 50+1-Regel jetzt bestimmten Vereinen nicht geholfen hat. Insofern muss man das natürlich auch überdenken. Ich bin der Meinung, dass man es den Vereinen selber überlassen sollte, wie viele Anteile sie abgeben wollen“, sagte der Chef des deutschen Rekordmeisters im Interview der Sport-Reportage im ZDF.

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Hainer: Eigene Regeln bei Bayern stärker als 50+1

Der FC Bayern hat in seiner Satzung verankert, dass der Verein maximal 30 Prozent abgeben kann. „Die Regeln, die wir uns selber auferlegt haben, sind noch strikter als 50+1. Ich denke, dass kann man in die Eigenverantwortung der einzelnen Vereine geben. Der eine hat einen stärkeren Kapitalbedarf, der andere einen schwächeren. Und das sollten die Vereine dann selber entscheiden können“, sagte Hainer, der sein Amt bei der Jahreshauptversammlung im November 2019 von Uli Hoeneß übernommen hatte.

In der aktuellen Debatte um die Bundesliga wegen der Corona-Krise wird von vielen auch ein Nachdenken über das Geschäftsmodell des Profifußballs gefordert. Dazu gehören auch Bestimmungen wie die 50+1-Regel. Die jüngsten Einnahmeverluste könnten dazu verleiten, finanzkräftigen Investoren mehr Einfluss zu gewähren. im Ausland ist es seit Jahren möglich und üblich, dass einzelne Investoren oder Konsortien die Mehrheit in Klubs unternehmen, so zum Beispiel beim FC Chelsea mit dem Russen Roman Abramowitsch oder mit Manchester City oder Paris Saint-Germain, die jeweils von Förderern aus dem arabischen Raum unterstützt werden. In Deutschland gilt Martin Kind von Hannover 96 als einer der hartnäckigsten Gegner der 50+1-Regelung in ihrer jetzigen Form.

Hainer sieht FC Bayern in Krise gut gerüstet

Hainer sieht den deutschen Meister in der Corona-Krise hervorragend aufgestellt, „sowohl wirtschaftlich als auch personell. Deswegen werden wir die Krise, wie man das heute absehen kann, auch gut überstehen.“ Aber auch der FC Bayern habe keine unendlichen Ressourcen und „deswegen ist es auch für uns wichtig, dass wir wieder zurückkommen.“ Ähnlich hatte sich Hainer zuletzt bereits im Gespräch mit dem Kicker geäußert. Anders sieht es beim FC Schalke 04 aus. Die Verantwortlichen dort haben in den vergangenen Wochen oft betont, dass die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie den Revierklub in seiner Existenz bedrohen könnten.

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Der Bayern-Präsident sprach auch über seine Zeit bei Adidas. So habe Hainer als Vorstandsvorsitzender Anfang des Jahrtausends selbst die Verträge ausgehandelt, mit denen Adidas zehn Prozent der Anteile beim FC Bayern übernahm. "Das war ja praktisch die Anschubfinanzierung für die Allianz Arena", sagte der 65-Jährige mit Blick auf den Bau des 2005 eröffneten Stadion, das der FCB damals gemeinsam mit dem inzwischen in die Drittklassigkeit abgerutschten Stadtrivalen TSV 1860 München im Hinblick auf die WM 2006 gebaut hatte. "Insofern habe ich mir quasi mein eigenes Wohnzimmer finanziert und fühle mich sehr wohl", schmunzelte Hainer.

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