29. Januar 2021 / 15:09 Uhr

Leipzig, München, Ramlingen: Louis Engelbrecht hinterlässt überall einen bleibenden Eindruck

Leipzig, München, Ramlingen: Louis Engelbrecht hinterlässt überall einen bleibenden Eindruck

Ole Rottmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Mit Tempo in Richtung des gegnerischen Tores unterwegs: Louis Engelbrecht vom SV Ramlingen/Ehlershausen.
Mit Tempo in Richtung des gegnerischen Tores unterwegs: Louis Engelbrecht vom SV Ramlingen/Ehlershausen. © Debbie Jayne Kinsey
Anzeige

RSE-Stürmer Louis Engelbrecht ist mit seinen 27 Jahren schon viel herumgekommen. Berufsbedingt wohnte er schon in Leipzig und bei München, wo er dann auch jeweils Fußball spielte. Wie beim SV Ramlingen/Ehlershausen auch, machte er sich dort als Torjäger einen Namen.

Dass Fußballer umherziehen und mal hier, mal dort ihr Glück versuchen, ist keine Seltenheit. Doch während Profis bei der Wahl ihrer Vereine häufig größere Entfernungen zurücklegen, bleibt Otto Normalfußballer meist grob am Ort. Louis Engelbrecht ist diesbezüglich schon eher eine Ausnahme unter den Amateurkickern. Der Angreifer des SV Ramlingen/Ehlershausen lief immerhin schon für Mannschaften aus drei Bundesländern auf, ehe er vor ziemlich genau zwei Jahren am Akazienweg anheuerte.

Anzeige

Nach dem Abitur an der IGS Langenhagen zog es Engelbrecht zum Sportmanagementstudium nach Leipzig. In der Jugend hatte der in Lindwedel aufgewachsene Engelbrecht für den ortsansässigen SV Lindwedel-Hope, den TSV Isernhagen sowie den Heeßeler SV gespielt. Beim HSV sammelte er unter Trainer Niklas Mohs auch erste Erfahrungen im Männerbereich. „Ich hatte das Glück, dass mein Vater, mein Opa und mein Großonkel mich immer sehr unterstützt haben“, sagt Engelbrecht. Der Shuttledienst der Autos mit den Ortskennzeichen HK (für Heidekreis, dem Lindwedel angehört und der sich an den nordöstlichen Zipfel der Region Hannover anschmiegt) lief auf Hochtouren und endete erst, als es den Youngster nach Sachsen verschlug. Die gut 250 Kilometer waren selbst dem Familienunternehmen für individuelle Chauffeurdienste zu viel.

Tor für Chemie Leipzig im März 2014: Louis Engelbrecht (rechts) freut sich mit seinem Kollegen Norman Lee Gandaa.
Tor für Chemie Leipzig im März 2014: Louis Engelbrecht (rechts) freut sich mit seinem Kollegen Norman Lee Gandaa. © Christian Nitsche

Engelbrecht schloss sich der BSG Chemie Leipzig an, die aus dem traditionsreichen FC Sachsen sowie Chemie Böhlen hervorgegangen und im Jahr 1990 kurz vom früheren deutschen Nationalspieler „Jimmy“ Hartwig trainiert worden war. Fernab der Heimat ließ sich der Angreifer aus Niedersachsen auch im östlichsten Teil der Republik mit 19 Toren in Bezirks- und Sachsenliga zwischen 2014 und 2016 nicht lumpen. Die „Weste“ für Ersatzspieler, wie man ein farbiges Trainingsleibchen in Leipzig bezeichnet, kennt der Torjäger nur vom Hörensagen.

Anzeige

"Der ist bei’nand wie a Bäggla"

Weiter ging es in Bayern, wo der heute 27-Jährige an der Universität Bayreuth seinen Master in Sportökonomie draufsattelte. Dem Intermezzo beim SV Heimstetten am Münchner Stadtrand schlossen sich zwei intensive Jahre beim TSV Neudrossenfeld an. Dass er gar nicht von Chemie Leipzig gekommen war, sondern nach Ansicht seiner neuen Teamkollegen von „Kemie“ Leipzig, musste der Hochdeutsch gewohnte Engelbrecht erst erfahren. „Vor allem die älteren Herrschaften am Spielfeldrand waren teilweise schon sehr schlecht zu verstehen“, sagt Engelbrecht lachend. Wenn ein echter Oberfranke – der schmucke TSV-Sportpark Am Weinberg liegt auf halber Strecke zwischen Kulmbach und Bayreuth – losledert, ist der Flachländer schnell abgehängt. „Der ist bei’nand wie a Bäggla“, wäre eine gängige Formulierung gewesen, berichtet Engelbrecht. Der Neudrossenfelder Torwart Tobias Grüner erläutert pragmatisch, was gemeint ist: „Wenn einer körperlich nicht auf der Höhe ist. Oder einfach ein Blinder.“ Die Redensart entstammt der Produktion der Vereinigten Margarine-Werke Nürnberg; die Konstitution eines eher schlappen Zeitgenossen wird in Franken etwas uncharmant mit einem Päckchen des fettigen Brotaufstrichs verglichen.

Auf sich beziehen musste Engelbrecht die wenig schmeichelhaften Kommentare vom Seitenrand freilich eher selten. Als er Süddeutschland und den Verein in der Winterpause 2018/2019 verließ, hatte er mit 17 Toren schließlich maßgeblich dazu beigetragen, dass der TSV Erster der Landesligatabelle war.

"Entscheidung für Ramlingen habe ich keine Sekunde bereut"

Doch zog es Engelbrecht nach Ende des Studiums zurück; seine langjährige Freundin und ein Job bei der Fußballschule von Hannover 96 warteten auf ihn in der alten Heimat. „Sportlich war der Abschied für mich persönlich sehr schade“, gibt er zu. Im neuen Dress machte der Mittelstürmer allerdings einfach weiter. Für den SV Ramlingen/Ehlershausen war Engelbrecht bereits in seiner ersten Halbserie achtmal erfolgreich. „Die Entscheidung für Ramlingen habe ich keine Sekunde bereut“, sagt der 1,94-Meter-Hüne, der mit Nicole in der List ein gemeinsames Zuhause gefunden hat und mittlerweile im Marketing bei Lotto Niedersachsen arbeitet.

Mehr Berichte aus der Region

Denn während der bayrische Ex-Verein ohne seinen abtrünnigen Torjäger den Aufstieg vermasselte, klappte es beim RSE mit dem nächsten – inoffiziellen – Weihnachtstitel. Da die Ramlinger auch im aktuellen Winter als Primus den Jahreswechsel begingen, war es für Engelbrecht schon das dritte Mal in Folge, dass er sich die Tabelle mit Platz eins an den Baum hängen konnte.

„Stimmt, da habe ich bislang gar nicht so drüber nachgedacht“, gibt er zu. Vielleicht waren die Gedanken eher bei der Gesundheit – im Frühjahr musste sich der Angreifer einer Operation an der linken Hüfte unterziehen. Aufgrund der Corona-Pause verpasste er zwar keinen Pflichtauftritt, „aber ein paar Körner haben in den ersten Spielen schon gefehlt“, sagt er. Die versäumte Vorbereitung machte sich bemerkbar. Vier Oberligatore steuerte Engelbrecht dennoch bei, nachdem er in der Aufstiegssaison ein Dutzend Mal getroffen hatte. Gesund zu bleiben, diesen Wunsch äußert Engelbrecht. Damit die Westen auch künftig andere tragen.