07. Juli 2021 / 17:53 Uhr

Stilvoll und schlagfertig: Bayern-Trainer Julian Nagelsmann wie Guardiola – mit kleinen Unterschieden

Stilvoll und schlagfertig: Bayern-Trainer Julian Nagelsmann wie Guardiola – mit kleinen Unterschieden

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bayerns neuer Trainer Julian Nagelsmann hat Parallelen zu Vorgänger Pep Guardiola.
Bayerns neuer Trainer Julian Nagelsmann hat Parallelen zu Vorgänger Pep Guardiola. © IMAGO / Poolfoto / Jan Huebner (Montage)
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Die Aufmerksamkeit war immens, als Julian Nagelsmann am Mittwoch offiziell als neuer Trainer des FC Bayern vorgestellt wurde. Für die Weltrekordablöse von 25 Millionen Euro an die Säbener Straße gewechselt, präsentierte sich der 33-Jährige bei seiner ersten Medienrunde als FCB-Coach stilvoll und ohne Lampenfieber, dafür mit viel Elan – und der ein oder anderen Parallele zu seinen Vorgängern.

Der FC Bayern München kommt voller Elan und Energie aus der Sommerpause. Was man am Mittwochvormittag in der Allianz Arena nicht nur an der Urlaubsbräune von Sportvorstand Hasan Salihamidzic ablesen konnte, sondern vor allem einen Grund hatte: den neuen Trainer Julian Nagelsmann. Bei seiner Vorstellung im Rahmen einer Videopressekonferenz konnte der 33-Jährige etwas mehr als fünf Wochen vor dem Bundesliga-Auftaktspiel der Münchner in Mönchengladbach erste Punkte sammeln. Mit einem schlagfertigen Auftritt. Da weiß einer, was er kann und was er will.

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Da es im Business Bundesliga und der Dauerschleife Social Media auch um Optik geht, muss der zurückhaltende Chic, das dunkle Sakko mit dem schwarzen Rollkragenpullover (als stille Referenz an Ex-Bundestrainer Joachim Löw?) genauso erwähnt werden wie die Tatsache, dass die knallrote Jacke, die der Bayer im April 2017, damals Hoffenheim-Trainer, als Zuschauer in der Allianz-Arena getragen hat, „vor längerer Zeit für einen guten Zweck versteigert“ wurde. Für 1560 Euro zugunsten einer Jugendhilfeorganisation.

Deutlich günstiger ist das neue rot-weiße Bettwäscheset, das Nagelsmann am Montag an der Säbener Straße, von Klubmitarbeitern geschenkt bekommen hat – und ihm bestens bekannt aus der Kindheit ist. „Ich denke schon, dass ich mal die eine oder andere Nacht drin schlafen werde. Sie ist nicht nur schön, sondern auch gesund“, meinte Nagelsmann und erklärte, dass sein Sohn „schon Ansprüche darauf angemeldet hat. Er ist aber noch in einem Alter, wo er mit dem Papa im selben Bett kuscheln kann.“

Als die Anfrage des FC Bayern kam, habe er sich mit seiner Frau Verena „fünf Minuten, 30 Sekunden“ beraten, dann war klar: Ab zum Traumjob, hin zur Erfüllung des Lebensziels. Die Gespräche mit RB Leipzig waren schwieriger, der FC Bayern bezahlte die Weltrekord-Ablösesumme für einen Chefcoach von knapp 25 Millionen Euro. Also müssen Trophäen her, beim Abomeister (neun Titel in Folge) eine Selbstverständlichkeit. „Wir sind überzeugt, dass wir mit Julian eine Ära prägen können“, sagte der neue Vorstandsboss Oliver Kahn über den gebürtigen Bayern.

Nagelsmann mit Parallelen und Unterschieden zu früheren Bayern-Trainern

Der scheint trotz seines – für einen Bundesliga-Cheftrainer – jugendlichen Alters gut mit dem Druck umgehen zu können. Nagelsmann benutzt Sprüche als Ventil, etwa diesen zur Frage nach seinem Fünfjahresvertrag bis 2026: „Für ein Jahr wäre ich nicht gekommen.“ Und weiter im Ernst: „Das bedeutet mir sehr viel. Das sind Vorschusslorbeeren. Natürlich gibt es einem ein gutes Gefühl, aber dann muss man auch liefern.“ Realismus hat noch nie geschadet.

Das hat seinen Vorgänger Hansi Flick (sieben Titel in 20 Monaten) ausgezeichnet und auch die Trainer, die in München wirklich eine Ära geprägt haben, wie Jupp Heynckes und Ottmar Hitzfeld. Bei seinem Auftritt ließ Nagelsmann Begeisterungsfähigkeit erkennen (anders als Carlo Ancelotti), er baute Brücken zu den Medien (anders als Pep Guardiola). Und Weggefährten wissen, dass er kein Blender (siehe Guardiola) und kein Egozentriker ist (anders als Louis van Gaal). Sondern: ein lebensfroher Typ, und zugleich inhaltlich besessener Fußballnerd, kurz: ein Pep in rundum positiv.


Zu Beginn der Vorbereitung ohne die noch urlaubenden EM-Fahrer sagte Nagelsmann: „Wir haben einen sehr guten Kader, auf den ich mich sehr freue.“ Drei Spieler erwähnte er namentlich: Torhüter Manuel Neuer, der „nur ein paar Tage älter“ sei (in Wahrheit 16 Monate), bleibt Bayern-Kapitän. Leon Goretzka, dessen Vertrag zum Saisonende ausläuft, übermittelte er: „Er ist einer der torgefährlichsten Mittelfeldspieler in Europa Ich würde mich auch sehr freuen, viele Jahre der hoffentlich entstehenden Ära mit ihm zusammenzuarbeiten.“ Den bei der EM heftig kritisierten Leroy Sané pushte er: „Leroy hat herausragende Qualitäten, einen unglaublichen Speed und ist einer der Besten in Eins-gegen-Eins-Situationen“. Nagelsmann betonte aber auch, dass „auch der innere Antrieb des Spielers gefordert“ sei. Eben Elan und Energie.