28. November 2020 / 08:46 Uhr

Beckenbauer reagiert auf Maradona-Tod: "Genie, das sein Leben nicht im Griff hatte"

Beckenbauer reagiert auf Maradona-Tod: "Genie, das sein Leben nicht im Griff hatte"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Franz Beckenbauer (r.) hat viel Verständnis für das turbulente Leben von Diego Maradona gezeigt, der am Mittwoch in Argentinien verstorben war.
Franz Beckenbauer (r.) hat viel Verständnis für das turbulente Leben von Diego Maradona gezeigt, der am Mittwoch in Argentinien verstorben war. © Getty
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Zwei Mal traf Franz Beckenbauer als Teamchef der deutschen Nationalmannschaft in WM-Endspielen auf Diego Maradona - zwei Mal war der Ausnahmefußballer sein "größtes Problem". Der 75-Jährige würdigte den am Mittwoch verstorbenen argentinischen Superstar, ohne die Schattenseiten in dessen Leben zu verschweigen.

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Franz Beckenbauer spricht mit Hochachtung und dennoch kritisch über den am Mittwoch im Alter von 60 Jahren gestorbenen Diego Maradona. „Er war immer nett, immer freundlich, wenn wir uns sahen. Ich mochte ihn. Er war ein Genie, das sein Leben in den letzten Jahren offensichtlich nicht mehr im Griff hatte. Das war ja nicht zu übersehen“, sagte der Weltmeister von 1974 und Weltmeister-Trainer von 1990 der Bild.

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„Sie haben das ganze Leben lang an ihm herumgezerrt. Das können wir uns in Deutschland gar nicht vorstellen. Was sie mit ihm gemacht haben, war mehr als Begeisterung, das war schon Hysterie. In Argentinien genauso wie in Neapel“, benennt der 75-Jährige einige der Probleme des argentinischen Idols, das bereits am Donnerstag in einem Vorort von Buenos Aires beigesetzt wurde.

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Zu seinen persönlichen Begegnungen als deutscher Teamchef mit Maradona sagte Beckenbauer: „Zwei WM-Endspiele gegen Argentinien, zweimal war Diego mein größtes Problem. 1986 in Mexiko war er auf dem Höhepunkt und eigentlich nicht zu halten. Ich habe es nur Lothar Matthäus zugetraut, der musste ihn in Manndeckung nehmen. Von Diego war nicht so viel zu sehen wie sonst. Aber Lothar fehlte uns in der Offensive.“

Beckenbauer: Fußballer unterschiedlicher Epochen nicht zu vergleichen

1990 war es dann Guido Buchwald, der Maradona in Rom aus dem Spiel nahm - und Deutschland so zum dritten WM-Titel verhalf. Gegenüber dem SPORTBUZZER zeigte Buchwald sich unmittelbar, nachdem der Tod Maradonas am Mittwoch um die Welt ging, erschüttert. "Die Fußball-Welt hat einen ihrer Größten verloren. Nach dem Ende unserer Karrieren habe ich sein Leben immer aus der Ferne verfolgt. Es gab bei ihm stets Aufs und Abs und leider auch gesundheitlich Probleme. Zuletzt hörte man ja aber, dass es ihm wieder besser gehen soll. Daher bin ich schon sehr erschüttert", so Buchwald.


Beckenbauer indes steht auf dem Standpunkt, dass man Fußballer aus verschiedenen Zeiten nicht vergleichen sollte. „Pelé war dreimal Weltmeister. Aber gleich hinter ihm kommt für mich Maradona. Er war mehr als ein Fußballer. Er war ein Künstler!“, sagte er dennoch.