11. Februar 2021 / 17:07 Uhr

Bedarfsgerechte Finanzierung: Sächsische Fanprojekte bitten um Fördergeld-Erhöhung 

Bedarfsgerechte Finanzierung: Sächsische Fanprojekte bitten um Fördergeld-Erhöhung 

Britt Schlehahn
Leipziger Volkszeitung
Tändler-Wöller
Marika Tändler-Walenta (l.) betont die Bedeutung der sächsischen Fanprojekte und deren Bitte, die an Innenminister Roland Wöller (r.) herangetragen wurde. © Die Linke/Andre Kempner/Montage
Anzeige

Um die Kostensteigerung in Folge von Tarifangleichungen auffangen zu können, haben die sächsischen Fanprojekte in einem offenen Brief, um eine Erhöhung der finanziellen Unterstützung durch das Land gebeten. Innenminister Wöller erklärte zwar die Wichtigkeit der Fanprojekte, doch äußerte er sich nicht zu einer bedarfsgerechten Finanzierung.

Anzeige

Leipzig. Vergangene Woche richteten sich die sächsischen Fanprojekte mit einem Schreiben an den Innenminister Roland Wöller. Darin bitten sie um Rücksicht und Aufmerksamkeit gegenüber einer bedarfsgerechten Finanzierung und einer "adäquaten Anpassung der Förderung" von den Fanprojekten in Aue, Chemnitz, Dresden, Leipzig, Plauen - Vogtland und Zwickau für den Doppelhaushalt des Landes 2021/22. Mit anderen Worten: Die jährliche Förderung von 450.000 Euro müsste auf 550.000 bis 570.000 Euro angehoben werden, wie es Marika Tändler-Walenta, sportpolitische Sprecherin der Linksfraktion im sächsischen Landtag, in einer Pressemitteilung erklärt.

Anzeige

Reformen benötigt

Tändler-Walenta betont zudem, "die sächsischen Fanprojekte leisten seit vielen Jahren unverzichtbare Bildungs- und Demokratisierungsarbeit mit jugendlichen Fußballfans, die für unsere Gesellschaft von großem Wert ist. Allerdings wachsen ihre Personal- und Sachkosten, ohne dass das zu einer bedarfsgerechten Finanzierung führt. Der von den Fanprojekten ermittelte Bedarf sollten im Doppelhaushalt 2021/22 abgedeckt werden."

Bereits vor einem halben Jahr standen die Fanprojekte im Fokus. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) veröffentlichte am 11. September 2020 eine Pressemitteilung. Darin wird der Generalsekretär Friedrich Curtius mit den Worten zitiert: "Die Bedeutung der Fanprojekte für die Förderung und den Erhalt einer friedlichen, lebendigen Fan- und Jugendkultur ist allgemein anerkannt und steht auch für den DFB außer Frage. Gleichwohl hat sich die Fanprojektlandschaft in den letzten Jahren stark verändert. Aus diesem Grund braucht es Reformen."

Die Überlegungen laufen auf eine Reform zwischen von Vereinen finanzierten Fanbetreuern und den unabhängig davon agierenden Fanprojekten hinaus. Im Anschluss an das Statement äußerte sich Michael Gabriel, Leiter der Koordinierungsstelle Fanprojekte, im MDR, dass hauptamtliche Fanbetreuer in der ersten und zweiten Bundesliga zu finden sind, nicht aber als Standard in der Dritten Liga geschweige denn in der Regionalliga oder in den unteren Ligen. Das sieht Gabriel als eine Besonderheit, denn "die Fanprojekte in diesen Ligen besitzen eine viel, viel größere Bedeutung." Allein ein Blick auf die sächsischen Projekte bestätigt diese Aussage, denn hier gibt es letztlich nur mit RB Leipzig einen Erstligisten, der nun wiederum in Sachen vereinseigener Fanbetreuung in der Vergangenheit einen hohen Nachholbarf bewies.


Anlaufstellen könnten wegfallen

Die Finanzierung der Fanprojekte seitens des DFB ist bis zum 30. Juni 2022 gesichert. Diese Förderung sieht allerdings keine Erhöhung des Etats von 3,4 Millionen Euro vor. Der weitere Plan sieht vor, dass die Ergebnisse des Reformprozesses am 1. Oktober 2021 vorgestellt werden. Finanziert werden die Fanprojekte zu 50 Prozent vom DFB und der DFL sowie Land und Kommune.

Das Fanprojekt in Leipzig betreut jugendliche Anhänger von RB Leipzig, dem 1. FC Lokomotive Leipzig und der BSG Chemie Leipzig. Was würde die Nichterhöhung des Etats ganz konkret für das Leipziger Fanprojekt bedeuten? Der Leiter Christian Kohn erklärt gegenüber dem SPORTBUZZER, die dringende Notwendigkeit der Erhöhung, weil wir ansonsten aufgrund von Kostensteigerungen in Folge von Tarifangleichungen sowie gestiegenen Sachkosten zu massiven Einsparungen gezwungen wären." So abstrakt dies erst einmal klingt, umso konkreter wären die Auswirkungen auf die Projektarbeit.

Wegfallen könnten die Anlaufstellen für die drei Fanszenen oder die Spieltagsbegleitungen. Auch wenn derzeit RB nur vor leeren Rängen und die Regionalligisten gar nicht antreten, "geht es während des Lockdowns für uns vor allem darum, den Kontakt zu den Jugendlichen nicht abreißen zu lassen, gerade in dieser schwierigen Zeit für sie als Ansprechpartner da zu sein", erklärt Kohn.

"Arbeit der Fanprojekte ist sehr wichtig"

Die im ersten Lockdown gesammelten Erfahrungen helfen den Verantwortlichen nun in der aktuellen Lage. "Wir haben relativ viel mit individuellen Problemlagen wie Vereinsamung oder fehlenden Berufsperspektiven und Zukunftsängsten bis hin zu wirklich tiefen psychosozialen Krisen zu tun. Da begleiten, beraten und vermitteln wir weiterhin viel. Andererseits unterstützen wir die Fans gerade bei verschiedenen sozialen Projekten wie etwa Einkaufshilfen und Kleidersammlungen, aber auch bei inhaltlichen Auseinandersetzungen. Auch der Austausch mit den Bezugsvereinen bestimmt unseren Arbeitsalltag während der Pandemie." Außerdem bereitet das Fanprojekt die Workshops im Rahmen von Lernort Stadion vor, das dann nach Corona realisiert wird.

Wie schätzt der für den Sport verantwortliche sächsische Innenminister Roland Wöller die Situation der Fanprojekte ein? Gegenüber dem SPORTBUZZER stellt Wöller fest: "die Arbeit der Fanprojekte ist dem Freistaat Sachsen sehr wichtig." Auch wenn der Minister eine etwas eindimensionale Sichtweise auf die Aufgaben der Projekte erkennen lässt: "Wir wollen Gewaltbereitschaft im Umfeld der Vereine verringern und durch angemessene Kommunikation in die Fangruppen die Sicherheitsmaßnahmen der Veranstalter und der Polizei stützen. Fanprojekte sind wirksame Bausteine in der Präventionsarbeit, vielleicht die wichtigsten im Kontext von Fußballsportveranstaltungen."

Der Minister verweist darauf, dass die Unterstützung im Koalitionsvertrag verankert sei. "Wir unterstützen Fanprojekte selbstverständlich auch finanziell." Konkrete Aussagen zur Forderung einer bedarfsgerechten Erhöhung lässt er allerdings aus.