16. September 2020 / 22:23 Uhr

Begabung für RB Leipzigs Poulsen nicht alles: "Mentalität ist auch ein Talent"

Begabung für RB Leipzigs Poulsen nicht alles: "Mentalität ist auch ein Talent"

Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
RB Leipzigs Yussuf Poulsen (re.) war zu Gast beim LVZ-Live-Podcast RüŸckfallzieher mit Guido Schäfer (mi.) und Meigl Hoffmann (li.).
RB Leipzigs Yussuf Poulsen (re.) war zu Gast beim LVZ-Live-Podcast "RüŸckfallzieher" mit Guido Schäfer (mi.) und Meigl Hoffmann (li.). © André Kempner
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Für die Live-Aufnahme des LVZ-Podcasts "Die Rückfallzieher" gab sich RB Leipzigs Yussuf Poulsen am Mittwochabend die Ehre bei Meigl Hoffmann und Guido Schäfer. Im Talk überzeugte der Däne mit viel Witz und Geschichten aus dem Nähkästchen.

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Leipzig. Gleich zur Begrüßung nahm Überraschungsgast Yussuf Poulsen Gastgeber Guido Schäfer aufs Korn. Mit optimistischem Blick auf den Bundesligastart am Sonntag (15.30 Uhr) gegen Mainz 05 sagte der RB-Profi: „Wir haben vergangene Saison daheim 8:0 und auswärts 5:0 gewonnen. Du weißt ja, wie das geht gegen Mainz.“ Mitleid auf dem Platz gebe es nicht – auch nicht gegen den Lieblingsverein des LVZ-Reporters.

Beim am Mittwoch vor Live-Publikum in der LVZ-Kuppel aufgezeichneten Podcast war erneut Kabarettist Meigl Hoffmann dabei. Jahrelang hatte sich das Duo Schäfer/Hoffmann meist bei hochgeistigen Getränken getroffen – heute (nur noch) auf einen Kaffee vor dem Konsum in der Grassi-Straße. Der Kabarettist genießt die Momente, wenn die Leute vorbei kommen und sagen: „Na, Herr Schäfer, haben Sie wieder ne schöne Scheiße geschrieben.“ Es sei herrlich, das zu hören, ohne direkt betroffen zu sein.

Yussuf Poulsen entwickelte sich in sieben Jahren Leipzig von der 3. Liga bis in die Champions League. Schäfer erzählte gleich seinen Lieblings-Gag: „Als Yussi nach Leipzig kam, hat er den Ball weiter gestoppt als ich schießen kann.“

„Mussten die Schranke abbauen, damit Yussi durchpasst“

Der sympathische Däne und junge Familienvater verriet, dass er gern mal einen Bordeaux-Rotwein trinkt, wenn es in die Zeit passt. „Hast du deine Karriere eher durch Mentalität als Talent gemacht?“, fragte Schäfer und bekam zu hören: „Irgendwelche Qualitäten muss man ja haben, um Profifußballer zu werden. Die Frage ist, ob Mentalität nicht auch zu den Talenten gehört. Wichtig ist: Wenn man Schwächen hat, muss man daran arbeiten.“ Um wie er selten verletzt zu sein, „gehören Glück und gute Gene dazu“. Beim Thema Verletzungen fragte Poulsen besorgt nach Schäfers getapten Armen: Dieser verwies auf eine Sehnenscheidenentzündung, die er sich beim Ausgraben der Top-Storys über RB eingefangen habe.

Dann war Poulsens Bodenständigkeit Thema. Schäfer foppte den Profi zunächst: „Ich habe gerade sein Auto gesehen. Wir mussten die Schranke abbauen, damit Yussi durchpasst.“ Meigl Hoffmann vergaß nicht zu erwähnen: „Guido, mit großen Autos hast du doch auch deine Erfahrung.“ Doch wie schwer fällt es Yussuf Poulsen, Kontakt zu Mutter Erde zu halten? Darauf der 26-Jährige: „Das ist nicht schwer für Leute, die ein gutes Umfeld haben.“

„Man muss nicht immer von Anfang an spielen“

Poulsen geht gerne in der City essen oder ins Kino. „Die Menschen in Leipzig sind super toll, nie unangenehm oder nervig. Leipzig ist eine schöne Stadt – auch durch die Menschen, die hier leben.“

Der Däne verriet, dass ihm noch keine wirklich verlockenden Angebote anderer Klubs vorlagen. „Leipzig hat mir immer wieder tolle Voraussetzungen und Chancen geboten. So lange wir Champions League spielen, gibt es keinen Grund für mich, den Verein zu wechseln.“ Ist er froh, dass der Tscheche Patrik Schick nach Leverkusen gewechselt ist und die Stammplatz-Chancen des Dänen wieder gestiegen sind? Poulsen antwortete ganz mannschaftsdienlich: „Ich wünsche mir, dass noch ein Stürmer kommt. Es ist immer besser, wenn Konkurrenzkampf herrscht.“ Beim 3:0 im Pokal in Nürnberg zeigte er nach seiner Einwechslung eine Top-Leistung. Forderte er danach eine Stammplatzgarantie? „Man muss nicht immer von Anfang an spielen, vor allem, wenn man gerade auf Länderspielreise war.“

„Yussi“ freut sich auf Fans

Der LVZ-Chefreporter hatte wenige Stunden vor dem Live-Podcast ausführlich mit Julian Nagelsmann telefoniert, das Interview erscheint am Sonnabend im SPORTBUZZER. Der LVZ-Reporter sollte den im Anflug befindlichen Alexander Sørloth besser nicht erwähnen und nahm den Umweg über seine Tierliebe: „Julian, wie soll ich meine neue norwegische, durchsetzungsstarke Waldkatze nennen?“ Der RB Coach habe erwidert: „Nenne ihn doch Alexander, der Große.“

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<b>A - Abwehrspieler:</b> In der Jugendmannschaft von BK Skjold in Kopenhagen begann Poulsen im Jahr 2000 das Fußballspielen – als Abwehrspieler. Erst später setzte ihn sein Trainer im Sturm ein. Rückblickend eine weise Entscheidung. Zur Galerie
A - Abwehrspieler: In der Jugendmannschaft von BK Skjold in Kopenhagen begann Poulsen im Jahr 2000 das Fußballspielen – als Abwehrspieler. Erst später setzte ihn sein Trainer im Sturm ein. Rückblickend eine weise Entscheidung. ©

Meigl Hoffmann streute wenige Tage vor dem Bundesligastart noch den Gag ein: „Einige Hallenser lassen sich ja schnell eingemeinden, um am Sonntag im Stadion dabei sein zu dürfen. Bei denen bin ich vorsichtig, vor allem, wenn sie nen Führerschein haben.“ Und um Schäfer zu ärgern, meinte der Kabarettist: „Guido hat damals in Mainz die Geisterspiele erfunden – er war nur körperlich anwesend.“

Poulsen freut sich auf den Sonntag und die 8500 Fans: „Man merkt erst, wie wichtig die Fans sind, wenn sie nicht mehr da sind.“