25. März 2022 / 09:25 Uhr

Tennisspieler Christoph Wilke ist Niedersachsens Behindertensportler des Jahres

Tennisspieler Christoph Wilke ist Niedersachsens Behindertensportler des Jahres

Eric Zimmer
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Glückliche Gala-Gäste: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (hintere Reihe, von links), Laudator Frank Busemann, BSN-Präsident Karl Finke sowie die Nominierten Tim Focken und Alexander Bley. Vorne, von links: Der ebenfalls nominierte Bernd Jeffre, der stolze Wahlsieger Christoph Wilke und die Drittplatzierte Mariska Beijer.
Glückliche Gala-Gäste: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (hintere Reihe, von links), Laudator Frank Busemann, BSN-Präsident Karl Finke sowie die Nominierten Tim Focken und Alexander Bley. Vorne, von links: Der ebenfalls nominierte Bernd Jeffre, der stolze Wahlsieger Christoph Wilke und die Drittplatzierte Mariska Beijer. © Debbie Jayne Kinsey
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Nicht nur Laudator und Olympia-Silbermedaillengewinner Frank Busemann war begeistert – sondern auch die Wähler. Schließlich haben sie Christoph Wilke (19) zu Niedersachsens Behindertensportler des Jahres gemacht. Am Donnerstagabend wurde der Tennisspieler aus Stadthagen bei einer Gala im GOP Varieté ausgezeichnet.

Frank Busemanns Sportrechnung geht so: „Erfolg bedeutet immer auch harte Arbeit und ist zugleich der Lohn für diese Arbeit.“ Der ehemalige Zehnkämpfer weiß, wovon er da im GOP Varieté-Theater sprach – schließlich holte er 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta Silber.

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Am Donnerstagabend um 22.11 Uhr war es dann der 47-Jährige, der als Laudator bei der Gala zur Wahl von Niedersachsens Behindertensportler des Jahres den Lohn an jemanden verteilen durfte: an Rollstuhltennisspieler Christoph Wilke (TC Meerbeck). Der 19-Jährige gewann mit 32,4 Prozent der abgegebenen Stimmen – vor dem Sportschützen Tim Focken (SV Etzenhorn/Team BEB, 20,5 Prozent) und der Rollstuhlbasketballerin Mariska Beijer (16,8 Prozent) vom Bundesligateam Hannover United.

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Die Wahl wurde bereits zum 22. Mal durchgeführt. Die stellvertretende GOP-Direktorin Christine von Loh und Moderator Andreas Kuhnt begrüßten rund 170 geladene Gäste. „Es ist in allererster Linie eure Gala, heute steht ihr im Mittelpunkt“, sagte Karl Finke, Präsident des Behinderten-Sportverbandes Niedersachsen (BSN), an die Nominierten und die Nominierte gewandt. Die Werte des Sports nannte Finke als „Gegenentwurf zu Hass, Gewalt und Krieg“ – die Situation in der Ukraine ließ sich auch an diesem Abend nicht einfach ausklammern.

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„Riesigen Respekt auch an die anderen Nominierten“

Sieger Wilke, der sich als „Arbeitstier“ bezeichnet, hat es unter die Top 20 der Junioren-Weltrangliste geschafft und klare Ziele: 2024 möchte er mit einer Platzierung unter den Top 50 in der Weltrangliste zu den Paralympics nach Paris. 2028 will er dann als Top-20-Spieler in Los Angeles um die Medaillen mitspielen. „Ich bin sehr ehrgeizig und konsequent – und dabei immer fair und diszipliniert“, sagt er. Bei der Wahl gab es schon jetzt einen Sieg. „Ich möchte mich bei meiner Mutter und meinem Trainerteam bedanken, und bei meinen Freunden. Ohne euch wäre ich das nicht geworden“, freute sich Wilke und betonte: „Riesigen Respekt auch an die anderen Nominierten.“

Wilkes Art imponierte auch Laudator Busemann: „Dass er erst 19 Jahre alt ist, mag man kaum glauben. Was mich am meisten beeindruckt: Er verliert bei allem Erfolg auch die Welt um sich herum nicht aus den Augen und übernimmt Verantwortung.“

Wilke, der Wahlsieger mit Weitsicht. Von Geburt an fehlt dem Stadthäger das linke Bein, im rechten hat er eine Spastik und eine Sehnenverkürzung. „Ich habe gelernt, dass ich für das Erreichen meiner Ziele ein mentaler Langstreckler sein muss“, sagt er.

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Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, Schirmherr der Wahl, war einer der Gratulanten – der 63-Jährige sprach auch über seine eigenen sportlichen Ambitionen: „Ich laufe noch, gebe mir Mühe. Und morgens eine Menge von den Übungen, die ich früher beim Fußballtraining gemacht habe. 20 Minuten – und das geht ganz gut.“

Günther Distelrath (scheidender Präsident des Niedersächsischen Fußballverbandes), Daniela Behrens (niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung) und Radsportler Vico Merklein (Silbermedaillengewinner bei den Paralympics 2021) zählten ebenfalls zu den Gästen, denen auch das GOP einiges geboten hat: Clown Joel Baker, Michele und Amélie mit eleganter Partnerakrobatik sowie das Duo Alex und Vlad (Ikarische Spiele) begeisterten das Publikum.

„Eure Power ist fantastisch“

Auch wenn es mit Wilke nur einen Sieger geben konnte, war für Busemann mit Blick auf alle sechs Nominierten klar: „Jede und ein jeder von euch ist für mich ein Sportler, beziehungsweise eine Sportlerin des Jahres.“ So gehören auch Alexander Bley, (Mittelstreckenläufer vom GSV Braunschweig), Handbiker Bernd Jeffré (GC Nendorf/Team BEB) und Tischtennisspieler Björn Schnake (TSV Thiede 1900/Team BEB, fehlte gestern wegen eines Turniers in Spanien) für Busemann zu den Sportlern, „die uns viel mit auf den Weg geben. Welche Power ihr in euren Sport gebt und welche Lebensfreude und Energie ihr ausstrahlt, ist fantastisch“.

Die Abstimmung im Detail:

Platz eins: Christoph Wilke (Rollstuhltennis; 32,4 Prozent)

*Platz zwei: *Tim Focken (Sportschütze; 20,5)

Platz drei: Mariska Beijer (Rollstuhlbasketball; 16,8)

Platz vier: Alexander Bley (Mittelstreckenläufer; 16,0)

*Platz fünf: *Björn Schnake (Tischtennis; 7,3)


Platz sechs: Bernd Jeffré (Handbike; 6,9)

13 589 Stimmen wurden abgegeben.