28. Dezember 2017 / 10:32 Uhr

Bei Hannover 96 gescheitert, bei Frankfurt aufgeblüht: Der Wolf hat wieder Biss

Bei Hannover 96 gescheitert, bei Frankfurt aufgeblüht: Der Wolf hat wieder Biss

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
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Marius Wolf hat sich bei Hannover 96 nicht durchsetzen können. Bei Eintracht Frankfurt entwickelte er sich zum Stammspieler. Trost für 96: Durch die Kaufoption, die die Frankfurter im Sommer ziehen werden, machen die Roten immerhin so gut wie kein Minus.

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96 ist im Jahr 2017 sehr viel sehr gut gelungen. Aber es gibt noch einen weiteren 96-Spieler, dem mittlerweile fast alles gelingt. Marius Wolf sorgt in der Bundesliga für Furore, für Furore in Frankfurt. Sein Mitspieler und bester Eintracht-Kumpel Kevin-Prince Boateng behauptete sogar: „Wenn er so weitermacht, wird er Nationalspieler.“

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Ob in Hannover geboren, als Talent verpflichtet oder Stammkraft im 96-Nachwuchs: Diese Talente schafften ihren Durchbruch nicht bei 96 und verdienen jetzt woanders mit dem Fußball ihr Geld.

Niko Gießelmann: Der linke Verteidiger wurde 1991 in Hannover geboren. Mit 15 Jahren wechselte er von der SC Langenhagen zu Hannover 96. Dort war er sechs Jahre aktiv, lief in der Reserve der Roten 74 Mal auf (15 Tore, 5 Vorlagen). Mit den Profis auf dem Feld zu stehen, war ihm nicht vergönnt. 2013 wechselte er zu Greuther Fürth, absolvierte 132 Spiele im Kleeblatt-Dress und ist aktuell Stammspieler beim Fortuna Düsseldorf.  Zur Galerie
Niko Gießelmann: Der linke Verteidiger wurde 1991 in Hannover geboren. Mit 15 Jahren wechselte er von der SC Langenhagen zu Hannover 96. Dort war er sechs Jahre aktiv, lief in der Reserve der "Roten" 74 Mal auf (15 Tore, 5 Vorlagen). Mit den Profis auf dem Feld zu stehen, war ihm nicht vergönnt. 2013 wechselte er zu Greuther Fürth, absolvierte 132 Spiele im "Kleeblatt"-Dress und ist aktuell Stammspieler beim Fortuna Düsseldorf.  ©

96 macht kaum Minus

Dass Wolf noch formell zum 96-Rudel gehört, hört man in Hannover nicht so gerne. Verständlicherweise. 96 holte ihn im Winter der Abstiegssaison für 1,5 Millionen Euro von München 1860. Wolf spielte zweimal im 96-Trikot, einmal ordentlich beim 2:1 in Stuttgart, einmal schwach beim 0:4 in Wolfsburg. Danach war Schluss mit seiner 96-Karriere. Er fiel tief, bis in die vierte Liga. 96 lieh ihn nach Frankfurt aus, dort biss er sich durch. Ein Gewinn für die Eintracht, ein Verlust für 96. „Ich freue mich für den Jungen“, sagt Martin Bader, der sich indirekt bestätigt fühlt von Wolfs Entwicklung.

Der damalige 96-Geschäftsführer holte Wolf. „Ich kannte ihn seit der B-Jugend, habe seinen Weg immer verfolgt“, erzählt Bader. Er versichert, dass 96 zumindest finanziell so gut wie kein Minus mit Wolf macht. Seine Rechnung: Frankfurt lieh Wolf vor einem Jahr für 350 000 Euro aus und zog die Option für ein weiteres geliehenes Jahr für 500 000 Euro. Im Sommer wird Frankfurt die Kaufoption mit weiteren 500 000 Euro ziehen. Macht 1,35 Millionen Euro.

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Allan Saint-Maximin. ©

​Wolf biss sich bei 96 nicht durch

Fast wäre Wolf vor einem Jahr in Bochum gelandet, aber der VfL wollte keine Leihgebühr zahlen. Bader rief bei den Frankfurtern an, bei Fredi Bobic und Bruno Hübner. „Ich kenne die beiden gut. Ich habe gesagt: Bruno, hol den, der hat was.“ Frankfurt holte ihn, und 96 konnte ihn von der Gehaltsliste streichen.

Bei 96 hatte Wolf keine Chance gehabt. Der damalige Trainer Daniel Stendel schickte den früheren U-Nationalspieler in die Reservemannschaft. Stendel ist deshalb kein Vorwurf zu machen. Wolf bot sich einfach nicht an. Das sagt auch Bader aus heutiger Sicht. „Wenn die Trainingsleistungen nicht stimmen, hat der Trainer keine Wahl“, weiß Bader.

Wolf hatte in der schwierigen Thomas-Schaaf-Ära den Biss verloren. Am 96-Team lag es nicht. Unter anderem befreundete er sich mit Felix Klaus. Noch in der Frankfurter Zeit besuchte Wolf seine 96-Kollegen im Stadion. „Es gibt so etwas wie den falschen Zeitpunkt“, vermutet Bader.

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​Wolfs Karriere ist kurios

Das Falsche am Zeitpunkt damals: Wolf sollte 96 sofort helfen in der Abstiegsnot, konnte es aber nicht. Er verletzte sich im ersten Training in Belek. Kam zurück, kam in die Startelf, flog wieder raus, saß auf der Tribüne. Stendel glaubte nicht an ihn. Der junge Spieler beklagte sich intern nicht. Er wollte weg, den Club wechseln, seine Berater rieten ihm zu bleiben. Er wechselte den Berater. Aber nicht einmal in der vierten Liga ragte er heraus. Fast niemand in Hannover glaubte mehr an Wolf.

In dieser Zeit wurde Wolf ständig begleitet von einem bekannten Beobachter. Ronald Reng, erfolgreicher Autor, verfolgt Wolfs Karriere mit einem Langzeitprojekt. Er schrieb unter anderem die Robert-Enke-Biografie „Ein allzu kurzes Leben“. Wolfs Geschichte wird irgendwann einfließen in eine Reng-Sammlung von jungen Karrieren, die scheiterten oder gelangen. Wolfs Karriere bietet beides. Sie ist kurios.

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​Wolf zahlt sich für Frankfurt aus

Frankfurt-Trainer Niko Kovac musste ihn nach der schweren Hannover-Etappe „erst mal aufpäppeln“. Er verletzte sich im DFB-Pokal-Halbfinale schwer, konnte das Finale nicht spielen. Es ging weiter, diesmal aufwärts. Wolf freundete sich mit Kevin-Prince Boateng an, traf Superstar Neymar bei einem Ausflug in Mailand, angeblich zufällig. 

Die große Welt des Fußballs hätte ihn mit einer Roten Karte nach einem Foul an Bayerns James beinahe wieder rausgeworfen. Aber dank des Video-Assistenten durfte Wolf weiterspielen. Er wurde aus der Kabine zurück auf den Platz geholt. Auch das ist eine einmalige Geschichte.

Wolf ist ein gutes Beispiel dafür, wie schnell alles geht in der Fußball-Show. In Frankfurt spielt er mit drei Treffern und drei Torvorlagen eine herausragende Rolle. Zum Vergleich: Julian Korb kam für 3 Millionen Euro zu 96, schoss auf Wolfs Position ein Tor und gab zwei Torvorlagen. Solche Vergleiche sind nicht immer fair. Für Wolf nicht, auch für Korb nicht. Aber im Fall des 96-Spielers, der im Sommer endgültig wechseln wird, lohnt jeder genaue Blick. Für Frankfurt zahlt er sich allemal aus.