04. Oktober 2020 / 13:24 Uhr

Bei Union Berlin gibt jetzt Max Kruse den Takt an

Bei Union Berlin gibt jetzt Max Kruse den Takt an

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Einmal abheben: Max Kruse feiert sein erstes Pflichtspiel-Tor im Dress des 1. FC Union Berlin.
Einmal abheben: Max Kruse feiert sein erstes Pflichtspiel-Tor im Dress des 1. FC Union Berlin. © imago images/Contrast
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Bei seinem Startelf-Debüt deutet Max Kruse an, warum er für den 1. FC Union so wertvoll sein kann. Nach dem 4:0-Heimsieg gegen Mainz 05 macht er eine Ankündigung, die den Union-Fans gefallen dürfte.

Es geht immer noch ein bisschen besser, das weiß Max Kruse natürlich. Und es ehrt den Fußballspieler des 1. FC Union Berlin, dass er das so auch artikuliert. „Die Wahrheit ist, ich war schlicht zu langsam“, sagte der 32-Jährige also nach dem 4:0 (1:0)-Sieg seiner Berliner gegen den FSV Mainz 05. Der Stürmer bezog sich auf eine Szene nach 27 Minuten: Sheraldo Becker hatte geflankt, eigentlich perfekt, wie es schien, doch Kruse war eben „schlicht zu langsam“ in Position gelaufen, um den Ball mit letzter Konsequenz Richtung Mainzer Tor drücken zu können; über statt ins Tor flog das Spielgerät deshalb.

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„Man hat gesehen, dass ich schon weiter bin als letzte Woche. Dass es noch nicht hundertprozentig das ist, was ich spielen kann, ist, glaube ich, auch ganz klar“, sagte Kruse. Dabei hatten die Fans, zumindest jene 4400, die im Stadion An der Alten Försterei zugelassen waren, vor allem gesehen, wie viel besser das Spiel der Berliner bereits mit einem halbfitten Max Kruse läuft.

Union Berlin in Noten: Die Einzelkritik zum 4:0-Sieg gegen den 1. FSV Mainz 05.

 Der SPORTBUZZER hat alle Spieler von Union Berlin gegen Mainz 05 mit Noten bewertet. Zur Galerie
Der SPORTBUZZER hat alle Spieler von Union Berlin gegen Mainz 05 mit Noten bewertet. ©

Wie ein Metronom werkelte Kruse in vorderster Linie und, wenn es die Situation verlangte, auch weiter hinten. Gewann er den Eindruck, das Spiel beschleunigen zu müssen, beschleunigte er es. Und wenn Übersicht gefragt war, Ruhe und Ordnung, streute Kruse Querpässe ein. Er steuerte das Tempo just so, dass seine Mitspieler die Sicherheit fanden, um selbst gepflegt Fußball spielen zu können. Und viele im rot-weißen Kosmos wissen, dass der gepflegte und schöne Fußball bislang selten oberste Priorität bei den Köpenickern genoss. Mit Kruse könnte sich das ändern. Dass ihm obendrein noch das Führungstor gelang – nach einer feinen Kombination über Kapitän Christopher Trimmel, Robert Andrich und Flankengeber Becker –, rundete seinen starken 63-minütigen Auftritt ab.

Die Ankündigung Kruses, dass da noch viel mehr kommen könnte, vermutlich schon nach der nun zweiwöchigen Länderspielpause, klingt wie ein großes Versprechen. „Man hat dann eben die Qualität gesehen, die er mitbringt“, lobte Unions Trainer Urs Fischer. „Wir profitieren von seiner Erfahrung, nicht nur auf dem Platz, sondern auch neben dem Platz.“ Nun ist zwar kaum ersichtlich, was im schweigsamen Union-Kosmos neben dem Platz so alles geschieht – auf dem Platz ist der Kruse-Faktor aber unübersehbar. Wie ein heller Stern in dunkler Nacht wirkt der Neuzugang, wegweisend und inspirierend.

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Das 253. Bundesliga-Spiel von Max Kruse, in dem ihm sein 75. Tor gelang, war auch deshalb ein besonderes, weil es offenlegte, welche Potenziale im breiten Berliner Kader schlummern. Auf einmal überzeugte Sheraldo Becker nicht nur mit seinen schon bekannten schnellen Antritten, sondern auch mit präzisen Flanken und effektiver Defensivarbeit. Kapitän Trimmel zwirbelte seine Bälle wieder zielorientiert ins Zentrum, woraus die Tore durch Marcus Ingvartsen und Marvin Friedrich resultierten. Und auch der neueste Neuzugang der Berliner, Joel Pohjanpalo, nahm den Kruse-Flow direkt mit. Nur 35 Sekunden benötigte er nach seiner Einwechslung, um den 4:0-Endstand gegen zugegebenermaßen schwache Mainzer zu besorgen.

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Unions Kader bietet mit den jüngsten Zugängen etliche Alternativen, von „mehr Qualität in der Breite“, sprach Trimmel. Für die Torhüterposition gilt das im Übrigen auch. Die Frage, ob – wie gegen Mainz – Andreas Luthe die Nummer eins bleiben wird oder doch der aus Liverpool geholte Leihspieler Loris Karius den Vorzug erhält, ist keine, die Trainer Fischer öffentlich thematisieren will. „Der Plan ist, dass wir uns nach außen nicht dazu äußern werden“, sagte er.

Es ist nun mal auch keine Frage, die nach einem 4:0 besonders drängt. „Es war ein wichtiger Sieg. Aber jetzt gilt es, auf dem Boden zu bleiben“, sagte Fischer gewohnt sachlich über den bislang höchsten Erfolg Unions in der Bundesliga. Er kam auf eine Art und Weise zustande, wie sie den Berlinern bislang selten geglückt ist: mit offensivem Spirit nämlich. „Dass wir von der Überzeugung her bereit waren, das ist für mich der Punkt, den ich als optimal anschaue“, sagte Fischer. Ein Punkt, der vor allem mit Max Kruse zusammenhängt, Unions neuem Taktgeber.

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