03. Juni 2020 / 06:15 Uhr

Bei Werder Bremen ist die Hoffnung zurück: So arbeitet Kohfeldt am Mini-Wunder von der Weser

Bei Werder Bremen ist die Hoffnung zurück: So arbeitet Kohfeldt am Mini-Wunder von der Weser

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Florian Kohfeldt will mit Werder Bremen den Klassenerhalt schaffen. Gegen Frankfurt soll es den nächsten Schritt geben.
Florian Kohfeldt will mit Werder Bremen den Klassenerhalt schaffen. Gegen Frankfurt soll es den nächsten Schritt geben. © Pool
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Nach sieben Punkten aus drei Spielen hat Werder Bremen im Abstiegskampf der Bundesliga wieder Blut geleckt. Trainer Florian Kohfeldt, dem die SVW-Bosse in der Krise demonstrativ den Rücken gestärkt hatten, will nun Architekt der Bremer Rettung sein - wie schon einmal vor vier Jahren.

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Die Bilder gehören zur Vereinsgeschichte des SV Werder wie vier Deutsche Meisterschaften und sechs Pokalsiege. Am Pfingstsamstag vor vier Jahren löste der 1:0-Heimsieg gegen Frankfurt Glücksgefühle wie nach einem Titelgewinn aus, weil in letzter Minute die Relegation abgewendet wurde. „Ziemlich jung, ziemlich nervös“ sei er damals gewesen, erinnert sich Bremens Cheftrainer Florian Kohfeldt, der damals noch die Assistentenrolle besetzte. Vier Jahre danach ist die Ausgangslage vor dem Nachholspiel im Weserstadion (Mittwoch 20.30 Uhr, Sky) anders.

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Die Hanseaten können bei einem Sieg die direkten Abstiegsränge verlassen. Und doch hat das 100. Bundesliga-Duell der beiden Vereine keinen finalen Charakter. „Nach diesem Endspiel werden für uns noch fünf weitere folgen“, beteuert Kohfeldt, der die Eintracht erstaunlicherweise gar „nicht als Konkurrent“ betrachtet. Denn „die sind nicht wirklich im Abstiegskampf drin.“ Auch bei den Emotionen können keine Parallelen entstehen: Am 14. Mai 2016 war der Werder-Mannschaftsbus durch grün-weiße Massen gekrochen – das ist jetzt nicht möglich. Geisterspiel halt.

Sieben Punkte aus drei Spielen: Kohfeldt arbeitet am Klassenerhalt

Mit zuletzt sieben Punkten aus drei Partien, 1:0 in Freiburg, 0:0 gegen Gladbach und 1:0 auf Schalke, ist die Hoffnung in Bremen zurückgekehrt, den zweiten Abstieg seit 1980 zu verhindern. Nicht einmal die Tatsache, dass Werder in seinem Wohnzimmer seit neun Monaten keinen Heimsieg eingefahren hat, bremst den zarten Optimismus. Kohfeldt liefert eine interessante Erklärung: Die strengen Vorgaben durch das Hygienekonzept würden sogar helfen, im viel beschworenen Tunnel zu bleiben. „Durch die langen Hotelaufenthalte gibt es nichts anderes.“ Ablenkung von außen entfällt.

Der Coach selbst hat erkannt, dass die einst von Otto Rehhagel erschaffene Wagenburgmentalität auch einem offeneren Trainertypen wie ihm in Krisenzeiten nutzen kann. Er erklärt weniger und fordert mehr. Der Schulterschluss ist gut daran zu erkennen, wie Reservisten, Co-Trainer und Physiotherapeuten die Protagonisten auf dem Platz anfeuern. Die Zwangsunterbrechung half zudem, die eklatanten Fitnessdefizite aufzuarbeiten. So könnte sich die Absage der ursprünglich für den 1. März angesetzten Begegnung mit der Eintracht vom 24. Spieltag sogar als Segen erweisen. Der einst lautstark vorgebrachte Unmut über die Verlegung – durch das verschobene Frankfurter Europa-League-Spiel in Salzburg – hat sich verflüchtigt. Den Klassenerhalt würde der im November 2017 vor einem Auswärtsspiel in Frankfurt in höchster Abstiegsnot installierte Kohfeldt übrigens über alles bisher Erreichte stellen.

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Der Klassenerhalt wäre ein Miniwunder von der Weser

Eine Art Miniwunder von der Weser wäre es allemal, zumal die Klubführung das Trainer-Eigengewächs schützt. Manager Frank Baumann sagte gerade, es interessiere ihn nicht, ob er sich bestätigt fühlen darf: „Wir haben immer an Florian geglaubt und sind sicher, dass wir in dieser Konstellation den Klassenerhalt schaffen können.“ Aber noch ist das Gebilde wacklig.

Defensive Stabilität wird der Schlüssel für den Ligaverbleib sein. Dass Leihgabe Kevin Vogt inzwischen effektiv zwischen Mittelfeld und Abwehr pendelt, dass Torwart Jiri Pavlenka wieder zu alter Klasse gefunden hat, war mindestens so gewinnbringend wie die goldenen Tore von Leonardo Bittencourt.

Der aus Kölner Zeiten als zu zartbesaitet beschriebene Techniker ist übrigens fürs Frankfurt-Spiel wieder einsatzbereit. „Leo hatte bis vor der Corona-Pause auch eine schwierige Zeit, weil er immer wieder überall aushelfen musste“, sagte Kohfeldt. „Aber er hat Eigenschaften, die unserem Spiel immer guttun.“ Mit einem dritten Volltreffer binnen kürzester Zeit könnte Bittencourt neue Werder-Geschichte schreiben.