05. November 2021 / 11:22 Uhr

Beim Budokan Großbeeren steht Selbstverteidigung an erster Stelle

Beim Budokan Großbeeren steht Selbstverteidigung an erster Stelle

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
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Beim Budokan Großbeeren e.V. wird die Kampfkunst Ju-Jutsu gelehrt – Der rund 70 Mitglieder starke Verein schafft wichtige Angebote für Frauen und Kinder.

Harald Negendank liebt Ju-Jutsu, dabei hat er die Kampfsportart erst recht spät für sich entdeckt. Der inzwischen 59-Jährige probierte sich lieber in Karate aus, jener alten Kampfkunst, die ebenfalls gelernt sein will und durch Filmklassiker wie „Karate Kid“ (1984) in Deutschland populär wurde. Negendank prägten die Filme offenbar nicht nachhaltig, im Dezember 2004 stieg er beim damals noch recht jungen Budokan Großbeeren e.V. ein und auf Jiu Jitsu um. „Jiu Jitsu ist keine einseitige Sportart, es geht um Vielseitigkeit“, sagt Negendank. „Ausdauer, Kontrolle, Schnellkraft, es ist alles dabei.“

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In erster Linie ist Ju-Jutsu ein Selbstverteidigungssport, der verschiedene Techniken aus anderen Kampfsportarten wie Karate, Judo oder Aikido vereint. „Ich schätze Ju-Jutsu, weil man im Distanz- und Nahbereich agieren kann und auch am Boden liegend weiterarbeiten muss. Wenn ich unten bin, habe ich auch noch Möglichkeiten, mich zu verteidigen“, sagt Negendank, der erst Schriftführer, dann Kassenwart und schließlich Vorsitzender des 2002 gegründeten Großbeerener Vereins wurde. Auch bei Polizistinnen und Polizisten ist der Sport populär, entsprechende Trainingseinheiten sollen den Beamten „etwas an die Hand geben“, wie Negendank sagt.

Vorsitzender des Budokan Großbeeren e.V. ist Harald Negendank.
Vorsitzender des Budokan Großbeeren e.V. ist Harald Negendank. © Verein

In Großbeeren legen sie grundsätzlich großen Wert auf Präventivarbeit – der Wettkampfgedanke bleibt außen vor. Die Breite soll gestärkt werden, für Kinder, Jugendliche und Frauen gibt es separate Angebote. Der Verein nimmt beispielsweise am Programm „NiMi“ teil – „Nicht mit mir!“ In dem Selbstverteidigungskurs sollen Kinder und Jugendliche lernen, auch mal nein zu sagen. „In den aktuellen Zeiten ist das wichtiger denn je“, meint Negendank.

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Bei Budokan Großbeeren vermittelt ein zertifizierter Coach dem Nachwuchs richtiges Verhalten und Auftreten. Es geht darum, wie Kinder und Jugendliche in möglichen Gefahrensituationen wehrhaft bleiben. Sie werden mit den Tricks der Täter vertraut gemacht, lernen Begrifflichkeiten, um sich mitzuteilen. Selbstbehauptung und Selbstverteidigung sind die zentralen Schlagworte des NiMi-Kurses: Mimik und Gestik werden geübt, Schreiübungen praktiziert – und natürlich körperliche Verteidigungsmechanismen erprobt. „Bei uns lernt man Techniken, die im Alltag funktionieren“, sagt Negendank, Prävention sei wichtig. „Körperbeherrschung, Körperkontrolle, partnerschaftliches Verhalten, das sind alles wichtige Punkte.“

Weil ein guter Ju-Jutsu-Athlet langsam aufgebaut wird, gilt der alte Leitsatz, dass gut Ding eben Weile haben will. „Die Kinder müssen auch mal inne halten, zuhören und verstehen“, sagt Negendank. Es sei wichtig, dass sie lernen und sich bewusst machen, sich nicht alles gefallen zu lassen.

Jährlich treten rund zehn bis 15 Kinder dem Budokan Großbeeren bei, dessen Name aus dem Japanischen mit Halle des Kampfwegs übersetzt werden kann. In Coronaviruszeiten seien die Mitgliederzahlen zurückgegangen, bedauert Negendank. „Inzwischen ist der Trend aber wieder leicht positiv.“ Neben vier Trainerinnen und Trainern für Erwachsene bieten zwei Coaches Selbstverteidigungskurse für Frauen an. Ein NiMi-Kurs für Senioren (ab 60 Jahren) könnte bald folgen.

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Negendank legt Wert darauf, dass alle Budokan-Coaches sich an einen Verhaltenskodex halten. Unter anderem müssen sie ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen, um Kurse leiten zu dürfen. Wichtig findet der Vorsitzende zudem, dass der Verein regelmäßig bei Lehrgängen des Landes- oder Bundesverbands vertreten ist. „Wir schauen auch über den Tellerrand hinaus“, meint Negendank; die Zusammenarbeit, speziell mit dem Landesverband, funktioniere sehr gut.

In stetem Austausch ist der Verein auch mit der Gemeinde. Neue Räumlichkeiten mit einer fest installierten Mattenfläche wünscht man sich im Rahmen des Sportentwicklungskonzepts. Auch künftig will der Budokan Großbeeren schließlich ein „extrem hochwertiges Training“ (Negendank) anbieten.