07. April 2021 / 08:17 Uhr

Bei den ersten Einheiten des Preetzer TSV traten Defizite zutage

Bei den ersten Einheiten des Preetzer TSV traten Defizite zutage

Michael Felke
Kieler Nachrichten
Andreas Möller, Trainer des Preetzer TSV.
Andreas Möller, Trainer des Preetzer TSV. © Karsten Freese
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Beinahe fünf Monate ruhte der Spiel- und Trainingsbetrieb. Seit dem 17. März darf zumindest wieder trainiert werden. Unter Corona-Bedingungen in Gruppen mit bis zu zehn Spielern und ohne Körperkontakt. Nachdem eine lange Zeit nur „Asphalttrampeln“ angesagt war, kam der Restart für die meisten Fußballer wohl einer Befreiung gleich. Für viele aber waren die ersten Einheiten auch ungewohnt, gerade wenn der Ball mit im Spiel war. Ungewohnt wohl auch die fußballtypischen Belastungen. Wie aber kamen die Spieler zu Recht? Wie reagierte die Muskulatur? Welche Defizite taten sich auf? Was ist zu tun? Der KN Sportbuzzer wollte es genau wissen und sammelte beim Preetzer TSV erste Eindrücke.

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„Wir haben jetzt drei Mal trainiert. Dabei habe ich es bei kurzen Einheiten zu je 60 bis 75 Minuten belassen. Im Vordergrund standen Ballgewöhnung und Stabilitätsübungen. Alles mit niedriger Belastung. Trotzdem hat man die Defizite gemerkt. Die Passgenauigkeit fehlte völlig. Und sobald wir das Tempo ein wenig angezogen haben, waren die Spieler nach nur wenigen Minuten aus der Puste. Irgendwie auch klar. Kilometer fressen können sie alle. Da wurde gut gearbeitet. Aber die Jungs sind im Dauerlaufmodus. Bevor wir die harten Tempowechsel angehen können, bevor die ersten Sprints kommen oder Torschussübungen, brauchen wir viel Zeit, um den Körper an diese fußballtypischen Belastungen zu gewöhnen. Da werden wir behutsam sein müssen“, erklärt PTSV-Trainer Andreas Möller, der es bis zur Aufhebung der Kontaktbeschränkung bei einer Trainingseinheit die Woche belässt.

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„Fußball hat wieder einen Sinn gemacht. Aber ich hatte ziemlichen Muskelkater im hinteren Oberschenkel. Vom Ballgefühl war es anfangs schwer, gerade mit den Fußballschuhen. Die hat man schließlich ja lange nicht getragen“, berichtet Moritz Danberg, Spieler des PTSV. Mannschaftskollege Rudi Karius fühlte sich zwar fit, stellte aber dennoch fest: „Ich hatte aber doch schon Muskelkater. Gerade durch das Athletiktraining und die Stabilitätsübungen.“ Neil Helbing hat die ersten Einheiten körperlich zwar gut weggesteckt, merkte aber schon bei leicht erhöhten Tempo, dass die Spritzigkeit fehlt, während Daniel Kolbe wohl für alle sprach: „Ein richtig geiles Gefühl nach einem halben Jahr, eigentlich ist es ja fast ein ganzes Jahr, nun wieder auf dem Platz zu stehen.“

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Bei aller Freude sind die Defizite jedoch enorm. „Die Präzision hat total gefehlt. Noch schwieriger wurde es bei Pässen aus der Bewegung oder aus dem Lauf heraus. Wir sind kaum in die Belastung gegangen. Aber Muskelkater oder ein Zwicken im Muskel hatten sie wohl alle“, erklärt Andreas Möller, der viel Arbeit auf seinen Spieler Nico Clasen zukommen sieht. Der ausgebildete Physiotherapeut ist sich dessen bewusst.

„Gerade nach dem ersten Training waren wohl alle Spieler ziemlich fertig. Nach fünf Monaten müssen wir viel tun, um zunächst einmal die Grundlagen zu schaffen, um auch von der Konzentration her, über 90 Minuten gehen zu können. Ist man müde, kann eine kleine Bodenunebenheit, ein Umknicken, schnell zu einer Verletzung führen. Da helfen jetzt nur Stabilitätsübungen, damit wir später wieder schnelle Richtungswechsel machen können, hochspringen können, Geschwindigkeitswechsel vollziehen können, so dass die Muskeln nicht zumacht. Das wird drei, vier Monate dauern. Bei manchen vielleicht auch ein halbes Jahr. Wenn es dann in Richtung Wettkampf geht, dann befürchte ich, dass es strukturelle Schäden geben wird. Vor allem dann, wenn der Spielbetrieb zu schnell kommt. Schlichtweg, weil wir den Kontakt nicht mehr gewohnt sind, also die Zweikampfführung. Bänderrisse im Sprunggelenk oder im Extremfall ein Kreuzbandriss sind dann die Folge. Wir sind schließlich keine Profis, die täglich arbeiten können. Wir brauchen nach dieser langen Pause deshalb sehr viel Zeit.“

Um der Gefahr einer Verletzung vorzubeugen, die gerade bei Richtungswechseln im Zweikampf, aber auch bei Schussübungen und schnellem Antritt sowie abruptem Abstoppen auftreten, wird beim Preetzer TSV folglich sehr viel Wert auf die Verbesserung der Stabilität gelegt. Nico Clasen hat dafür ein Programm mit Übungen zum Aufbau der Muskulatur erstellt. Als zusätzliche Hausaufgabe neben dem wöchentlichen Training. „Wir wollen auf das vorbereitet sein, was uns erwartet. Wir alle wissen aber auch, dass gerade die individuellen Stabilitätsübungen nicht unbedingt Spaß machen. Deshalb sind auch Aktivitäten mit dem Ball dabei. Übungen, die zumindest ein wenig Spaß machen. Wichtig ist es doch, dass man alle bei Laune hält und das niemand die Motivation verliert.“