30. Juli 2019 / 13:05 Uhr

Beim Fußball-Turnier des PSV Neumünster wurde für den an ALS erkrankten Sergej Mandreko gesammelt

Beim Fußball-Turnier des PSV Neumünster wurde für den an ALS erkrankten Sergej Mandreko gesammelt

Jan-Phillip Wottge
Kieler Nachrichten
Zbigniew „Lollo“ Ilski (re./ehemals Holstein Kiel) trug das Trikot des Teams Mandreko und beackert Conor Gnerlich (links) von der VdV-Auswahl.
Zbigniew „Lollo“ Ilski (re./ehemals Holstein Kiel) trug das Trikot des Teams Mandreko und beackert Conor Gnerlich (links) von der VdV-Auswahl. © Jan-Phillip Wottge
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Sergej Mandreko konnte das bunte Treiben aus Neumünster nur via Internet-Livestream verfolgen. Bei dem ehemaligen russischen Fußballnationalspieler wurde vor mehr als zwei Jahren die unheilbare Nervenkrankheit ALS diagnostiziert. An der Stettiner Straße rollte der Ball nur für ihn. Knapp 3500 Euro an Spenden für den 47-Jährigen kamen bei dem Benefizturnier, das der Oberligist PSV Neumünster veranstaltete, trotz der geringen Zuschauerresonanz von nur 100 Zuschauern zusammen.

„Er ist keiner, der getröstet werden muss. Er ist ein Kämpfer, auch wenn der Krankheitsverlauf immer schneller voranschreitet“, sagt Alexander Asimow über seinen Jugendfreund Sergej Mandreko. Gemeinsam trugen sie Ende der 80-er Jahre das Trikot des tadschikischen Klubs ZSKA Pamir. Fast zeitglich wechselte sie nach Österreich; Mandreko zu Rapid Wien, Asimow zu Austria Klagenfurt. Der Kontakt riss nie ab. Auch nicht als Mandreko die Alpenrepublik verließ, um in der Bundesliga (Hertha BSC, VfL Bochum) Karriere zu machen.

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Ex-Profi Thomas Vogel: „Es kann jeden ganz unvermittelt erwischen. Deswegen hilft man, wenn man kann. Wir können es mit Fußball."

„Unsere Familien haben sich regelmäßig besucht, ob in Berlin, Wien, oder wo auch immer“, berichtet Asimow. Doch vor zwei Jahren ereilte Mandreko eine Schockdiagnose: ALS – Amyotrophe Lateralsklerose. Der Ex-Profi Mandreko verspürte zunächst nur leichte Zuckungen im Arm, doch nach und nach nahm die Krankheit seinen motorischen Fähigkeiten. Der Körper, der einst Mandrekos Kapital war, machte schlapp. „Es begann langsam, ging dann aber rasend schnell. Bis vor sechs paar Monaten konnte er noch etwas sprechen. Jetzt geht es nur noch über einen Sprachcomputer, den er mit seinen Augen steuert. Es ist traurig“, sagt Asimow, der gerne zum Benefizturnier nach Neumünster kam, um auf die seltene ALS-Erkrankung aufmerksam zu machen. Das tat auch Ingrid Haberland von der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e.V. und sagte: „Wir müssen diese Krankheit mehr ins Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit tragen. In Deutschland gibt es knapp 8000 Erkrankte mit sehr unterschiedlichen Krankheitsverläufen. Wir fördern die Erforschung der Krankheit.“

In den Dienst der guten Sache stellte sich auch die gesamte Fußballfamilie, ob die Oberligisten Weiche Flensburg 08 II und PSV Neumünster oder die VdV-Auswahl, bestehend aus aktuell vertragslosen Fußballern. Der 52-jährige Thomas Vogel, einst Profi beim SC Freiburg, Hamburger SV und Borussia Mönchengladbach, der in Neumünster für das bunt zusammengewürfelte Mandreko-Team auflief, sagte: „Sergej Mandrekos Erkrankung zeigt, wie schnell alles gehen kann. Es kann jeden ganz unvermittelt erwischen. Deswegen hilft man, wenn man kann. Wir können es mit Fußball.“

Und der wurde dann auch gespielt. Mittendrin die VdV-Auswahl von Coach Jürgen Kramny, der neben dem karitativen Zweck auch die Wettkampfsimulation begrüßte: „Mandreko ist genau mein Jahrgang. Das macht nachdenklich. Für unser Team bietet dieses Benifizturnier jedoch auch die Möglichkeit, den Spielern Spielrhythmus zu geben. Sie wollen sich schließlich für neue Vereine vorbereiten, was gegen die Oberligisten gut möglich ist. Der sportliche Wert war für Mitorganisator und PSV-Coach Thomas Möller dennoch nur sekundär: „Wenn es einem gut geht, muss man über den Tellerrand schauen und denen helfen, denen es nicht so gut geht. Sergej Mandreko hätte sicherlich gerne mit jedem getauscht, der heute auf dem grünen Rasen stand. Schade nur, dass die Resonanz so gering war, aber vielleicht war das Wetter zu gut.“

In den kommenden Tagen versteigert der PSV Neumünster auf seiner Facebookseite Trikots vom SC Paderborn und Zenit St. Petersburg-Torjäger Sardar Azmoun zu Gunsten von Sergej Mandreko.

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Ergebnisse: Team Mandreko – PSV Neumünster 0:3; VdV-Auswahl – SC Weiche Flensburg 08 II 2:3; SC Weiche II – PSV 0:2; Team Mandreko – VdV 1:4; VdV – PSV 1:0; SC Weiche II – Team Mandreko 5:0.