04. März 2021 / 15:18 Uhr

Beim Groitzscher Sportzentrum ist für jeden Sportbegeisterten etwas dabei

Beim Groitzscher Sportzentrum ist für jeden Sportbegeisterten etwas dabei

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
Groitzschs Bürgermeister Maik Kunze (M. r.) und der Vereinsvorsitzende des SV 1861, Kai Ludwig (am Ball), vollzogen bei der Einweihung des Kunstrasenplatzes an der Schletterstraße den Ehrenstoß zum Freundschaftsspiel zwischen den Gastgebern (l.) und dem Regionalligisten aus Meuselwitz.
Groitzschs Bürgermeister Maik Kunze (M. r.) und der Vereinsvorsitzende des SV 1861, Kai Ludwig (am Ball), weihten den neuen Kunstrasenplatz durch den Ehrenanstoß ein. © Hartmut Karich
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Vom Fußball, über Tennis bis hin zum Kegeln ist beim SV Groitzsch alles vorhanden. Seit 1926 toben sich die Groitzscher an der Schletterstraße sportlich aus. Die Sportstätte ist auch heute noch top in Schuss, wodurch man ihr die knapp hundert Jahre gar nicht anmerkt.

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Groitzsch. Das Groitzscher Sportzentrum an der Schletterstraße macht Appetit auf mehr und bietet im Grunde genommen für jeden Geschmack eine passende Mahlzeit, wohl jeder nach Leibesübungen lechzende Zeitgenosse wird hier fündig. Die weitläufige Sportstätte genügt höheren Ansprüchen, so wie es sich halt für ein Vorzeigeobjekt gehört. Insbesondere sieht man ihr seine mittlerweile annähernd 100 Jahre in keinster Weise an – alles modern und praktisch. 1926 wurde das Gelände seiner Bestimmung übergeben und verschaffte den Sportlern aus der Schusterstadt damit eine dauerhafte Heimat.

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Zuvor waren sie auf dem Spielplatz an der Altenburger Straße (inzwischen befindet sich an dieser Stelle das Wiprecht-Gymnasium) kurzzeitig als Unterpächter des Turnvereins untergekommen, bevor nach diversen Zwistigkeiten dieses Kapitel ziemlich schnell beendet war.

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Daraufhin richtete man sich im nahe gelegenen Großwischstauden einen Sportplatz her, letztlich auch nur ein Provisorium, heute hat die Gartensparte “Schnauderaue“ dort ihr Domizil. An der Schletterstraße jedoch wurde in den folgenden Jahrzehnten etwas Bleibendes geschaffen.

Drei Tennisfelder

Bereits 1927 erfolgte die Einweihung einer Turnhalle mit Gastwirtschaft, bevor die weitere Entwicklung erst einmal ein klein wenig ins Stocken geriet. Nach dem 2. Weltkrieg übernahm dann zunächst die damalige SG Groitzsch in schwierigen Zeiten Verantwortung und Regie. So richtig vorwärts ging es ab 1956 mit der Gründung der BSG Fortschritt, dem direkten Vorgänger des seit 1990 bestehenden SV 1861. Bis Anfang der Sechziger wurden ein zweites Spielfeld, eine Leichtathletikanlage mit Laufbahn, Tennisplätze und eine Kegelanlage mit vier Bahnen errichtet, die Turnhalle erhielt ein frisches Parkett und neue Beleuchtung.

Die Tennisherren des SV Groitzsch mischen die Bezirksliga auf
Die Tennisspieler können sich auf drei Spielfeldern auspowern. © privat

Die Tennisspieler können auf drei Felder - die 2004 eine Verjüngungskur erhielten - zurückgreifen. Das in den siebziger Jahren erbaute Tennisheim wurde 1986 durch einen Bungalow ersetzt, welcher 2003 renoviert sowie ein Jahr später durch ein zweites Gebäude ergänzt werden konnte. Inklusive Umkleidekabinen, Duschmöglichkeiten und Toiletten.

1961 nationales Leichtathletiksportfest

Die Kegler wiederum freuten sich 1993 über die Rekonstruktion sowie Neueröffnung ihrer Anlage, bevor 2003 der Einbau von zwei Bowlingbahnen und eine Gesamtrenovierung auf dem Programm standen. Direkt daneben wurde zwischen 1972 und 1976 ein zuletzt 2008 sanierter Trakt mit Umkleidekabinen sowie Räumen für Platzwart, Sanitäter und Schiedsrichter hoch gezogen. Parallel wurde damals eine dann später im Jahre 2002 erneuerte Flutlichtanlage, eine Freiluftkegelbahn sowie ein Kinderspielplatz errichtet. Obendrein erhielt die Turnhalle einen Anbau mit Wasch-Umkleide und WC-Räumen. Des weiteren wurden die Gaststätte und der Saal des Sportler-Heimes rekonstruiert und zugleich vergrößert.

1977/1978 bekam das Gelände eine Umzäunung, welche 2002 eine Erweiterung erfuhr. Mehrmals errang das Areal Siege beim Wettbewerb um die schönste Sportstätte im ehemaligen Kreis Borna. Schon 1961 zum Jubiläum „100 Jahre Sport“ gingen in Groitzsch ein nationales Leichtathletiksportfest, ein Länderkampf im Gewichtheben zwischen der DDR und Polen sowie die DDR-Einzelmeisterschaft der Schach-Pioniere über die Bühne. 1982 fand hier die DTSB-Bezirksmeisterschaft der Spielleute statt, ein Jahr später standen die DDR-Faustball-Meisterschaften der Altersklasse 14 im Terminkalender.

Aufstieg 2001

Natürlich hatte ebenfalls König Fußball einige Höhepunkte anzubieten. 1971 gelang den Fortschritt-Kickern der Aufstieg in die Bezirksliga, der damals dritthöchsten Leistungsebene im Lande. Zur entscheidenden Begegnung gegen die BSG Chemie Zwenkau pilgerten sage und schreibe 2.200 Zuschauer an die Schletterstraße, wo die Einheimischen den Lokalrivalen nach einem 0:2-Rückstand noch mit 3:2 in die Knie zwangen.

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1976 gab die ein knappes Jahr danach in die DDR-Oberliga aufsteigende BSG Chemie Böhlen in der 1. Runde des FDGB-Pokals ihre Visitenkarte ab und behielt im Nachbarschafts-Duell mit 6:2 die Oberhand. 2001 jubelten die Schusterstädter über ihren achten Kreismeistertitel und schafften durch ein 3:0 über den TuS Frisch Auf Hainichen vor vergleichsweise bescheidenen 180 Besuchern den Aufstieg in die Bezirksklasse.

Ein Jahr zuvor wurde übrigens der vierte Triumph im Kreispokal, der Einzug ins Viertelfinale des Bezirkspokals und der Sprung aufs oberste Treppchen der Mannschaftswertung bei der Sportler-Wahl im Landkreis errungen. 2005 gab sich im Rahmen der Feierlichkeiten „100 Jahre Fußball“ das Traditionsteam des FC Rot-Weiß Erfurt einem Stelldichein hin, auch die Böhlener Oldies machten ihre Aufwartung.

Einweihung vom Kunstrasen gegen Meuselwitz

Doch die baulichen Aktivitäten in der Arena zwischen Schnauder und Mühlgraben waren zu diesem Zeitpunkt beileibe noch nicht abgeschlossen. Nachdem 2009 das frisch gebackene Markenzeichen Zwei-Felder-Halle fertig gestellt wurde, folgte 2010 mit der Einweihung eines Großfeld-Kunstrasenplatzes der nächste Markenstein auf dem Weg zu einem in die Zukunft weisenden Sportkomplex.

Erster prominenter Fußballgast auf der neuesten Errungenschaft war ein Jahr später Regionalligist ZFC Meuselwitz. Zahlreiche hochklassige Wettkämpfe waren seitdem zu erleben, vor allem der Budenzauber und der Kick auf den Plastikhalmen haben den Groitzscher Sportkomplex an der Schletterstraße im vergangenen Jahrzehnt überregional ein beträchtliches Stückchen bekannter gemacht.