03. März 2022 / 17:58 Uhr

Beim RB-Sieg in Hannover: "Die schönste Geschichte des Abends" war nicht das 4:0

Beim RB-Sieg in Hannover: "Die schönste Geschichte des Abends" war nicht das 4:0

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
RB Leipzigs Marcel Halstenberg läuft nach dem Spiel bei Hannover 96 mit seinem Kind über den Platz.
RB Leipzigs Marcel Halstenberg läuft nach dem Spiel bei Hannover 96 mit seinem Kind über den Platz. © dpa
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RB Leipzigs Trainer Domenico Tedesco hat Sinn für die besonderen Momente. Beim 4:0-Pokalsieg in Hannover verhilft der Coach, dessen Bilanz bei den Sachsen sich sehen lassen kann, Marcel Halstenberg zu einem emotionalen Comeback.

Freitag, 3. Dezember 2021, Alte Försterei. Die Roten Bullen schleichen mit einer 1:2-Niederlage bei Union Berlin vom Platz. Es ist die dritte Bundesliga-Pleite hintereinander. Die Leipziger Leistung bei den Eisernen? Im Zeugnis stünde ein: nicht feststellbar. Die internationalen Plätze sind an jenem frostigen Abend nicht mal mehr mit dem Fernrohr zu sehen. Das Punktekonto ist schwindsüchtig, das Lazarett ist es nicht. Sie haben keine Idee, wie sie aus der Abwehr herausspielen. Sie haben kein Durchsetzungsvermögen. Sie haben ein Verletzungs-Problem. Sie haben keinen Sportdirektor. Der Vize-Meister steckt in der ersten Krise seit dem Erstliga-Aufstieg 2016. Das schwächste Glied in einer schwächlichen Kette muss weichen, Boss Oliver Mintzlaff beurlaubt Cheftrainer Jesse Marsch.

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Problemlöser auf der Bank

Mittwoch, 2. März, 2022, HDI Arena. Die Roten Bullen liegen sich nach einem 4:0 in Hannover in den Armen, feiern den Einzug ins DFB-Pokal-Halbfinale. Es ist der zehnte Sieg im vierzehnten Spiel unter Marschs Nachfolger Domenico Tedesco.

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Klar und deutlich: RB Leipzig gewinnt das Pokal-Viertelfinale bei Hannover 96 glatt mit 4:0 Zur Galerie
Klar und deutlich: RB Leipzig gewinnt das Pokal-Viertelfinale bei Hannover 96 glatt mit 4:0 ©

Dessen RB-Bilanz im Detail: zehn Bundesligaspiele, zwei Niederlagen, ein Remis, sieben Siege, bestes Rückrundenteam. Zwei DFB-Pokalspiele, zwei Siege, Halbfinale. Zwei Europa-League-Spiele, ein Remis, ein Sieg, ein Freilos, Viertelfinale. Die Roten Bullen sind auf der Überholspur, spielen attraktiv und erfolgreich, haben keinen einzigen Verletzten mehr. Sie haben immer noch keinen Sportdirektor.

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Der Tabellennachbar wartet

Aber sie haben Problemlöser Tedesco. Dieser Cheftrainer gibt seinen Spielern, was sie brauchen. Er gibt ihnen Werkzeuge an die Hand und Einsatzzeiten, bindet sie ein, belässt steten Druck auf dem Kessel, verlangt Hingabe, Erdverbindung und Wir-Gefühl. Und Tedesco hat einen Sinn für Momente, die besser als jede Teambuilding-Maßnahme sind. In Hannover wechselt er Marcel Halstenberg nach 75 Minuten ein. Der Nationalspieler war ewig verletzt, hatte Schicksalsschläge hinnehmen müssen. Seine letzte Partie ist 284 Tage her. In Hannover feiert der feiert der 30-Jährige eine emotionale Rückkehr. „Halste ist die schönste Geschichte des Abends“, sagt Tedesco. „Wir wissen, was er durchgemacht hat.“ Wir halten fest: Dieser Coach hat Klasse. Und Tiefe.

Am Sonnabend, 15.30 Uhr, trifft Tedesco in der Red-Bull-Arena auf einen ähnlich strukturierten und erfolgreichen Kollegen. Spiel(er)versteher Christian Streich, 56, kommt mit seinem wunderbaren SC Freiburg zum Hit zwischen dem Vierten (40 Punkte) und Fünften (40) nach Leipzig. Der SC hat sich nach harten 120 Pokal-Minuten in Bochum fürs Pokal-Halbfinale qualifiziert, nächtigte am Ort des 2:1-Sieges, schwebt am Freitag gegen 16 Uhr in Leipzig ein und übernachtet im Pentahotel. Ja, die Freiburger haben größere Strapazen als RB intus. Nein, sie haben nicht die personelle Beinfreiheit, die der Gastgeber hat. Bedeutet: Nichts.

Knapp 25.000 Fans (und der nahezu genesene Josko Gvardiol) werden dabei sein. Es gilt die 3G-Regel, ein tagesaktueller negativer Test berechtigt zum Live-Genuss. Nach dem Spiel ist vor der ARD-Sportschau. Am Sonntag, 19.15 Uhr, wird das Pokal-Halbfinale ausgelost. Auf ein Wiedersehen vorm Berliner Finale haben sie in Leipzig und Freiburg keine große Lust. Marcel Halstenberg? Ein Happyend in Form einer Vertragsverlängerung ist in Sicht. Jesse Marsch? Er möge bei Leeds United auf ein Team treffen, das zu ihm passt.