08. Januar 2021 / 19:43 Uhr

Beim TSV Gremersdorf stehen die Grundtugenden des Fußballs im Vordergrund

Beim TSV Gremersdorf stehen die Grundtugenden des Fußballs im Vordergrund

Jan Claas Harder
Kieler Nachrichten
Tim Oliver Kannenberg (Rot-Schwarz Kiel) hebt ab durch die Mithilfe von Jonas Kock (TSV Gremersdorf). Links: Mathias Ruske und Maurice Wagner.
Tim Oliver Kannenberg (Rot-Schwarz Kiel) hebt ab durch die Mithilfe von Jonas Kock (TSV Gremersdorf). Links: Mathias Ruske und Maurice Wagner. © Pat Scheidemann
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In der Fußball-Verbandsliga Ost konnten in dieser Saison erst sechs Spieltage ausgetragen werden. Für Prognosen und Einschätzungen ist es folglich noch zu früh. Feststellen lässt sich jedoch, dass sich der TSV Gremersdorf bis dato recht gut aus der Affäre ziehen konnte.

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Die bisherige Bilanz des Aufsteigers kann sich jedenfalls sehen lassen: Zwei Siege und drei Unentschieden haben Tabellenplatz vier zur Folge. Eine Niederlage mussten die Ostholsteiner lediglich bei ihrem Gastspiel beim noch ungeschlagenen Spitzenreiter Rot-Schwarz Kiel einstecken, das mit 0:1 verloren ging.

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Es lässt sich folglich konstatieren: Gremersdorf ist konkurrenzfähig. Jedenfalls konkurrenzfähiger als es erwartet wurde. Eine zum Saisonstart vorgenommene Umfrage des Sportbuzzers ergab, dass in diesem Team der Abstiegskandidat Nummer eins gesehen wird. Von den über tausend Teilnehmern gingen 22,5% davon aus, dass Gremersdorf die Klasse nicht halten wird können. Im Hinblick auf diese Frage konnten nur noch die SG Dobersdorf/Probsteierhagen (19,7%) und der ASV Dersau (15,4 %) zweistellige Werte verbuchen.

SSG Rot-Schwarz Kiel gegen den TSV Gremersdorf

Kristof Koop (Rot-Schwarz Kiel) setzt sich durch gegen Maximilian Bormann (TSV Gremersdorf). Zur Galerie
Kristof Koop (Rot-Schwarz Kiel) setzt sich durch gegen Maximilian Bormann (TSV Gremersdorf). ©

Ein solches Votum ist jedoch nicht überraschend. Naturgemäß wird ein Aufsteiger immer als möglicher Abstiegskandidat gehandelt. Die Deutlichkeit dieses Umfrageergebnisses dürfte aber auch mit der simplen Tatsache zusammenhängen, dass viele den TSV Gremersdorf kaum kennen. Folglich liegt es nahe diesen Verein mal ein wenig genauer in Augenschein zu nehmen.

In den letzten Jahren konnten sich die Ostholsteiner unter der Regie von ihrem Trainer Andre Hack stetig verbessern. Nach der Saison 2014/15 stieg das Team in die Kreisliga auf. In den darauffolgenden Jahren wurde zunächst der zehnte Platz erreicht, dann der neunte, ehe die darauffolgenden zwei Spielzeiten auf Rang drei beendet wurden. Mit dem Meistertitel endete dann die Serie 2019/20, da das Team dank einer deutlich besseren Defensive (nur 15 Gegentore) den TSV Lensahn und Eutin 08 II hinter sich lassen konnte.

In der Verbandsliga müssen sich die Gremersdorfer nun mit Mannschaften messen, die ihnen weitestgehend unbekannt sind, doch diese Tatsache bewertet deren Coach durchweg positiv: „Es ist doch schön, dass wir nun auch mal andere Teams und andere Plätze kennenlernen dürfen. Des Weiteren hat es auch Vorteile, wenn viele unser Team kaum kennen. Vielleicht haben unsere bisherigen Gegner uns auch ein wenig unterschätzt“, vermutet der 50-jährige Übungsleiter.

Ob diese Einschätzung zutrifft ist fraglich. Fakt ist jedoch, dass einige der bisherigen Gegner nicht genau wussten was sie mit dem TSV Gremersdorf genau erwartet. „Die spielen einen recht einfachen Fußball und rennen wie die Bekloppten dem Ball hinterher“ – diese und ähnlich geartete Aussagen wurden von gegnerischen Trainern nach dem Kräftemessen mit den Ostholsteinern mehrfach geäußert.

Statements, die Hack nicht verwundern. Stattdessen bestätigt er diese Einschätzung sogar: „Ja, das stimmt. Wir spielen einen einfachen Ball und besinnen uns auf die Grundtugenden des Fußballs. Mir ist vor allem wichtig, dass meine Spieler intensiv die Zweikämpfe suchen und annehmen und zudem eine ausgeprägte Laufbereitschaft demonstrieren.“ Darüber hinaus legt der Coach noch extrem großen Wert auf eine verlässliche Defensive, da dies seiner Ansicht nach die Basis für den Erfolg darstellt.

„Ein entscheidender Faktor unseres Erfolgs besteht aber sicherlich in dem astreinen Zusammenhalt unseres Teams. Ich habe dies bei keinem anderen Verein in dieser Form so erlebt. Allein die Trainingsbeteiligung ist absolut sensationell“, so Hack.

Einzelne Akteure seiner Mannschaft möchte der Coach nicht hervorheben, da seiner Ansicht nach das Kollektiv die Stärke seines Teams ausmacht. Erst nach etwas vehementerer Nachfrage lassen sich Hack dann doch noch ein paar Namen entlocken, die vielleicht den etwas größeren Anteil am Erfolg haben: „Mit Fabian Mandt haben wir einen richtig guten Keeper in unseren Reihen, der in dieser Saison auch schon zwei Elfmeter parieren konnte. Trotz seiner erst 19 Jahre strahlt er schon jetzt extrem viel Ruhe und Souveränität aus. Wichtig sind darüber hinaus auch Malte Hülsen und Maximilian Bormann, die unserer Abwehrkette das Gerüst geben. Mit Jonas Kock haben wir zudem einen exzellenten Mann für ruhende Bälle und mit Rune-Filip Jäkel und Dustin Gabbey ein Sturmduo, das sich perfekt ergänzt.“

Sollte die Saison irgendwann fortgesetzt werden, dann wollen die Gremersdorfer sich am Ende über den Klassenerhalt freuen. „Das wird schwer genug. Wir sind nicht blauäugig und können die bisherigen Ergebnisse realistisch einschätzen. Gegen Rot-Schwarz Kiel hätten wir deutlicher verlieren können und auch unser 4:0-Erfolg gegen Inter Türkspors zweite Mannschaft spiegelte nicht wirklich die Kräfteverhältnisse der vorangegangenen 90 Minuten wider. Da es in der Tabellen eng zugeht und die Staffel nur aus zwölf Mannschaften besteht, erinnere ich meine Spieler immer daran, dass wir Woche für Woche unsere Leistung abrufen müssen“, so Hack.