27. April 2020 / 20:22 Uhr

Bekommt Empor Rostock eine Wildcard für die zweite Liga?

Bekommt Empor Rostock eine Wildcard für die zweite Liga?

Stefan Ehlers
Ostsee-Zeitung
Tim Völzke – hier beim Heimspiel gegen die Mecklenburger Stiere – nimmt Maß. Geht er künftig mit Empor in der 2. Bundesliga auf Torejagd?
Tim Völzke – hier beim Heimspiel gegen die Mecklenburger Stiere – nimmt Maß. Geht er künftig mit Empor in der 2. Bundesliga auf Torejagd? © Fotos: S. Heger
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Der HC Empor Rostock könnte auf Umwegen in die 2. Handball-Bundesliga zurückkehren. Der Klub werde einen Antrag an den DHB stellen, um als Nachrücker ins Unterhaus einzuziehen, kündigte der Vorstandsvorsitzende Tobias Woitendorf an.

Der HC Empor Rostock darf weiter von der Rückkehr in die 2. Bundesliga hoffen. Der Verein werde beim Deutschen Handballbund (DHB) einen Antrag stellen, um als Aufstocker oder Nachrücker ins Unterhaus einzuziehen, kündigte Klubchef Tobias Woitendorf an. Der Vorstand werde sich am Donnerstag intensiv mit diesem Thema beschäftigen, sagte der 44-Jährige. „Ich möchte nichts vorwegnehmen, aber die Tendenz geht dahin, dass wir uns dazu entscheiden. Wir sehen das nicht verbissen, wollen uns aber die Möglichkeit erhalten.“

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Woitendorf führte am frühen Montagnachmittag ein Telefonat mit DHB-Vorstandschef Mark Schober. „Es war ein gutes Gespräch“, meinte der HCE-Chef. Schober habe aufgeschlossen auf Empors Vorstoß reagiert und signalisiert, dass in den turbulenten Corona-Zeiten nichts unmöglich scheint.

Der DHB hatte die Saison in der 3. Liga und in der Jugend-Bundes­liga am vergangenen Montag vorzeitig beendet. Empor traf der Abbruch am härtesten. Die Rostocker, die das Hinspiel gegen den Dessau-Roßlauer HV mit 32:26 gewonnen hatten, hätten den Aufstieg aus eigener Kraft schaffen können. Doch das wohl alles entscheidende Spiel am 19. April bei den Sachsen-Anhaltern fand nicht statt. In der Quotienten-Regelung, die bei der Errechnung der Abschlusstabelle zur Anwendung kam, hatte Dessau knapp die Nase vorn (die OZ berichtete).

„Das ist keine sportlich gerechte Entscheidung“, urteilte Woitendorf und schloss in einer ersten Reaktion auch juristische Schritte nicht aus. Die Gedanken an eine Klage haben die Empor-Verantwortlichen inzwischen verworfen. „Es ist nicht unser vordergründiges Ziel, in eine juristische Auseinandersetzung zu gehen“, bestätigte der Chef des Tourismus-Landesverbandes.

In dem rund 20-minütigen Telefonat sei es auch um die Junioren-WM 2023 gegangen. Rostock könnte bei den Heim-Titelkämpfen einer der Spielorte sein, hofft Woitendorf.

Zudem brachte Empors Vorstandsvorsitzender gegenüber DHB-Chef Schober die Wiedereinführung einer zweigleisigen 2. Bundesliga ins Spiel. Vier Drittliga-Staffelsieger (Nord-Ost, Nord-West, West und Süd) in eine eingleisige zweite Liga zu führen, sei keine gute Lösung, meint Woitendorf mit Blick auf die Relegation. „Der Flaschenhals ist zu eng. Das ist wie auf der Autobahn – wenn man dort von vier Spuren auf eine reduziert, kommt es zu Unfällen“, argumentiert er.


Eine weitere Möglichkeit wäre es, die vier Drittliga-Staffeln auf zwei zu reduzieren. „Aber das wäre nicht so günstig. Da ginge die Basis verloren“, meint der Klubchef.

Die 2. Bundesliga spielte bis 2011 mit 36 Vereinen in zwei Staffeln. Seit 2012 ist sie eingleisig. Empor war 2017 in die 3. Liga abgestiegen. Danach baute der neue Trainer Till Wiechers eine neue Mannschaft auf. 2019 war Empor in der Relegation an Krefeld und Konstanz gescheitert. Diesmal machte die Corona-Pandemie alle Hoffnungen zunichte.

Bis auf Zweitliga-Schlusslicht HSG Krefeld haben alle Profiklubs die Lizenz für die kommende Spielzeit erhalten. Alle Vereine sind von der Handball-Bundesliga (HBL) zu einer außerordentlichen Nachlizenzierung bis Ende August 2020 verpflichtet, da die Auswirkungen der Corona-Pandemie zurzeit kaum überschaubar sind. „Das ist eine Rechnung mit Unbekannten – sportlich wie auch wirtschaftlich“, weiß Woitendorf.

Stand jetzt startet die 1. Bundes­liga mit 20 Mannschaften in die kommende Saison, die 2. Liga mit 19 Teams. Wird der Empor-Antrag bewilligt, wird das Unterhaus auf 20 Teams aufgestockt.