12. August 2021 / 15:54 Uhr

Weltmeister Höwedes erklärt seinen neuen Job beim DFB: "Es geht nicht darum, etwas zu verwalten"

Weltmeister Höwedes erklärt seinen neuen Job beim DFB: "Es geht nicht darum, etwas zu verwalten"

Tobias Manzke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Benedikt Höwedes wird künftig für den DFB tätig sein.
Benedikt Höwedes wird künftig für den DFB tätig sein. © dpa/IMAGO/Panthermedia/Eibner/Poolfoto (Montage)
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Benedikt Höwedes soll der deutschen Nationalmannschaft nach dem Achtelfinal-Aus bei der EM und dem Bundestrainer-Wechsel von Joachim Löw zu Hansi Flick beim Neuaufbau helfen. Im Interview mit dem SPORTBUZZER spricht er über seine neue Aufgabe beim DFB und seinen Experten-Job bei Amazon Prime Video.

Streaming-Gigant Amazon übertragt ab dieser Champions-League-Saison über die Plattform Prime Video das Highlight-Spiel am Dienstagabend. Als Experte ist Benedikt Höwedes am Mikro, der mit der deutschen Nationalmannschaft 2014 in Rio den WM-Titel holte, zehn Jahre auf Schalke spielte und seine Profi-Karriere im vergangenen Sommer beendete. Nicht der einzige neue Job für Höwedes: Der 33-Jährige ist auch am Neuaufbau des DFB-Teams beteiligt, soll unter Bundestrainer Hansi Flick Bindeglied zwischen Management und Mannschaft sein. Nach SPORTBUZZER-Informationen wird er beide Jobs parallel ausführen. Im Interview blickt er auf seine künftigen Rollen.

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SPORTBUZZER: Herr Höwedes, was genau ist Ihre Aufgabe beim DFB?

Benedikt Höwedes (33): Ich habe das Glück und die Möglichkeit, von zwei beeindruckenden Erfolgsmenschen und einem tollen Team drum herum lernen zu dürfen. Das macht den Reiz und das Besondere an dieser Aufgabe aus. Oliver Bierhoff ist seit 2004 Kopf dieser Nationalmannschaft. Er ist eine prägende Figur. Hansi Flick ist Titel-Trainer. Das hat er bei Bayern eindrucksvoll bewiesen – und auch schon 2014 auf unserer gemeinsamen Mission. Mit ihnen gemeinsam zu arbeiten und von ihnen für diese neue Rolle "ausgebildet" zu werden, ist eine großartige Chance. Ich denke, dass ich mit meiner Erfahrung aus sechs Jahren als Nationalspieler auch einige spannende Dinge mit einfließen lassen kann. Ich freu mich auf diesen Weg.

Wie muss man sich Ihre Arbeit vorstellen: Sind Sie in der Kabine und bei Teamsitzungen dabei?

Diese Position gab es so bisher noch nicht. Das heißt, dass man auch noch gar nicht ganz genau umreißen kann, welche Aufgaben exakt auf mich zukommen werden. Ich werde, so ist es mit Oliver besprochen, in sämtliche Arbeitsprozesse rund um das Management der Nationalmannschaft eingebunden sein. Keine Tür wird für mich verschlossen sein. Ich werde in repräsentative Aufgaben ebenso eingebunden sein wie in die Kommunikation mit den Vereinen, Verbänden, national wie international. Auch in Sachen DFB-Akademie bin ich involviert. Es geht aber nicht nur darum, etwas zu verwalten, sondern aktiv an Erfolgen der Nationalmannschaft mitzuwirken und dazu beizutragen.

Wie lange müssen Sie als Amazon-Experte tätig sein, um über Schalke in der Königsklasse reden zu können?


Das wird wohl noch ein bisschen dauern (lacht). So schnell erholt sich kein Verein, es sei denn, er verfügt über sehr große finanzielle Mittel. Davon ist aber auch nicht auszugehen. Schalke ist und bleibt mein Herzensverein, deshalb habe ich immer einen besonderen Blick auf Schalkes Entwicklung. Erst einmal würde es mich sehr freuen, wenn dieser tolle Klub wieder Ruhe findet und schnell aufsteigt.

Oft wird über die Offensiv-Abteilungen der Mannschaften mit ihren Superstars wie Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi gesprochen. Wo liegt Ihr Fokus bei der Betrachtung?

Natürlich habe ich ein Faible für die Verteidigung. Ich weiß, wie sich die Abwehrspieler verhalten müssen, wie sie sich stellen müssen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie sich manche Situationen anfühlen. Ich weiß ganz genau wie es sich anfühlt, gegen einen Ronaldo zu spielen. Das kann sich nämlich ganz schrecklich anfühlen und auch frustrieren. Er hat uns mit Real Madrid einige Tore eingeschenkt. Es kann aber auch berauschend sein, wenn man ihn, wie bei der WM 2014, aus dem Spiel nimmt und am Ende mit 4:0 gewinnt. Dazu kann ich mich äußern. Aber ich kann natürlich auch was dazu sagen, wie sich die Stürmer bewegen, weil ich das aus einer anderen Perspektive mitgemacht habe. Ich weiß, was unheimlich schwer zu verteidigen ist oder was der Stürmer gerade gut macht.

Auf welche Defensive freuen Sie sich in der neuen Saison?

Ich bin auf die Bayern sehr gespannt. Unter Hansi Flick haben sie mit einer sehr hohen Viererkette gespielt und sich für ihre Verhältnisse unheimlich viele Gegentore gefangen. Ich bin gespannt, wie es Julian Nagelsmann jetzt machen wird. Auch Manchester City schaue ich mir sehr gerne an, sie haben mit Ruben Dias vergangene Saison einen Verteidiger dazu bekommen, der unglaublich gut spielt. Auch Thomas Tuchel hat es bei Chelsea sehr gut gemacht.

Wer ist für Sie der beste Verteidiger?

Dias. Er bringt körperlich Voraussetzungen mit, die nicht alle haben. Er ist groß, sehr muskulös, hat ein sehr gutes Aufbauspiel. Dazu eine gute Grundschnelligkeit und taktisches Gespür. Unter Trainer Pep Guardiola hat er einen großen Schritt in Richtung Weltklasse gemacht.

In der deutschen Nationalmannschaft fehlt so eine Spielertyp. Sind da Entwicklungen verpasst worden?

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Es ist es auffällig, dass viele andere Nationen sehr starke Verteidiger aus dem Hut zaubern. Wenn man sich Frankreich anschaut, wo Bayerns neuer Verteidiger, Dayot Upamecano, nicht mal im EM-Kader stand, ist das schon irre. Das ist ein Spieler von Weltformat, den man nicht mal dazu zieht. Wobei Didier Deschamps nach dem EM-Verlauf und nur einem Sieg im Turnier womöglich seine Entscheidung bereut. In Deutschland muss man ein bisschen nach den Talenten suchen. Man kann sie finden, aber es gibt sie nicht in der Fülle, wie es zum Beispiel in Frankreich der Fall ist.