31. Juli 2020 / 13:49 Uhr

Benedikt Höwedes erklärt Karrierende und kritisiert Schalke: "Anders führen als ein Retortenklub"

Benedikt Höwedes erklärt Karrierende und kritisiert Schalke: "Anders führen als ein Retortenklub"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Kritisiert den FC Schalke für seine Ausbootung 2017 und die Führung des Vereins: Benedikt Höwedes.
Kritisiert den FC Schalke für seine Ausbootung 2017 und die Führung des Vereins: Benedikt Höwedes. © Alex Grimm/Getty Images
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Benedikt Höwedes beendet mit nur 32 Jahren seine Karriere. Nach André Schürrle ist es der zweite Weltmeister von 2014, der innerhalb kürzester Zeit die Schuhe an den Nagel hängt. Im "Spiegel" kritisiert er das Profi-Geschäft und seinen Ex-Klub Schalke 04 scharf.

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Mit Benedikt Höwedes hat nach André Schürrle innerhalb von nur zwei Wochen der nächste Weltmeister von 2014 seine Karriere beendet. Der Verteidiger gab diese Entscheidung am Freitag im Magazin Der Spiegel bekannt. Dabei kritisierte er das Profi-Geschäft - und vor allem seinen Ex-Klub Schalke 04 scharf. Zudem erklärt er seinen Entschluss. "Ich wollte mich nicht mehr abhängig machen von den Entscheidungen anderer. Ich wollte jetzt einen Schlussstrich ziehen", sagte er. Vor allem die Corona-Pause habe ihn in diesem Entschluss bestärkt. Die Zuschauer haben ihm einfach gefehlt.

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Zudem habe er gemerkt, wie sehr sich seine Lebensinhalte aufgrund seines Kindes verändert haben. "Ich war vor Kurzem mit meiner Frau und meinem Kind mit einem Campingbus in Südfrankreich unterwegs. Da habe ich gemerkt, wie krass es mich erfüllt hat, meinen Sohn hautnah zu erleben. Da wurde Fußball plötzlich so unwichtig für mich. Unser Sohn ist jetzt 21 Monate alt, und in meiner Zeit in Moskau habe ich leider nicht viel von ihm gehabt. Darunter habe ich als Familienmensch sehr gelitten", begründete Höwedes seine Entscheidung.

Höwedes kritisiert Schalke scharf

Vor allem sein Aus 2017 beim FC Schalke scheint noch an ihm zu nagen. Unter Domenico Tedesco wurde er bei seinem Lieblingsklub damals ausgebootet und ging zu Juventus Turin. Nach einem Jahr wechselte er dann weiter zu Lokomotive Moskau. "Tatsache ist, dass ich mich immer für Schalke 04 aufgezehrt habe, ich wollte meine Karriere dort beenden, habe den Fans einmal versprochen, nie für einen anderen Bundesligisten aufzulaufen", sagte er. In der Saison vor seinem Abschied habe er sogar trotz eines Leistenbruchs gespielt. "Es gab Druck von Vereinsseite und vom Trainer, die Mannschaft nicht im Stich zu lassen. Natürlich war es deshalb nicht meine beste Saison. Erst anschließend habe ich mich operieren lassen. Und dann kommt ein neuer Trainer, es geht in die neue Spielzeit, und plötzlich bin ich weg vom Fenster", kritisierte Höwedes.

Die Karriere von Benedikt Höwedes in Bildern

Benedikt Höwedes hat seine Karriere beendet – der SPORTBUZZER blickt auf seine Zeit als Profi zurück.  Zur Galerie
Benedikt Höwedes hat seine Karriere beendet – der SPORTBUZZER blickt auf seine Zeit als Profi zurück.  ©

Das Aus habe ihn damals "kalt erwischt, weil ich mich immer sehr für die Werte dieses Klubs eingesetzt habe, für Verlässlichkeit und Vereinstreue". Plötzlich sei dies alles nicht mehr dagewesen. Diese Entwicklung hätte sich beim Revierklub bis heute durchgezogen. "Früher kamen auf Schalke in den Ferien schon mal 5000 Leute zum Training, heute allenfalls ein paar Hundert. Da geht etwas verloren. Schalke 04 ist für viele Menschen immer noch ein Lebensinhalt, einen solchen Verein muss man anders führen als einen Retortenklub", kritisierte er die Verantwortlichen.

So richtig nachvollziehen kann Höwedes die Umstrukturierung beim FC Schalke noch immer nicht. "Der Verein hat zum damaligen Zeitpunkt geglaubt, dass er, wenn er die Identifikationsfigur Höwedes abgibt, eine andere, neue Hierarchie aufbauen kann. Das Problem ist: Sie haben weitere Identifikationsfiguren gehen lassen: Ralf Fährmann, Naldo und einige andere - die hatten alle Bock, auf Schalke Fußball zu spielen", sagte er. Auch deshalb gäbe es aktuell Probleme beim Verein.