26. August 2021 / 16:32 Uhr

Benny Bellot und die Null: Chemie Leipzig will auch Chemnitz knacken

Benny Bellot und die Null: Chemie Leipzig will auch Chemnitz knacken

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
Lukas Aigner (CFC #19) gegen Stephane Mvibudulu (BSG 14) 

BSG Chemie Leipzig vs Chemnitzer FC (CFC), Fußball, Regionalliga, 01.11.2020
Lukas Aigner (li.) vom Chemnitzer FC und Stephane Mvibudulu (re.) von der BSG Chemie Leipzig kämpfen auch in dieser Saison wieder um den Ball. © Christian Modla
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Eigentlich sollte für die BSG Chemie Leipzig gegen den Chemnitzer FC nicht viel zu holen sein: Im Kader der Himmelblauen findet man geballte Erfahrung und Qualität. Bei Zweiterem scheinen die Leutzscher dem CFC aber in nichts nachzustehen, im Gegenteil - das zeigt das Ergebnis aus der vergangenen Saison und die aktuelle Tabelle.

Leipzig. Und schon wieder ein Flutlichtspiel für die BSG Chemie. Freitagabend (19 Uhr) treffen die Leutzscher auf einen der Top-Favoriten der Liga, den Chemnitzer FC. Doch Bangemachen gilt nicht: Zuletzt gab es einen 2:0-Sieg gegen die Himmelblauen, und auch aktuell sind die Chemiker kaum umzuwerfen und belegen mit 13 Punkten aus sieben Spielen Tabellenrang 5. Damit haben sie drei Punkte mehr als die Chemnitzer.

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Geballte Erfahrung beim CFC

Die Regionalliga spielt verrückt, die Ergebnisse erstaunen jedes Wochenende wieder. Dazu gehört auch, dass die meisten Favoriten schlecht gestartet sind, wenn man den BAK und Altglienicke mal ausnimmt. Statt Chemnitz (Rang 9), Cottbus (Rang 7), Jena (8) oder Lok (12) stehen Luckenwalde (1), Chemie (5) und Halberstadt (6) vorn. Angesicht der finanziellen Möglichkeiten und der vorhandenen Spielerkader dürfte das strenggenommen gar nicht so sein.

DURCHKLICKEN: Bilder zum Derby gegen den CFC im November 2020

Mit einem Erfolgserlebnis geht Chemie Leipzig in die Corona-Pause: Kirstein und Mvibudulu sorgen für den 2:0-Liga-Heimerfolg gegen den Chemnitzer FC - der erste Sieg der Grünen gegen die Himmelblauen seit 1966. Zur Galerie
Mit einem Erfolgserlebnis geht Chemie Leipzig in die Corona-Pause: Kirstein und Mvibudulu sorgen für den 2:0-Liga-Heimerfolg gegen den Chemnitzer FC - der erste Sieg der Grünen gegen die Himmelblauen seit 1966. © Christian Modla

Allein der Vergleich der Kader zwischen Chemnitz und der BSG Chemie zeigt das Ungleichverhältnis. Die Zugänge der Chemnitzer, Mittelstürmer Kilian Pagliuca (24) vom FC Nitra, laut Transfermarkt.de 175.000 Euro wert, Linksaußen Furkan Kircicek (24) von Türkgücü München, 125.000 Euro wert, und der defensive Mittelfeldspieler Dominik Pelivan (25) von Energie Cottbus, 125.000 Euro wert, sind das eine. Die Erfahrung im Kader das andere.

Als da wären Jakub Jakubov, Torwart, (175 RL-Spiele, 38x3. Liga), Innenverteidiger Jovan Vidovic (84x 3. Liga, 75x RL, 82x 1. Tschechische Liga), Christian Bickel (97x 3. Liga, 41x 2. Bundesliga), Tobias Müller (25x 2. Bundesliga, 70x 3. Liga, 58x Regionalliga), Okan Kurt (10x 2. Bundesliga, 55x 3. Liga, 86x Regionalliga), Kevin Freiberger (255x Regionalliga, 79x 3. Liga), Andis Shala (236x Regionalliga, 17x 3. Liga, 30x 1. Liga Schottland)… Geballte Erfahrung und Qualität, ergänzt um viele hoffnungsvolle Talente, die im Kader stehen. Und dennoch geriet der Start schwerfällig, 8:7 Tore bei drei Siegen und drei Niederlagen sowie einem Remis stehen zu Buche.

„Kleine organisatorische Meisterleistung“

Davon völlig unbeeindruckt zeigt sich Chemie-Torwart Benjamin Bellot. Der 31-Jährige gibt offen zu: „Über Chemnitz weiß ich recht wenig. Das ist jetzt keine Floskel oder Arroganz, aber man hat auch wenig Zeit, sich mit dem Gegner zu befassen“. Die Trainer übernehmen das in aller Gründlichkeit, Spieler wie Bellot, die den ganzen Tag arbeiten, haben Mühe, die vielen Spiele unter einen Hut zu bekommen.

„Wenn wir unter der Woche spielen, muss ich die Zeit vorher rausarbeiten. Letztens bin ich 13 Uhr weg vom Büro und habe zu Hause noch mit dem Laptop gearbeitet bis zur Abfahrt des Busses“. Auch das Kind aus dem Kindergarten abzuholen und es bei den Eltern oder Schwiegereltern abzuliefern, bis die Frau übernehmen kann, sei oft eine „kleine organisatorische Meisterleistung“. Gegen Chemnitz wäre Bellot froh, wenn „die Null steht“, dann hätte man schon einen Punkt gewonnen. Ansonsten zeigt er sich selbstbewusst wie die gesamte Mannschaft: „Vom Papier her ist uns ein Großteil der Liga überlegen. Aber das interessiert uns auf dem Rasen wenig – es stachelt uns im Gegenteil noch an!“