10. Juni 2021 / 07:29 Uhr

Berater war schon eingeschaltet: So überzeugte Jesse Marsch RB Leipzigs Neuzugang Brobbey

Berater war schon eingeschaltet: So überzeugte Jesse Marsch RB Leipzigs Neuzugang Brobbey

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Brian Brobbey wechselt von Ajax Amsterdam zu RB Leipzig.
Brian Brobbey soll in Leipzig vor allem Eines: spielen. © Imago / Pro Shots
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Mit der ablösefreien Verpflichtung von Brian Brobbey gelang RB Leipzig im Frühjahr ein echter Coup. Nun hat der Stürmer erstmals selbst bestätigt, dass der Abgang von Trainer Julian Nagelsmann ihn schwanken ließ. Der 19-Jährige verriet aber auch, wie Neu-Coach Jesse Marsch ihn von sich überzeugte und warum bei Ajax Amsterdam nicht alles eitel Sonnenschein für ihn war.

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Leipzig. Kaum einer der bisher feststehenden Sommer-Neuzugänge von RB Leipzig hatte sich derart deutlich zu Coach Julian Nagelsmann als Wechselgrund geäußert wie Brian Brobbey. „Er ist ein junger und sehr guter Trainer, von dem ich noch viel lernen kann“, sagte der 19-Jährige bei seiner Vorstellung im März. Kein Wunder, dass mit der Verkündung des Nagelsmann-Wechsels Richtung Bayern München sofort auch Spekulationen um Brobbey aufkamen. Die waren nicht unberechtigt. Der Stürmer von Ajax Amsterdam bestätigte jetzt in der holländischen Sendung „Bij Andy in de Auto“ erstmals selbst entsprechende Gerüchte. „Ich habe sofort meinen Berater (Mino Raiola) kontaktiert und ihn gefragt, ob er die Situation mal prüfen könnte“, so Brobbey. „Vielleicht könnten einige Sachen nochmal geregelt werden, beispielsweise eine Rückkehr zu Ajax.“

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Ablösefreier Wechsel zu RB Leipzig

Dass es nicht dazu kommen wird, haben die RB-Verantwortlichen vor allem Jesse Marsch zu verdanken. Denn der Nagelsmann-Nachfolger griff umgehend zum Telefon und überzeugte den Niederländer in mehreren Gesprächen mit einem schlagenden Argument. „Er hat gesagt, er habe Stürmer wie Erling Haaland besser gemacht. Er habe einen Plan mit mir.“ Ein weiteres Plus für den künftigen Leipziger Trainer: Spielzeit für den Stürmer, der in der vergangenen Saison ligen- und wettbewerbsübergreifend in 36 Partien 15 mal traf, sechs Tore vorbereitete. „Ich verlasse Ajax nicht wegen des Geldes. Ich möchte spielen“, erklärte Brobbey in dem YouTube-Format, in dem ein Gast mit dem ehemaligen Nationalkicker Andy van der Meijde im Auto durch die Stadt fährt.

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Seine Entscheidung habe er nicht aus der Emotion heraus getroffen. Ajax hatte in der Winterpause Sébastien Haller für 22 Millionen Euro von West Ham United für die Offensive geholt. „Man hat mir ehrlich gesagt, dass ich in der nächsten Saison nicht viel in der ersten Mannschaft spielen werde.“ Stattdessen waren für Brobbey Einsätze in der Reserve des niederländischen Rekordmeisters vorgesehen, die in der zweiten Liga antritt. Für den hoch talentierten Angreifer waren das alles andere als verlockende Aussichten. Er entschied sich für einen ablösefreien Wechsel zu RB, unterschrieb hier einen Vertrag bis 2025.



„Leipzig ist natürlich nicht Amsterdam“

Brobbey kickte zunächst beim AFC Amsterdam, wechselte 2010 zu Ajax, wo er die Jugendmannschaften durchlief. Er kommt aus einer Fußballer-Familie. Seine Brüder Samuel sowie Kevin und Derrick Luckassen spielen ebenfalls. John Heitinga, Trainer der U19 bei Ajax, hält große Stücke auf den Stürmer. „Er ist der Schnellste hier bei Ajax [...] und sein Ein-Bein-Sprung ist höher als der von Cristiano Ronaldo“, schwärmte der ehemalige Nationalspieler vor reichlich einem Jahr. Marc Overmars, Sportchef bei Ajax, bedauerte Brobbeys Ja zu Leipzig öffentlich. „Es ist sehr schade, dass er geht. Wir haben alles dafür getan, dass er uns noch länger erhalten bleibt. Er hat sich dazu entschieden, ab Sommer woanders Fußball zu spielen. Für mich ist es schwierig, das zu akzeptieren, aber es ist seine Entscheidung.“

Angesichts solcher Aussagen verwundert es, dass sich der 19-Jährige bei den Niederländern nicht gänzlich korrekt behandelt fühlte. „Ich muss mich bei Ajax immer stärker beweisen als andere. Ich weiß nicht warum“, äußerte er im Auto von Andy van der Meijde. Abseits der Aussicht auf mehr Spielzeit hält sich Brobbeys Vorfreude auf die Messestadt übrigens in Grenzen. „Ich werde alle vermissen, meine Familie, meine Brüder“, so der Kicker. „Ich bin schon öfter in Leipzig gewesen. Es ist natürlich nicht Amsterdam. Aber ich habe mich nicht für die Stadt entschieden.“

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