12. September 2021 / 18:21 Uhr

Bereit für die Ligue 1? Auf Boateng wartet bei Olympique Lyon nicht nur sportlich ein schwieriger Start

Bereit für die Ligue 1? Auf Boateng wartet bei Olympique Lyon nicht nur sportlich ein schwieriger Start

Alexis Menuge 
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Jerome Boateng könnte an diesem Sonntag sein Debüt für Olympique Lyon geben.
Jerome Boateng könnte an diesem Sonntag sein Debüt für Olympique Lyon geben. © dpa/AFP
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Jerome Boateng soll die Defensive von Olympique Lyon stabilisieren. Am Sonntag könnte der Weltmeister von 2014 zu seinem Debüt beim Team von Ex-Leverkusen-Trainer Peter Bosz kommen. Doch ein Gerichtsurteil überschattet seinen Start in Frankreich.

Es war eine intensive Woche für den 76–maligen deutschen Nationalspieler Jerome Boateng. Eine mit Höhen und Tiefen. Während der 33-Jährige vor großen fußballerischen Veränderungen steht, macht derzeit eher ein Urteil gegen ihn Schlagzeilen. Zwischen Umzug von München nach Frankreich, dem Medizincheck beim französischen Traditionsklub Olympique Lyon sowie seinen ersten Trainingseinheiten im Groupama-Stadium gab es für ihn am Donnerstag einen Termin im Amtsgericht München wegen Vorwürfen der Körperverletzung an seiner ehemaligen Lebensgefährtin. Das – bislang noch nicht rechtskräftige – Urteil: Boateng wurde wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu 60 Tagessätzen zu je 30.000 Euro – also 1,8 Millionen Euro – Strafe verurteilt, dem höchstmöglichen Tagessatz. Außerdem muss er die Verfahrenskosten tragen. Eine Vorstrafe gibt es erst ab 90 Tagessätzen.

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Doch es ist noch nicht vorbei: Die Staatsanwaltschaft erwägt eine Berufung, sie hatte in dem Verfahren eine Bewährungsstrafe von anderthalb Jahren gefordert – und eine Geldauflage von 1,5 Millionen Euro. Boatengs Verteidiger Kai Walden hatte einen Freispruch gefordert. Die Frage, ob auch sein Mandant erwägt, Rechtsmittel einzulegen, blieb zunächst offen.

Berichte aus Frankreich: Olympique Lyon wusste nichts von Boateng-Prozess

Boateng, dessen Vertrag beim FC Bayern München in diesem Sommer ausgelaufen und nicht verlängert worden war, flog nach dem Gerichtstermin noch am selben Abend nach Lyon zurück. Dort sind die Erwartungen an ihn groß, eine Reaktion seines Klubs auf das Urteil hatte es zunächst nicht gegeben. Bei der Vertragsunterschrift habe OL nichts von dem Prozess gewusst, heißt es in Frankreich.

Nach einem durchwachsenen Start in der französischen Meisterschaft muss Olym­pique Lyon im Mittelfeld der Liga liefern, nachdem der einstige Serienmeister im zweiten Jahr in Folge die Gruppenphase der Champions League verpasst hat. An der Rhône und Saône wird Boateng eine Art Führungsrolle übernehmen, zumindest als Abwehrchef, wo seine langjährige Erfahrung und seine Führungsqualitäten OL auf ein höheres Niveau hieven sollen. "Jérôme ist ein großartiger Spieler, der bislang eine großartige Karriere hatte", meinte Lyons neuer Trainer Peter Bosz, der aus seinen Zeiten in Dortmund (2017) und Bayer Leverkusen (2019 bis 2021) wie Boateng Bundesliga-Erfahrung mitbringt.

Für seine ersten Schritte in der ­Ligue 1 erwartet den gebürtigen Berliner an diesem Sonntagabend (20.45 Uhr/DAZN) das Heimspiel gegen Racing Straßburg, bevor es ihn bei seiner ersten Reise gleich zum Starensemble von Paris Saint-Germain in den Prinzenpark führt (19. September). In der französischen Hauptstadt wäre er beinahe im August 2018 gelandet, als ihn der damalige PSG-Trainer Thomas Tuchel verpflichten wollte. Die Pariser waren sich so gut wie einig mit den Münchner Verantwortlichen, bevor der Deal in letzter Minute doch nicht zustande kam. Auch in diesem Sommer stand Boateng in Kontakt mit einem anderen Team der Ligue 1: AS Monaco war lange auf der Suche nach einem erfahrenen Verteidiger, doch der ehemalige Münchner war den Monegassen um den Ex-Bayern-Coach Niko Kovac schließlich zu teuer. Der dritte Versuch hat gesessen: Boateng ist ein "Gone" – so der Spitzname der Lyonnais – und will seine neue Elf wieder in die Königsklasse führen. "Das ist das oberste Ziel", erklärte er.

Boateng wird zunächst nicht alle drei Tage 90 Minuten auflaufen können

Boateng wird die Integration bei seinem zweiten ausländischen Klub nach Manchester City (2010 bis 2011) durch Ex-Bayern-Mitspieler Xherdan Shaqiri sowie den deutschen Torwart Julian Pollersbeck, der seit einem Jahr bei OL unter Vertrag steht, erleichtert. Wie weit Boateng nach drei Monaten Einzeltraining körperlich ist, wird sich zeigen, aber er wird nicht sofort alle drei Tage 90 Minuten auflaufen können. Dazu bleibt abzuwarten, wie die Fans auf Boateng reagieren werden.


In den kommenden 21 Tagen haben die Lyonnais sieben Spiele auf dem Programm. "Es wird darum gehen, mit Jérôme und der Belastung vernünftig umzugehen, ihn Schritt für Schritt einzusetzen, auch wenn ich ihn am liebsten jedes Mal aufstellen würde. Mit seiner Power und Dynamik wird er uns aber relativ schnell weiterhelfen", stellte Bosz fest.