10. April 2021 / 07:11 Uhr

Vom Bergläufer zum Radprofi: Anton Palzer jetzt festes Mitglied im Team Bora-hansgrohe

Vom Bergläufer zum Radprofi: Anton Palzer jetzt festes Mitglied im Team Bora-hansgrohe

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Berge sind seine Welt: Anton Palzer ist nach seiner Karriere als Bergläufer und Ski-Bergsteiger nun Radprofi.
Berge sind seine Welt: Anton Palzer ist nach seiner Karriere als Bergläufer und Ski-Bergsteiger nun Radprofi. © IMAGO/GEPA pictures/ChiaraRedaschi/Montage
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Ski-Bergsteiger, Bergläufer – und seit gut einer Woche offiziell Radprofi: Anton Palzer greift nach vielen WM-Medaillen nun auf dem Sattel an . Seit dem 1. April ist er festes Mitglied im Team Bora-hansgrohe.

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Alles begann mit einer Nachricht über Instagram – mehr oder weniger zumindest. Drei Jahre ist es her, dass Ralph Denk Anton Palzer angeschrieben hatte. Der Teammanager des deutschen Profiradsportteams Bora-hansgrohe lud den Extrembergsteiger damals als Belohnung für dessen Leistungen in ein Trainingslager ein. Palzer, der gebürtige Bayer, reagierte allerdings nicht. Er habe die Nachricht erst im vergangenen Jahr zufällig in seinem Postfach entdeckt, sagte er.

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Aus dem Zufall ist inzwischen ein richtiger Plan geworden. Seit dem 1. April ist „Toni“ Palzer festes Mitglied im Team Bora-hansgrohe, wagt mit 28 Jahren den Umstieg vom Ski-Bergsteiger und Bergläufer zum Radsportprofi. Ein Trainingslager mit 1700 Kilometern auf dem Rad auf Gran Canaria hat er gerade erst absolviert. Nun bereitet er sich auf seinen ersten Einsatz vor: Vom 19. bis 23. April wird er bei der "Tour of the Alps" in Österreich und Italien in die Pedale treten. Dann steht der drahtige Neuprofi plötzlich zusammen mit Stars wie den Tour-de-France-Siegern Christopher Froome und Egan Bernal am Start.

Laufbahn als Ski-Bergsteiger und Bergläufer hat Palzer nicht mehr ausgefüllt

"Aus sportlicher Sicht muss ich langsam zum Radfahrer heranwachsen", sagte Palzer vor einigen Monaten, als er seinen Wechsel in den Radsport offiziell machte. Ein paar Wochen später radelte er zusammen mit Superstar Peter Sagan um den Gardasee im ersten gemeinsamen Trainingslager mit seinen neuen Teammitgliedern. Danach ging es für ihn aber noch einmal zurück vom Sattel auf die Ski. Eine Saison als Ski-Bergsteiger wollte er noch bestreiten, schließlich stand zuletzt im März noch eine WM auf dem Programm. Mit Erfolg: Im sogenannten Vertical holte er nach einem Anstieg über 720 Höhenmeter in nur 26:34 Minuten Silber – und damit die 15. WM-Medaille seiner Karriere.



Aber was bringt einen dazu, nach einer erfolgreichen, 13 Jahre andauernden Laufbahn noch einmal die Sportart zu wechseln? Er habe sich nicht mehr erfüllt gefühlt mit seiner früheren Leidenschaft, begründet er. Großen Einfluss auf die Entscheidung dürfte aber auch sein Trainer Helmut Dollinger gehabt haben, der zeitgleich auch für Bora-hansgrohe arbeitet. 15 000 Kilometer trainierten die beiden im vergangenen Sommer auf dem Rad. Immer wieder fiel bei Leistungsdiagnostiken auf, dass Palzer unglaubliche Werte vorweisen konnte – vor allem bei der Sauerstoffaufnahme. Für eine Ausdauersportart wie den Radsport sehr wichtig. "Ich weiß, dass ich gute physische Voraussetzungen mitbringe“, sagt er. Aber: „Mir ist auch bewusst, dass ich noch vieles auf dem Rad und im Peloton lernen muss."

Palzer und die Alpen - das passt zusammen

Und: Palzer muss erst einmal beweisen, dass er seine Kraft auch wirklich aufs Rad und damit die Straße bekommen kann. Ein Vorteil ist, dass er sich in den Bergen wohlfühlt. Erst im vergangenen Jahr stellte er einen Rekord auf, bei dem er in 2:47 Minuten einen 23 Kilometer langen Lauf über den 2700 Meter hohen Watzmann zurücklegte.

So ist es nicht verwunderlich, dass Palzers erster Einsatz als Radprofi zunächst in den Alpen sein wird. Langsam soll er nun ans Profiniveau herangeführt werden. "Es mag nach einem gewagten Unterfangen aussehen, und ein gewisses Risiko ist sicher dabei, aber wir verfolgen Toni schon länger und sind von seinen körperlichen Voraussetzungen überzeugt", sagte Teammanager Denk.

Im Hinterkopf dürften die Verantwortlichen bei Bora-hansgrohe auch haben, dass Wintersportler in den vergangenen Jahren durchaus für Furore im Radsport gesorgt haben. Allen voran der ehemalige Skispringer Primoz Roglic. Palzer will aber seine "eigene Geschichte erzählen", wie er sagt. Man darf gespannt sein, wie diese klingen wird. Denk jedenfalls ist überzeugt: "Er hat riesiges Potenzial."