05. April 2021 / 06:20 Uhr

Vom tragischen zum richtigen Derby-Helden: Vatervorfreuden bei Unions Robert Andrich

Vom tragischen zum richtigen Derby-Helden: Vatervorfreuden bei Unions Robert Andrich

Stephan Henke und David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
 Robert Andrich erzielte im Berlin-Derby gegen Hertha das frühe 1:0 für Union.
In seinem 54. Bundesligaspiel gelang Robert Andrich für den 1. FC Union sein sechstes Tor. © imago images/Matthias Koch
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Nach seinem Platzverweis im Hinspiel erzielt der Potsdamer nun die 1:0-Führung gegen Hertha BSC – und feiert seinen Treffer mit einem Baby-Jubel.

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Robert Andrich hat sich mit seinem Derby-Tor ein paar Anrufe erspart. Denn nachdem der stramme Weitschuss des Union-Mittelfeldspieler vom Innenpfosten ins Hertha-Gehäuse eingeschlagen hatte, stürmte Andrich Richtung Ball, schnappte ihn sich und schob ihn unter sein rotes Trikot, was das Baby im Bauch seiner Frau Alicia symbolisieren sollte. "Dann muss man nicht immer jedem einzelnen Freund zu Hause schreiben. Wenn er das Spiel guckt, dann ist es auch relativ klar. Wir freuen uns sehr darüber", sagte Andrich nach dem 1:1 (1:1) am Sky-Mikro.

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Seit dem legendären Bebeto-Jubel bei der Weltmeisterschaft 1994, der mit einer Wiege-Geste seine Vatervorfreuden der ganzen Welt kundtat, haben es ihm unzählige Kicker nachgemacht. "Ich habe gehofft, dass ich ein Tor schieße, so ein Jubel gehört ja vielleicht auch ein bisschen dazu", meinte Andrich zu seiner Geste in der 10. Minute. Zuvor hatte er eine verunglückte Kopfballabwehr von Jordan Torunarigha zum 1:0 verwandelt, "ein richtig schönes Tor von mir", sagte er selbst über seinen Treffer aus gut 20 Metern.

Damit begann für ihn das zweite Derby der Saison deutlich besser als das erste, das nach einer Roten Karte schon früh beendet war. Damals hatten die Eisernen 1:0 im Olympiastadion geführt, mussten nach Andrichs Tritt ins Gesicht von Lucas Tousart aber mehr als eine Stunde in Unterzahl spielen – die Hertha gewann schließlich mit 3:1.

"Für uns war er nicht der Derbydepp im Hinspiel", sagte Unions Trainer Urs Fischer auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Dass Fischer als besonders fürsorglicher Trainer gilt, bezeugen viele seiner Spieler. Auch Andrich profitiert von der Rückendeckung, unter Fischer hat er sich zu einem versierten Mittelfeldspieler entwickelt, der Kampf und Kunst vereint.

"Der Gattuso Brandenburgs"

54 Bundesligaspiele (sechs Tore) hat Andrich für Union inzwischen absolviert, aus der Stammformation ist er nicht mehr wegzudenken. Seine Körperlichkeit, seine teils herausragenden Pässe, die Dynamik, die er der eher defensiv arbeitenden Elf im Aufbauspiel gibt, all das macht ihn nahezu unersetzlich. Während Christian Gentner auch altersbedingt Andrichs Wucht fehlt, streut Grischa Prömel noch den ein oder anderen Fehler zu viel in seinem Spiel ein.

Andrich ist der kompletteste Fußballer im zentralen Mittelfeld, "der Gattuso Brandenburgs". So hat ihn sein früherer Jugendcoach Zeljko Ristic im SPORTBUZZER-Interview genannt. Auch gegen Hertha war der gebürtige Potsdamer wieder sehr präsent. "Er hat heute wirklich ein gutes Spiel gemacht und sich belohnt mit einem Tor", lobte Fischer.

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Dass es nicht zum Sieg reichte, lag zum einen am etwas übermotivierten Einsteigen von Marvin Friedrich gegen Matteo Guendouzi im Union-Strafraum, den fälligen Elfmeter verwandelte Dodi Lukebakio. Zum anderen an der sehr defensiven Haltung der Gäste gerade in der zweiten Hälfte. "Wenn die Leistung stimmt – und ich denke, die hat über weite Strecken gestimmt –, dann willst du natürlich gewinnen. Ich denke, die Chancen waren zwar nicht unbedingt da, aber man hat schon gesehen, dass wir gewinnen wollen", sagte Andrich. "Hertha war sehr, sehr tief, hat wenig fürs Spiel gemacht, aber du musst auf Kontersituationen aufpassen."