29. Juli 2017 / 07:20 Uhr

Bernardo – der preußische Brasilianer

Bernardo – der preußische Brasilianer

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
RB Verteidiger Bernardo vor dem Testspiel gegen den ZFC Meuselwitz. 
RB Verteidiger Bernardo vor dem Testspiel gegen den ZFC Meuselwitz.  © PicturePoint
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Der 22-jährige Verteidiger von RB Leipzig spricht im großen LVZ-Interview u.a. über preußische Tugenden, die Nationalmannschaft sowie vergessene Hausschlüssel. 

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Seefeld. Brasilianer in der Bundesliga. Immer gut drauf, oft schlagzeilenträchtig, selten pünktlich aus dem Urlaub kommend und gerne die zum Dienstantritt erlaubten Körperfettwerte negierend. Ailton kam immer mit Hüftspeck vom Zuckerhut, Marcelinho tauchte immer zu spät zum ersten Üben auf, Amoroso war in seiner BVB-Zeit immer der Überzeugung, dass er ohne Training besser als mit ist. Auch Leipzigs Brasilianer Bernardo ist immer gut drauf, ansonsten hat er mit den erwähnten Sportkameraden nichts gemein. Der 22-jährige Verteidiger ist ein Vorzeigeprofi. Gespräch mit einem wohlerzogenen jungen Mann, den man laut Sportdirektor Ralf Rangnick „einfach lieben muss“. Übrigens: Das Interview mit dem preußischen Brasilianer kam ohne Dolmetscher aus.

Sie sprechen nach einem Jahr nahezu fließend. Haben Sie in Österreich geübt?

Nein, in Salzburg waren wir 70 Prozent Ausländer, da war die Amtssprache Englisch. Als mein Wechsel nach Leipzig feststand, habe ich angefangen, Deutsch zu lernen. Und seit ich hier bin, habe ich zwei-, dreimal die Woche Unterricht. Bei RB wird Deutsch gesprochen, da lernt man jeden Tag dazu.

Ralf Rangnick sagt, dass man Sie lieben muss. Hat er Recht?

Der Chef hat immer Recht. Im Ernst: Ich versuche meinen Job so gut es geht zu machen. Und ich möchte dabei Freude haben. Ich freue mich jeden Tag aufs Training und meine Freunde.

Meinen Sie Ihre Teamkollegen?

Ja, wir haben alle eine sehr gute Beziehung zueinander und Spaß miteinander. Das ist eine Basis für gute Arbeit und gute Ergebnisse.

Demnach ist Ihr Konkurrent auf links, Marcel Halstenberg, auch ein Freund?

Natürlich. Halsti ist ein Superspieler und klasse Typ. Ich haben großen Respekt vor ihm.

Und wenn er spielt und Sie nicht?
Dann wünsche ich ihm, dass er gut spielt. Wir haben viele Spiele, da wird jeder gebraucht.

RB hat eine fantastische Saison hingelegt. Mit Ihnen als Rechtsverteidiger. Sie können offenbar immer und überall.
Meine Lieblingsposition ist Innenverteidiger, in Salzburg habe ich im defensiven Mittelfeld oder hinten links gespielt. Als Klosti (Lukas Klostermann; Red.) ausgefallen ist, hat mich der Trainer gefragt, ob ich mir auch hinten rechts zutraue.

Und Sie haben jaaaa gesagt.

Natürlich. Es hat dann ja auch ganz gut funktioniert. Ich bin über jede Spielminute glücklich. Egal auf welcher Position.

Ihnen werden preußische Tugenden nachgesagt.

Preußisch?

Disziplin, Pünktlichkeit, Fleiß und so weiter. Sie sind ein preußischer Brasilianer, Bernardo.

Mein Vater hat in Europa und Japan Fußball gespielt. Er hat mir beigebracht, was man als Profi zu tun und zu lassen hat. Manche brasilianische Fußballer sind vielleicht etwas zu relaxt. Ich bin Brasilianer, lache und tanze gerne. Wenn der Ball rollt, dann bin ich absolut fokussiert auf meinen Beruf. Es geht nicht anders.

Sie sind der einzige Brasilianer weltweit, der das Trikot in die Turnhose steckt.

Ich bin da ein bisschen altmodisch, Old School sozusagen. Gefällt es ihnen nicht?

Doch, ganz wunderbar. Das Wetter im Camp war suboptimal. Sind Sie froh, dass es vorbei ist?

Nein, ich liebe Österreich und die Berge. Und da regnet es eben ab und zu. Besser so als zu warm. Ich habe jeden Tag im Trainingslager genossen. Wir haben hart und trotzdem mit sehr viel Freude gearbeitet.

Apropos hart: War Naby Keitas Grätsche noch normale Härte?

Wir sind alle Menschen – und Menschen machen auch Fehler. Das Ganze ist in der Mannschaft und zwischen Diego und Naby definitiv abgehakt. Ich kenne ein Video von Ihnen. Ihre Fouls waren schlimmer. Viel schlimmer.

Jeder Brasilianer träumt von der Nationalmannschaft.

Das stimmt. Ich spiele bei einem deutschen Top-Verein, wir sind in der Champions League dabei. Die Bühne ist da, ich kann und will mich zeigen. Die Selecao ist ein großes Ziel von mir.

Ihre Freundin studiert in Berlin Psychologie. Wann kommt Sie nach Leipzig?

Sie muss noch eine letzte Prüfung ablegen, in drei Monaten zieht sie zu mir.

Stimmt es, dass Sie gerne mal den Haustürschlüssel in der Wohnung vergessen?

Ja, passiert mir ungefähr einmal in der Woche. Mein Vermieter und Marvin (Compper, wohnt über Bernardo, Red.) haben zum Glück Ersatzschlüssel. Bisher bin ich immer reingekommen. Ich wohne hier wie in Sao Paulo. Schöne Wohnung, viel Garten und nah am Wasser. Leipzig ist meine zweite Heimat geworden.

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