23. Januar 2018 / 08:00 Uhr

Bernd Hollerbach: Neuer HSV-Trainer nimmt Profis hart ran

Bernd Hollerbach: Neuer HSV-Trainer nimmt Profis hart ran

Andreas Hardt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bernd Hollerbach ist neuer Trainer des Hamburger SV. Er führt direkt neue Arbeitszeiten bei den Hanseaten ein.
Bernd Hollerbach ist neuer Trainer des Hamburger SV. Er führt direkt neue Arbeitszeiten bei den Hanseaten ein. © imago
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Frischer Wind beim Hamburger SV: Nach der Entlassung von Trainer Markus Gisdol übernimmt nun Bernd Hollerbach. Der 48-Jährige ist für seine härteren Trainingsmethoden bekannt - und gibt auch beim HSV sofort den harten Coach. Die Trainingszeit wird verlängert.

„Und Bernd“, rief ein HSV-Fan, „packen wir´s?“ Da musste Bernd Hollerbach lächeln. „Na klar“, sagte er. 94 Minuten erstes Training lagen am Montag hinter dem neuen HSV-Coach, mehr als ein erstes Beschnuppern konnte das aber nicht sein. Und dennoch wollten sich knapp 200 HSV-Anhänger den ersten öffentlichen Auftritt des Neustarters nicht entgehen lassen.

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Einen Vertrag bis 2019 hat er unterschrieben, der auch für die 2. Liga gilt – aber das soll natürlich nur Theorie sein. „Ich bin ein Mensch, der immer mehr an die Chancen geglaubt hat als an das Scheitern“, sagte der 48-Jährige. Natürlich glaubt er also daran, dass der Klassenerhalt möglich ist. „Ich werde alles dafür geben, dass wir unsere Ziele erreichen.“

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Hollerbach war am Mittag auf der HSV-Geschäftsstelle erschienen, um die letzten formalen Dinge mit Sportchef Jens Todt und Vorstandschef Heribert Bruchhagen zu besprechen. Auf seinem Sportwagen klebte noch ein Sticker seines ehemaligen Vereins Würzburger Kickers. Aber der wird wahrscheinlich bald verschwinden. „Ich bin HSVer“, sagte er bei seiner Vorstellung. „Ich bin stolz, wieder zurück zu sein.“

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Bevor es auf den Trainingsplatz ging, stellte er sich in der Kabine den Spielern vor. „Jeder fängt bei mir bei Null an. Das gilt für alle Positionen. Wir müssen Ordnung und Stabilität auf den Platz kriegen.“

„Er hat diese Mischung aus natürlicher Autorität und schafft trotzdem gute Stimmung“

Insgesamt acht Jahre kickte der gebürtige Würzburger beim HSV, davor ein halbes Jahr in Kaiserslautern. Seine Profikarriere begann zwischen 1991 und 1995 beim FC St. Pauli – weshalb die Fans des Kiezklubs nach der Unterschrift beim HSV regelmäßig „Ho-Ho-Hochverrat“ skandierten. Ehrgeiz, Disziplin, immer bereit, eine Extraschicht einzulegen, das zeichnete ihn stets aus. Als junger Mann absolvierte Hollerbach seine Metzgerlehre mit der Abschlussnote 1,0 und erhielt dafür den Staatspreis als Deutschlands bester Metzgergeselle.

Als Fußballprofi schwitzte er neben dem offiziellen Training beim HSV noch privat in einer Muckibude, um körperlich absolut top zu sein. Nicht weniger als diese Einstellung soll er den Spielern vermitteln. „Er hat diese Mischung aus natürlicher Autorität und schafft trotzdem gute Stimmung“, sagte Todt.

Nach ersten Gehversuchen als Trainer beim VfL 93 in Hamburg (2005) und beim VfB Lübeck in der Regionalliga Nord (2006–07) holte ihn sein Freund Felix Magath im Juni 2007 zum VfL Wolfsburg, wo er als Co-Trainer der Profis fungierte. 2008/2009 feierte Hollerbach mit den Niedersachsen den Gewinn der ersten deutschen Meisterschaft.

Bernd Hollerbach - Karriere in Bildern

 Als Spieler war der als „Holleraxt“ bekannte Linksverteidiger für die Würzburger Kickers, den FC St. Pauli, den 1. FC Kaiserslautern und den Hamburger SV aktiv, bei dem er die längste Zeit seiner Karriere verbrachte. In 222 Bundesliga-Spielen erzielte er sechs Tore, berühmt-berüchtigt wurde der gelernte Metzger aber durch die Vielzahl an Gelben Karten (insgesamt 95). Hier im Jahrhundertspiel, dem 4:4 des HSV gegen Juventus Turin mit Niko Kovac gegen Zinedine Zidane. Zur Galerie
 Als Spieler war der als „Holleraxt“ bekannte Linksverteidiger für die Würzburger Kickers, den FC St. Pauli, den 1. FC Kaiserslautern und den Hamburger SV aktiv, bei dem er die längste Zeit seiner Karriere verbrachte. In 222 Bundesliga-Spielen erzielte er sechs Tore, berühmt-berüchtigt wurde der gelernte Metzger aber durch die Vielzahl an Gelben Karten (insgesamt 95). Hier im "Jahrhundertspiel", dem 4:4 des HSV gegen Juventus Turin mit Niko Kovac gegen Zinedine Zidane. ©

Neue Gangart beim HSV

Er folgte Magath noch 2009 zu Schalke und 2011 zurück nach Wolfsburg. Im Oktober 2012 stellte er sich auf eigene Trainerfüße und führte Würzburg ab 2014 von der vierten bis in die 2. Liga. Nach dem Abstieg 2017 trat er zurück und war seitdem beschäftigungslos.

Sein einstiger „Lehrherr“ Magath traut ihm nun zu, das „Wunder“ beim HSV zu schaffen: „Er kennt die Bundesliga, was in der jetzigen Situation eine wichtige Voraussetzung ist. Er war kein Anhängsel in meinem Trainerteam, sondern immer ein ganz wichtiger Mitstreiter. Unsere gemeinsamen Erfolge sind auch sein Verdienst“, sagte der 64-Jährige.

Am Dienstag müssen die HSV-Profis schon um 8.30 Uhr zum gemeinsamen Frühstück antreten, dann steht zwei Mal Training auf dem Tagesplan. „Wir müssen jetzt die Ärmel hochkrempeln“, sagte der neue Mann. Und fängt also gleich damit an.

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