18. November 2022 / 13:32 Uhr

Infantino, FIFA, One-Love-Binde: DFB-Präsident Bernd Neuendorf mit Klartext vor WM in Katar

Infantino, FIFA, One-Love-Binde: DFB-Präsident Bernd Neuendorf mit Klartext vor WM in Katar

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 DFB-Präsident Bernd Neuendorf stellte sich kurz vor dem WM-Start ausführlich den Medien.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf stellte sich kurz vor dem WM-Start ausführlich den Medien. © IMAGO/Nico Herbertz
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Zwei Tage vor dem Beginn der Weltmeisterschaft in Katar hat Bernd Neuendorf kein Blatt vor den Mund genommen. Der DFB-Präsident sprach im Teamquartier über die Lage vor Ort, die FIFA, deren Boss Gianni Infantino, die One-Love-Binde und weitere brisante Themen.

Die meisten Nationalspieler genossen ihren letzten freien Tag vor dem Start der Weltmeisterschaft, der Präsident setzte auch im Namen der Nationalmannschaft ein starkes Zeichen. Auf einer Pressekonferenz im WM-Teamquartier der DFB-Auswahl in Al-Ruwais im Norden Katars bezog Bernd Neuendorf am Freitag offen Stellung zur Situation im Gastgeberland, der Rolle der FIFA und deren Chef Gianni Infantino. Der Verbandsboss erklärt, warum der DFB dem Schweizer bei der nächsten Wahl die Unterstützung verweigert. Dabei wird er sehr deutlich. Zudem kündigte Neuendorf an, dass die Nationalmannschaft ein SOS-Kinderdorf in Nepal in den kommenden fünf Jahren mit insgesamt einer Million Euro unterstützen werde.

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Der SPORTBUZZER, das Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), hat die wichtigsten Aussagen des DFB-Präsidenten zusammengestellt. Bernd Neuendorf über...

… seine Rolle während der WM: "Es ist mein erstes Turnier in so einer Rolle als Delegationsleiter. Ich bin seit acht Monaten im Amt, dazu gehört eine hohe Verantwortung. Alle haben die Debatten rund um das Turnier erlebt, damit muss man sich befassen. Ich will für das Team da sein, will aber auch Gespräche in Doha führen, um mit Verantwortlichen zu reden, zu den unterschiedlichsten Themen. Ob mit der FIFA, der UEFA oder auch anderen Verbandspräsidenten."

… seinen Eindruck von der Mannschaft: "Das ist eine Einheit mit einem tollen Trainerteam, die Stimmung ist top. Sie haben die neuen Spieler gut aufgenommen und wir haben gute Kicker. Daher gehe ich fest von einem guten Turnier aus und natürlich auch von einem Sieg gegen Japan."

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… die DFB-Aktion in Nepal: "Die Spieler haben sich positioniert, haben ein gutes Sensorium für die Situation, in der sie sich hier befinden. Sie wollen auch ein nachhaltiges Zeichen setzen. Wir haben uns eine Aktion überlegt für die Wanderarbeiter und werden deshalb in Nepal über die nächsten fünf Jahre mit einer Million Euro ein SOS-Kinderdorf unterstützen, damit Kinder Bildung erfahren, deren Väter nach Katar müssen oder die keine Eltern mehr haben. Das sind Gelder, die direkt von den Spielern kommen. Das möchte ich noch mal betonen."

… die verweigerte Unterstützung des DFB für FIFA-Präsident Gianni Infantino: "Wir haben die Entscheidung eindeutig getroffen, weil wir ein Zeichen setzen wollten. Einen Gegenkandidaten ins Rennen zu schicken, der keine Chance hat, wäre sinnlos gewesen. Alle wissen, dass Gianni Infantino die Unterstützung der Kontinentalverbände - nur nicht der UEFA - hat, aber seine Aussage, dass Menschenrechte vor dem Turnier keine Rolle mehr spielen sollten, hat uns verstört. Es war nicht nur der Brief, in dem dies stand, sondern auch andere Dinge der FIFA, die mich zuletzt nachhaltig irritiert haben. Wie das Verbot des dänischen Slogans "human rights for all", was als politische Botschaft abgetan wurde. Für mich, für uns ist das allgemein gültig und verbindlich. Dahinter sollten sich alle versammeln können - vor allem die FIFA, die sich auch das ja auf die Fahne geschrieben hat."

… einen möglichen WM-Ausschluss des Iran: "Generell sollte man dazu Position beziehen, die mutigen Frauen im Iran verdienen jede Aufmerksamkeit. Die Nationalmannschaft hat Zeichen gesetzt, dass sie auf Distanz gehen zum Regime. Die FIFA hat sich wieder nicht positioniert - zu Dänemark dagegen schon. Die One-Love-Binde, die ich immer verteidigt habe, setzt übrigens genau dort an, denn sie bedeutet auch Solidarität mit den iranischen Frauen. Dazu den Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung."

... Aktionen aus der Mannschaft, um auf die Situation im WM-Gastgeberland aufmerksam zu machen: "Ich möchte nicht ausschließen, dass es auch während des Turniers das eine oder andere Zeichen gibt. Das haben wir uns ausschließlich vorbehalten, so ist es mit der Mannschaft auch besprochen."

… eine mögliche Strafe für das Tragen der One-Love-Binde: "Wir sind in einen Geleitzug gestiegen mit anderen Nationen und wir besprechen, was wir machen würden, sollte diese verboten werden. Darüber müssten wir in der Gruppe beraten - ich persönlich würde aber auch eine Geldstrafe in Kauf nehmen."

… vermeintlich fehlende WM-Euphorie in der Heimat: "Ich habe etliche Umfragen gelesen, die alle sehr, sehr unterschiedlich waren. Wir sollten mal abwarten, wie sich die Einschaltquoten entwickeln. Wir müssen mal schauen, was passiert im eigenen Land."


… die Aussage von EM-Turnierdirektor Philipp Lahm, nicht zur WM zu reisen, weil man sich für 2024 nichts abschauen könne: "Jeder ist frei zu entscheiden, ob er wohin fährt. Wir haben dafür gesorgt, dass sich jeder ein Bild machen konnte. Ich kann die Menschen verstehen, die hierher kommen, weil sie Fußball sehen wollen, weil sie ihr Team unterstützen wollen. Ich weiß nicht, ob wir uns in der Vergangenheit immer etwas abgeguckt haben - aber wir werden natürlich trotzdem genau hinschauen, ob Dinge in Katar gut funktionieren. Im Moment fällt mir da allerdings nichts ein…"

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