19. Januar 2021 / 14:51 Uhr

Bestätigt: Wolfsburgs Frauen verlieren zwei Top-Spielerinnen!

Bestätigt: Wolfsburgs Frauen verlieren zwei Top-Spielerinnen!

Andreas Pahlmann und Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Abschied: Ralf Kellermann bestätigte, dass Ingrid Engen (M.) und Fridolina Rolfö den VfL verlassen.
Abschied: Ralf Kellermann bestätigte, dass Ingrid Engen (M.) und Fridolina Rolfö den VfL verlassen. © Roland Hermstein
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Fridolina Rolfö und Ingrid Engen werden den VfL Wolfsburg am Saisonende verlassen. Das bestätigte Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter der VfL-Frauen, am Dienstag. Die Verträge von fünf weiteren Spielerinnen laufen im Sommer aus.

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Bei Frauenfußball-Bundesligist VfL Wolfsburg wird weiter am Kader für die neue Saison gewerkelt. Die Verträge von Friederike Abt, Anna Blässe, Zsanett Jakabfi, Fridolina Rolfö, Ingrid Engen, Lara Dickenmann und Interimskapitänin Lena Goeßling laufen im Sommer aus. Jetzt steht fest, was sich bereits angedeutet hatte: Mit Engen und Rolfö werden zwei Schlüsselspielerinnen den Verein sicher verlassen, beide haben sich gegen eine Vertragsverlängerung entschieden.

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Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter der VfL-Frauen, erklärte: "Das ist jetzt fix, die Vertragsangebote wurden abgelehnt, mit dem Hinweis, dass sie zur neuen Saison eine neue Herausforderung annehmen werden." Wo es für die Spielerinnen hingeht, weiß Kellermann nicht, aber "es ist natürlich so, dass wir über Monate versucht haben, beide von einem Verbleib zu überzeugen. Aber ganz so überraschend kommt das für mich nicht und wir konnten uns darauf vorbereiten, von dem was man in den offenen und ehrlichen Gesprächen erahnen konnte."

Die Marktwerte der VfL-Fußballerinnen.

Analog zu den Marktwerten auf transfermarkt.de veröffentlicht soccerdonna.de seit Januar 2021 Marktwerte für den Frauenfußball. Zur Galerie
Analog zu den Marktwerten auf transfermarkt.de veröffentlicht soccerdonna.de seit Januar 2021 Marktwerte für den Frauenfußball. ©

Rolfö kam 2019 vom FC Bayern München zum Double-Gewinner und sollte in der Offensive für ordentlich Gefahr sorgen. Aufgrund von vermehrtem Verletzungspech musste die Schwedin immer wieder mehrere Wochen aussetzen, absolvierte wettbewerbsübergreifend 28 Partien für die Wolfsburgerinnen, in denen ihr neun Treffer gelangen. Das wichtigste Tor war dabei sicherlich der Siegtreffer zum 1:0 im Halbfinale des Champions-League-Turniers gegen Barcelona Ende August. Im Finale unterlag der VfL anschließend Rekordsieger Olympique Lyon. "Wenn sie gesund ist, gehört sie zu den besten Spielerinnen auf ihrer Position. Ich kann durchaus verstehen, dass man nach vier Jahren Deutschland noch einmal in ein anderes Land möchte. Eine andere Sprache, eine andere Kultur erfahren möchte", so Kellermann, der auch sagt: "Es gibt aber auch in der europäischen Spitze Vereine, die größere Strahlkraft als der VfL haben - rein vom Namen her. Sportlich müssen wir uns nicht verstecken und sind hinter Lyon eine der Top-Mannschaften in Europa."

Bei Engen (sechs Tore in 47 Spielen), die ebenfalls 2019 nach Wolfsburg wechselte und von einem Talent zu einer gestandenen Spielerin im zentral defensiven Mittelfeld reifte, bedauert der 52-Jährige: "Wir hatten gehofft, dass sie etwas länger hier bleibt, wir haben sie entdeckt. Wir haben um sie gekämpft, aber sie hat andere Pläne. Die richtigen Gründe haben wir nicht weiter ausgetauscht", bestätigt Kellermann. Aber: "Ich bin mir sicher, dass sie zu einem Verein geht, wo Freunde, Familie und Co. sie auch regelmäßig sehen können. Die Sichtbarkeit der Liga ist ein Thema." Noch immer sind nicht alle Spiele der Frauen-Bundesliga im TV oder via Internetstream zu sehen, andere Länder sind da deutlich weiter. Und Spielerinnen legen darauf Wert. Kellermann: "In Deutschland müssen wir daran arbeiten, jedes Wochenende sichtbar zu sein– und wenn auch nur in Livestreams, - um auch die Top-Spielerinnen halten zu können.“

In Wolfsburg war die 22-Jährige neben Alexandra Popp oder Lena Oberdorf gesetzt. Mit Dominque Janssen testete Trainer Stephan Lerch bereits in der Vergangenheit auch andere Spielerinnen auf der Position, Talent Lotta Cordes wird ebenfalls der Position zugeschrieben. Wird der amtierende Meister hier trotzdem noch einmal nachlegen? "Das reißt schon eine Lücke", findet Kellermann. "Wir haben Cordes hochgezogen, da ist aber noch Luft nach oben. Popp kann auf der Position spielen und Oberdorf hat die Erwartung dort übertroffen. Aber wir haben schon noch Bedarf."

Die Fälle Blässe, Dickenmann, Jakabfi, Goeßling und Abt "muss man jeweils einzeln betrachten." Es gehe unter anderem um Einsatzzeit, berufliche Perspektive oder andere Gründe. "Bei Abt ist ausgemacht, dass wir die Vorbereitung abwarten. Im Tor haben wir eine Luxussituation, auch wenn wir Rike damals unter dem Aspekt verpflichtet haben, dass sie Nummer zwei ist", meint Kellermann. Durch die Verletzung und darauffolgender Schwangerschaft von Almuth Schult rückte Abt dann in den Fokus und setzte sich im Konkurrenzkampf gegen Hedvig Lindahl durch. Zur neuen Saison musste sich die Deutsche aber hinter der Polin Katarzyna Kiedrzynek anstellen. Durch die Rückkehr von Schult hat der VfL jetzt drei Torhüterinnen mit Anspruch auf Spielzeiten im Kader. "Wir können ruhig schlafen, egal wer im Tor steht. Wir müssen jetzt gucken, wie es sich bei allen entwickelt", so Kellermann. Der VfL würde den Vertrag gerne aufgrund der anstehenden Belastungen verlängern, "aber die Entscheidung liegt bei ihr. Wir haben da aber gerade keinen Zeitdruck." Mit den anderen Feldspielerinnen "sind wir immer mal wieder im Austausch. Wir werden in den nächsten Wochen für Klarheit sorgen und gucken, wo die Reise hingeht. Wasserstandsmeldungen machen da jetzt wenig Sinn."

Mit Offensivspielerin Rebecka Blomqvist (ablösefrei vom FC Göteburg) und dem dänischen Top-Talent Sofie Svava (kam für eine Ablösesumme von rund 50.000 Euro aus Rosengard) kann der VfL im Endspurt der Liga bereits ab sofort auf zwei hochkarätige Winter-Neuzugänge zurückgreifen. Beide könnten beim Testspiel gegen Eintracht Frankfurt Mittwochabend (18 Uhr) am Elsterweg erstmals in ihren neuen Vereinsfarben auflaufen. Im Sommer stößt dann auch neben Neu-Trainer Tommy Stroot (Twente Enschede) das Offensivtalent Joelle Smits (PSV Eindhoven), das von vielen Experten mit VfL-Torjägerin Ewa Pajor verglichen wird, aus Holland zum VfL.