07. Juni 2016 / 22:40 Uhr

Beste Stimmung bei Lesung: Mit Kult-Kommentator Wolff Fuss durch die "Konsonanten-Wüste"

Beste Stimmung bei Lesung: Mit Kult-Kommentator Wolff Fuss durch die "Konsonanten-Wüste"

Tim Lüddecke
SPORTBUZZER-Nutzer
Marco Fenske (Sportkoordinator der Mediengruppe Madsack) und Sky-Kommentator Wolff Fuss. USER-BEITRAG
Marco Fenske (Sportkoordinator der Mediengruppe Madsack) und Sky-Kommentator Wolff Fuss. © Eberstein
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Wie im Fernsehen, nur zum Anfassen: Der beliebteste Fußball-Kommentator Deutschlands unterhält 200 Gäste beim Sportbuzzer-Talk.

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. Es ist seine Stimme, wegen der der Saal im Pressehaus der Verlagsgruppe Madsack in Hannover mit 200 Gästen prall gefüllt war. Jeder im Raum kennt sie, normalerweise von vor dem Fernseher, auf der Couch. Gestern war auch die Person dazu zu sehen, 90 Minuten lang. Bei einem von der HAZ organisierten Abend präsentierte sich Sky-Kommentator Wolff-Christoph Fuss in Höchstform: Er talkte, er spaßte und er las aus seinem Buch „Diese verrückten 90 Minuten: Das Fuss-Ball-Buch“.

Eine Erzählstunde mit dem beliebtesten Fußball-Kommentator Deutschlands. Von Eigenheiten vom Kommentatorenplatz, intimen Gesprächen mit einer internationalen Trainer-Ikone oder Ausspracheproblemen bei osteuropäischen Spielernamen („Eine einzige Konsonanten-Wüste“). Der 39-Jährige plauderte alles aus: ungefiltert, unterhaltsam, echt. Es sind Formulierungen wie „Bei Ribery hat der Figaro nach Gehör geschnitten“, die Gelächter durch den Saal hallen lassen. Und Fuss nimmt sich auch selbst auf den Arm: „Mit schönen Haaren hat der liebe Gott mich auch nicht unbedingt gesegnet.“ Wie er auf diese Sachen kommt, dass ein Holger Badstuber „berufsbedingt verhindert“ sei, wegen der „Berufsschule“? „Das ist dieser eine Moment – und dann passiert es einfach.“

Zweimal 45 Minuten führt Marco Fenske, Sportkoordinator der Mediengruppe Madsack, mit dem Kolumnisten dieser Zeitung durch den Abend. Inklusive 15-minütiger Pause und Zeit, das zu machen, was Fußballfans in der Halbzeit eben machen: fachsimpeln über die erste Hälfte, bei Bier und Bratwurst. Fazit: „Er trifft genau meinen Humor“, sagt Frank Dietrich aus Hannover. „Er ist mein Lieblingskommentator.“

Aber wie stellt Fuss es an, dass die Leute ihn mögen, in diesem so polarisierenden Job? „Erstmal machen, einfach alles sagen“, erklärt er, erzählt anschließend aber auch von gewagteren Formulierungen wie „die Synagoge im Dorf lassen“, wegen der er auf der Reportertribüne auch schon mal ziemlich schief angeguckt wurde: „Wie der strenge Vater auf den ungezogenen Sohn“. Sein Kommentator-Credo deswegen: „Es allen recht zu machen, ist der größte Fehler, den man machen kann. Dann verstellt man sich.“

Früher habe der Studienabbrecher (BWL) gedacht, es gäbe ein Lexikon für den Fußball-Jargon. Mit Floskeln wie „langen Kerls“, „Schalter umlegen“ oder „Bock umstoßen“. Doch von Phrasen hält er nichts. „Wie soll ich dem Stürmer, der fünf Tore geschossen hat, abkaufen, dass er sich nur für die Mannschaft freut?“

Angetan war Fuss allerdings von einem Treffen („Es hat geknistert.“) mit Ex-Bayern-Trainer Louis van Gaal, der ihn „in die Weihen dieses Sports“ mitgenommen hat. Vor eine Magnettafel – und sehr vielen Drei- und Vierecken. „Völlig fremde Sachen für einen Stehgeiger aus der Bezirksliga“, sagte Fuss erstaunt. Das Date mit van Gaal verließ er mit der Schlussfolgerung: „Ich hatte keine Ahnung“. Der Niederländer sagte nur: „Sehen Sie.“ Dabei ist der Anspruch von Fuss, „alles zu wissen“. Das sei die eigentliche Arbeit. „Die 90 Minuten sind dann nur noch Vergnügen.“

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