26. September 2019 / 20:23 Uhr

Betrug, Skandale, Uhren: Diese DFB-Präsidenten sind gescheitert

Betrug, Skandale, Uhren: Diese DFB-Präsidenten sind gescheitert

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Gerhard Mayer-Vorfelder, Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Reinhard Grindel: Diese DFB-Chefs mussten ihr Amt vorzeitig abgeben.
Gerhard Mayer-Vorfelder, Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Reinhard Grindel: Diese DFB-Chefs mussten ihr Amt vorzeitig abgeben. © Getty Images / Montage
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Von der Sommermärchen-Affäre, über teure Luxus-Uhren und Bestechung - es wurden viele Vorwürfe gegen die ehemaligen DFB-Präsidenten erhoben. Diese Vorfälle haben Mayer-Vorfelder, Zwanziger, Niersbach und Grindel letztlich das Amt gekostet: 

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Von 2001 bis 2019 hatten diese vier DFB-Chefs das Amt inne. Keiner von ihnen hatte es so lange geschafft, wie eigentlich vorgesehen. Alle hatten ihre Position vorzeitig abgeben müssen. Der SPORTBUZZER erklärt, was den einzelnen Präsidenten letztlich das Amt gekostet hat.

Gerhard Mayer-Vorfelder war von 2001 bis 2006 DFB-Präsident.
Gerhard Mayer-Vorfelder war von 2001 bis 2006 DFB-Präsident. © Getty Images
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Gerhard Mayer-Vorfelder

Der frühere Kultus- und Finanzminister von Baden-Württemberg wurde am 28. April 2001 Nachfolger von Egidius Braun, nach dessen Bypassoperation Gerhard Mayer-Vorfelder den Verband bereits als geschäftsführender Präsident seit Sommer 2000 geleitet hatte. Seine Amtszeit endete zwar turnusgemäß auf dem außerordentlichen Bundestag am 8. September 2006, doch eigentlich wurde er schon zwei Jahre zuvor entmachtet, als ihm DFB-Schatzmeister Theo Zwanziger als Doppelspitze an die Seite gestellt wurde.

Am 17. August 2015 verstarb Mayer-Vorfelder im Alter von 82 Jahren in einem Stuttgarter Krankenhaus.

Das sind die Vorgänger von DFB-Präsident Fritz Keller

Fritz Keller (links) ist der designierte DFB-Präsident: Theo Zwanziger (zweiter von links), Wolfgang Niersbach
 (dritter von links) und Egidius Braun (rechts) gehören zu seinen Vorgängern. Zur Galerie
Fritz Keller (links) ist der designierte DFB-Präsident: Theo Zwanziger (zweiter von links), Wolfgang Niersbach (dritter von links) und Egidius Braun (rechts) gehören zu seinen Vorgängern. ©

Mayer-Vorfelder führte den VfB Stuttgart 25 Jahre lang als Präsident, als DFB-Chef setzte er sich für eine Singpflicht der Hymne für Nationalspieler ein. Der Aktion „Tatort Stadion: Rassismus und Diskriminierung im Fußball“ entzog er die Unterstützung durch den DFB, weil in der Wanderausstellung auch alte Zitate von ihm auftauchten, in denen er sich abfällig über den hohen Ausländeranteil in der Bundesliga geäußert haben soll.

Vor allem zum Ende seiner Amtszeit gehörte es in Fußballerkreisen zum guten Ton, sich über den Präsidenten lustig zu machen, der viele Spitznamen verpasst bekam – unter anderem „Mayer-Vorgestern“. Aber „MV“ legte beispielsweise mit der konsequenten Nachwuchsförderung den Grundstein für die späteren Erfolge der Nationalmannschaft.

Theo Zwanziger war von 2006 bis 2012 als DFB-Präsident tätig. 
Theo Zwanziger war von 2006 bis 2012 als DFB-Präsident tätig.  © Getty Images

Theo Zwanziger

Der Jurist wurde 2001 zum Schatzmeister des DFB gewählt und 2003 zum Vizepräsidenten des Organisationskomitees für die WM 2006 berufen. In dieser Funktion war Theo Zwanziger für die Organisation, Recht, Finanzen und Personal zuständig. 2010 gründete Zwanziger die Theo-Zwanziger-Stiftung, die der Förderung des Sports, insbesondere des Mädchen- und Frauenfußballs gewidmet ist. Ein Jahr später wurde er ins Exekutivkomitee der Fifa gewählt.

Einen großen Beitrag leistete Zwanziger zu der im September 2000 beschlossenen Strukturreform des deutschen Fußballs: Er war Vorsitzender der Kommission, die die entsprechenden Satzungsänderungen im Zusammenhang mit der Verselbstständigung der Deutschen Fußball Liga DFL unter dem Dach des DFB vorbereitete.

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Am 3. November 2015 gab die Staatsanwaltschaft Frankfurt bekannt, dass sie gegen Zwanziger wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung ermittele. Zwanziger hatte 2007 als DFB-Präsident die Steuererklärung für die WM 2006 unterschrieben, in der die Beteiligung am Kulturprogramm als Betriebsausgaben aufgeführt wurden.

Im Mai 2018 erhob die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Betrugs. Zwanziger bestreitet seine Schuld und hat in dieser Woche eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) gegen die Anklageerhebungen im Zuge der Sommermärchen-Affäre angekündigt. Den Frankfurter Behörden wirft Zwanziger vor, bei der Klagezulassung Argumente der Verteidigung nicht berücksichtigt zu haben. Auch gegen ein zweites Verfahren in der Schweiz will er klagen.

Wolfgang Niersbach war von 2012 bis 2015 Chef des DFB. 
Wolfgang Niersbach war von 2012 bis 2015 Chef des DFB.  © Getty Images

Wolfgang Niersbach

Der ehemalige Journalist war lange Jahre DFB-Mediendirektor, ab 2007 Generalsekretär des Verbandes. Außerdem war er ab 2001 im Organisationskomitee der WM 2006. 2011 wurde Niersbach mit dem Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Am 2. März 2012 trat er die Nachfolge von Zwanziger als DFB-Präsident an. Im Zuge des Skandals um die WM-Vergabe 2006 und eine dubiose Zahlung von 6,7 Millionen Euro durch das damalige WM-Organisationskomitee an den Weltverband Fifa trat Niersbach am 9. November 2015 von seinem Amt zurück.

Vor wenigen Wochen entschied das Oberlandesgericht Frankfurt, dass die Anklage gegen Niersbach und Zwanziger sowie den langjährigen Generalsekretär Horst R. Schmidt wegen Steuerhinterziehung im zweiten Anlauf zugelassen wird und nun doch auch in Deutschland der Prozess gemacht wird.

Reinhard Grindel übernahm das Amt des DFB-Präsidenten 2015 und trat 2019 zurück. 
Reinhard Grindel übernahm das Amt des DFB-Präsidenten 2015 und trat 2019 zurück.  © Getty Images

Reinhard Grindel

Von 2011 bis 2014 war Ex-Journalist und CDU-Politiker Grindel Vizepräsident des Niedersächsischen Fußballverbandes. Im Oktober 2013 wurde er zum DFB-Schatzmeister gewählt und übernahm am 17. November 2015 den Präsidentenposten. Am 2. April 2019 trat Grindel nach einer Reihe von Verfehlungen von seinem Amt zurück. Zuletzt stolperte er über die Annahme einer Luxusuhr als Geschenk eines russischen Oligarchen, mit dem er Vorurteile von Korruption und Käuflichkeit gegenüber haupt- und ehrenamtliche Tätigen im Fußball bestätigte.

Grindel wurde nach seinem Rücktritt im April vorgeworfen, zu viele Geschäftsbereiche an sich gezogen zu haben. Der Bundestag zieht heute Konsequenzen und streicht mit seiner Strukturreform unter anderem die Richtlinienkompetenz für den Verbandschef aus seinen Statuten.

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