13. Dezember 2021 / 14:38 Uhr

Sechs auf einen Streich: Koldinger SV landet Transfercoup nach Katastrophen-Vorrunde

Sechs auf einen Streich: Koldinger SV landet Transfercoup nach Katastrophen-Vorrunde

Tobias Kurz
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Sechs Neue aus Springe: KSV-Trainer Nikola Butigan freut sich auf Dennis Okine, Jan-Hendrik Garbe (oben, v.li.n.re.), Mirko, Blech, Mehmet Yurtseven (Mitte, v.li.n.re.), Jan Raudonat und Tobias Wißert (unten, v.li.n.re.).
Sechs Neue aus Springe: KSV-Trainer Nikola Butigan freut sich auf Dennis Okine, Jan-Hendrik Garbe (oben, v.li.n.re.), Mirko, Blech, Mehmet Yurtseven (Mitte, v.li.n.re.), Jan Raudonat und Tobias Wißert (unten, v.li.n.re.). © Dennis Michelmann / Stefan Zwing / Alexander Flohr
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Das ist eine Ansage: Der Koldinger SV vermeldet einen Sechsfach-Transfer. Mirko Blech, Dennis Okine, Jan Raudonat, Jan-Hendrik Garbe, Tobias Wißert und Mehmet Yurtseven kommen vom FC Springe. Zwei weitere Neuzugänge sollen folgen - nach desolater Vorrunde hat der KSV die Frischzellenkur dringend nötig.

Es gab Momente, da habe er sich gefragt, wie er das schaffen solle, gibt Nikola Butigan zu. Im Sommer vom SV Croatia Hannover gekommen, sollte er beim Koldinger SV nach dem Abgang von Spielertrainer Michael Jarzombek und einigen Leistungsträgern den Umbruch einleiten. Das Problem: Aus einem anfangs verfügbaren Stamm von zwölf Spielern blieben am Ende nur zwei (!) übrig: Imad Saadun und Marvin Ische.

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Butigan musste also quasi aus dem Nichts ein neues Bezirksligateam aufbauen. „Sicher habe ich mich manchmal gefragt, wie machst du das? Wie kommst du aus dieser Situation raus, wie schaffst du es, dass die Jungs dabeibleiben?“, erzählt der erfahrene Übungsleiter. Von Sonntag zu Sonntag experimentierte er sich mit Not-Aufgeboten in die Winterpause. Mal mussten angeschlagene Spieler auf die Zähne beißen, mal gab es Unterstützung aus der zweiten Mannschaft.

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Leichter Aufwärtstrend nach desolatem Start

Schnell war klar, welche Rolle der in der jüngeren Vergangenheit stets ambitionierte KSV in dieser Saison spielen würde – die des Punktelieferanten in der Staffel 6. Nach elf Spielen hatte das abgeschlagene Schlusslicht drei mickrige Punkte auf dem Konto. Regelmäßig setzte es kräftige Abreibungen, wie gegen den HSC Hannover II (2:8), die SG Blaues Wunder (0:7) oder die SV Arnum (0:6).


"Die Stimmung war für die Ergebnisse gut"

Erst nach der deutlichen Derby-Niederlage gegen Arnum Anfang Oktober war ein zarter Aufwärtstrend zu erkennen. „Wir haben sehr schlecht angefangen, uns zum Schluss hin aber auch sehr gesteigert“, bilanziert Butigan nach der Vorrunde. In den Rückspielen gegen Blaues Wunder (1:4) und den TSV Bemerode (1:3) war der Klassenunterschied spürbar kleiner geworden. Und ihre letzten beiden Partien vor der Winterpause gewannen die Koldinger sogar. „Deshalb gehen wir insgesamt positiv aus der Nummer raus“, ist Butigan um Optimismus bemüht. Seine Mannschaft habe in einer extrem schwierigen Situation Moral und Charakter bewiesen. „Für die Ergebnisse, die wir hatten, war die Stimmung eigentlich relativ gut.“

Koc, Buchmann und Younis verlassen KSV

Das Hauptproblem blieb aber: Der Kader war schlicht zu dünn besetzt. Das letzte Spiel der Vorrunde gegen den HSC II musste der KSV absagen, wegen zu weniger Spieler. Drei Winter-Abgänge kommen hinzu. Sommer-Neuzugang Stefan Younis, der verletzungsbedingt nur ein Spiel machte, kehrt zur TuSpo Schliekum zurück. Gökhan Koc und Kapitän Tim Buchmann zieht es zum Nachbarn nach Arnum.

"Ich glaube, dass uns die Jungs enorm weiterbringen"

Wie ein Geschenk des Himmels muss für Butigan da die Nachricht seines früheren Spielers Jan-Hendrik Garbe gewesen sein, der zusammen mit fünf Teamkollegen vom FC Springe einen neuen Verein suchte. „Er hat mich kontaktiert, dann ging alles recht schnell“, erzählt Butigan, der Garbe noch aus seiner Zeit beim SV Ihme-Roloven kennt. Das Springer Sextett um den 31-jährigen Defensivspezialisten ließ sich rasch von der Mission Klassenerhalt beim KSV überzeugen.

Bilder vom Spiel der Bezirksliga 6 zwischen dem Koldinger SV und SV Croatia Hannover

Koldingens Amadou Sayon (re.) geht nach einem Zweikampf mit Croatias Jerko Konjevod (Mitte) zu Boden. Zur Galerie
Koldingens Amadou Sayon (re.) geht nach einem Zweikampf mit Croatias Jerko Konjevod (Mitte) zu Boden. ©

Neben Garbe kommen Blech, Okine, Raudonat, Yurtseven und Wißert

Für die Koldinger bedeutet der Transfer-Coup einen ungeahnten Qualitätssprung. Naben Garbe kommen Mirko Blech (30), Dennis Okine (30), Jan Raudonat (28), Mehmet Yurtseven (30) und Tobias Wißert (30) – alle sechs bringen geballte Erfahrung auf Bezirks- oder Landesliganiveau mit. Beim FCS schmissen sie nach einem Generationenkonflikt im Team hin. Es gab aber kein böses Blut: Beide Vereine einigten sich schnell, das Sextett ist sofort spielberechtigt. „Uns freut das natürlich ungemein. Wo kriegt man sonst so unkompliziert so viel Personal auf einmal her?“, sagte Butigan. „Ich glaube, dass die Jungs uns enorm weiterbringen können.“

Gerade die große Erfahrung der Neuzugänge dürfte dem jungen Koldinger Team, das oft eine gewisse Cleverness vermissen ließ, im Kampf um den Ligaverbleib helfen. Unter den Tisch fallen lassen will Butigan aber nicht, was sein knapp besetzter Kader im schwierigen ersten Halbjahr geleistet hat. „Die Jungs, die die Hinrunde mitgetragen haben, dürfen wir nicht vergessen. Die haben Beeindruckendes geleistet und mussten einiges mitmachen.“ Zwei weitere Neuzugänge sollen zeitnah noch verkündet werden – dann sieht sich der KSV bestens gerüstet für die Abstiegsrunde.