13. Februar 2021 / 17:41 Uhr

BG Göttingen: Als Marvin Omuvwie ohne Team und Trainer dastand

BG Göttingen: Als Marvin Omuvwie ohne Team und Trainer dastand

Kathrin Lienig
Göttinger Tageblatt
Marvin Omuvwie (hier gegen Bonn) spielt in der zweiten Saison für die BG Göttingen.
Marvin Omuvwie (hier gegen Bonn) spielt in der zweiten Saison für die BG Göttingen. © Jörn Wolter
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Als einziger Spieler mit einem Vertrag für die Saison 2020/21 hat Marvin Omuvwie den Trainerwechsel und die Neuverpflichtungen bei der BG Göttingen zur laufenden Spielzeit hautnah mitbekommen. Der 23-Jährige berichtet von der ungewöhnlichen Sommerpause im vergangenen Jahr.

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Im Sommer 2020 gab es eine kurze Zeit, da war Marvin Omuvwie allein bei der BG Göttingen, weil er noch ein Jahr Vertrag beim Klub hatte. Das Trainerteam der Veilchen war in Richtung Bamberg abgewandert, der Neuaufbau musste erst eingeleitet werden. „Das kam alles ein bisschen plötzlich. Ich war gerade in Berlin bei meiner Familie, als die überraschende Nachricht kam“, erzählt der Basketballer. „Geplant war, dass ich in meinem ersten Jahr bei der BG zunächst hauptsächlich Trainingsspieler sein und in der zweiten Saison mehr in die Mannschaft eingebunden werden sollte. Mit dem Trainerwechsel wurde dann aber doch einiges anders.“

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Nach dem „Auftanken“ in Berlin trainierte Omuvwie viel allein oder mit Mathis Mönninghoff und Dennis Kramer, die erst später Verträge erhielten, aber mit ihren Familien in Göttingen geblieben waren. „Ich kannte ja die Übungen und hatte auch einen Athletikplan. Das lief eigentlich ganz gut.“

In jedem Training Volldampf

Nach und nach wurden im Juli und August Spieler verpflichtet, der Neuaufbau begann. „Ich komme gut mit allen zurecht. Natürlich hat jeder Coach andere Dinge, auf die er mehr Wert legt“, erzählt der 23-Jährige. „Aber eigentlich ist alles ähnlich. Ich gehe zum Training und gebe Gas.“ In einer der ersten Einheiten habe er doch sehr gestaunt, berichtet der mit viel Sprungkraft ausgestattete Basketballer. In Tai Odiase und Aubrey Dawkins hatte er plötzlich Mitspieler, die noch höher sprangen als er selbst. „Da habe ich mich schnell wie mittlerer Durchschnitt gefühlt. Die sind unheimlich athletisch.“

Erst Crailsheim, dann Länderspielpause

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel – das gilt insbesondere für die momentane BBL-Phase der BG Göttingen: Auf die beiden Auswärtsspiele am Mittwoch gegen medi Bayreuth und am Freitag gegen ratiopharm Ulm folgt am Sonntag um 15 Uhr ein Heimspiel gegen die Hakro Merlins Crailsheim. 

Die Veilchen treffen auf ein Team, das sich in den Top fünf der Basketball-Bundesliga etabliert hat. Ende Januar gelang der Mannschaft von Headcoach Tuomas Iisalo ein Ausrufezeichen, als sie die Münchener nach Verlängerung in die Knie zwang (105:103). Überragender Merlins-Akteur war einmal mehr Trae Bell-Haynes mit 31 Punkten. Der kanadische Aufbauspieler erzielt im Schnitt 19,9 Punkte pro Partie und war auch im Hinspiel der Göttinger in Crailsheim (77:89) nicht zu stoppen (29 Punkte). Am Freitagabend stand für Crailsheim noch das Heimspiel gegen Braunschweig auf dem Programm. 

Nach dem Spiel gegen Crailsheim geht es für die Veilchen in die Länderspielpause – allerdings nur für einige von ihnen: Während Luke Nelson (Großbritannien) und Rihards Lomazs (Lettland) für die EM-Qualifikationsspiele zu ihren Nationalteams reisen, wollen die anderen Spieler die Zeit zur Regeneration nutzen.

Dass es zwischendrin einige Spiele gab, in denen Omuvwie keine Einsatzzeit bekommen hat, bezeichnet er als eine für ihn persönlich „schwierige Situation“. „Ich stehe natürlich gern auf dem Feld, helfe aber auch von der Bank aus“, sagt der Basketballer. Gegen Alba Berlin hat ihn Headcoach Roel Moors auf der Centerposition eingesetzt, um Tai Odiase Zeit zum Verschnaufen zu gönnen. In gut 17 Minuten kam er auf elf Punkte, drei Rebounds und zwei Assists – hat diese Zeit also gut genutzt. „Ich spiele auf der Position, auf der ich gerade gebraucht werde. Vielleicht ist die Fünf nicht optimal für mich, aber wenn es funktioniert, dann mache ich das gern. Schade, dass für uns am Ende gegen Berlin nicht mehr rausgesprungen ist.“

Bilder vom Spiel in Ulm:

ratiopharm Ulm - BG Göttingen, BBL 2020/21

ratiopharm Ulm - BG Göttingen, BBL 2020/21 Zur Galerie
ratiopharm Ulm - BG Göttingen, BBL 2020/21 ©

Das Teambuilding in Corona-Zeiten sei bei den Veilchen trotz vieler Einschränkungen okay. „Wir können nicht so viel Essen gehen oder zwischen den Trainingseinheiten mal einen Kaffee in der Stadt trinken, aber wir sehen uns ja trotzdem viel. Wir versuchen eben mehr in der Halle hinzubekommen – auch wenn das nicht das Gleiche ist“, sagt Omuvwie. Gemeinsam werde oft Mittag gegessen, die Gastronomie der Universitätsmedizin liefert das Essen ins Basketballzentrum, sonst sind die Spieler immer mittags ins Klinikum gefahren. Den Personalwechsel der vergangenen Wochen im Kader sieht er pragmatisch: „Das ist ein Teil des Profisports. Man muss damit umgehen können und die Veränderungen akzeptieren.“

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Gegen die Hakro Merlins Crailsheim am Sonntag (15 Uhr) freut er sich auf ein Wiedersehen mit dem Belgier Elias Lasisi, der in der vergangenen Saison sein BG-Teamkamerad gewesen ist und nach einem kurzen Zwischenstopp in Bamberg zu den „Zauberern“ wechselte. „Crailsheim hat gute individuelle Spieler, aber wir haben auch genügend Selbstvertrauen.“ Ohne Fans zu spielen, sei ein komisches Gefühl. „Nichts füllt sich, diese Spiele haben so einen Pre-Season-Geschmack. Ich denke, mit den Fans hätten wir das eine oder andere Heimspiel noch gewonnen – beispielsweise gegen Vechta.“ Von der Bank komme natürlich viel Energie, aber das sei nicht so, als wenn die Fans in der Halle Stimmung machen.

Das aktuelle Spieltagsheft für die Partie gegen Crailsheim gibt es hier

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