27. Januar 2021 / 12:09 Uhr

BG Göttingen: Aubrey Dawkins trägt die Nummer 24 – wie sein Vater und Kobe Bryant

BG Göttingen: Aubrey Dawkins trägt die Nummer 24 – wie sein Vater und Kobe Bryant

Kathrin Lienig
Göttinger Tageblatt
Aubrey – noch ohne die Trikotnummer 24 – und Johnny Dawkins beim College-Basketball in den USA.
Aubrey – noch nicht mit der Trikotnummer 24 – und Johnny Dawkins beim College-Basketball in den USA. © R
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Er ist der zweite Spieler der BG Göttingen, dessen Vater eine NBA-Vergangenheit hat: Aubrey Dawkins eifert seinem Vater Johnny nach. Michael Stocktons Vater John war sogar Olympiasieger mit dem „Dream Team“ in Barcelona 1992.

Aubrey Dawkins ist sportlich in die Fußstapfen seines Vaters getreten. Seine älteren Geschwister seien zwar alle sehr sportlich und athletisch, für eine Basketballkarriere haben sie sich aber nicht entschieden. Die BG Göttingen ist für den 25-Jährigen die erste Profistation in Europa. „Und nun bin ich in einem ganz anderen Teil der Welt“, sagt er. Am Freitag um 20.30 Uhr spielt er mit den Veilchen in der Sparkassen-Arena gegen Brose Bamberg.

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Seit August ist der mit drei Geschwistern aufgewachsene Amerikaner, von denen die älteste Schwester gerade einmal vier Jahre älter ist als er, in Südniedersachsen – und fühlt sich sehr wohl. Dennoch gehören tägliche Telefonate dazu, um den Kontakt zur Familie zu halten. Würde Corona das Reisen nicht so beschwerlich machen, hätten ihn seine Mutter und seine Schwestern wahrscheinlich schon besucht oder einen Besuch geplant. „Mein Vater hat keine Zeit, er ist als Trainer zu beschäftigt.“

Als Kind manchmal genervt

Johnny Dawkins war Basketballprofi bei San Antonio Spurs, Philadelphia 76ers und Detroit Pistons. Sein Sohn Aubrey wurde geboren, nachdem der Vater seine Karriere beendet hatte und Trainer geworden war. Vergleiche mit dem berühmten Vater haben ihn als Kind schon manchmal genervt, als Erwachsener steht er darüber. „Ich habe mir in der Zeit, in der ich nicht unter meinem Vater als Trainer gespielt haben, einen eigenen Namen gemacht.“ Gezwungen wurde er zum Basketball nicht. Football, Baseball, Tennis, Golf und auch Fußball habe er ausprobiert, sei dann aber schließlich bei dem das Familienleben prägenden Sport gelandet. Und ist irgendwie doch in die großen Fußstapfen seines Vaters getreten, weil er sich für dessen Trikotnummer 24 entschieden hat. Die hat aber auch sein Lieblingsspieler Kobe Bryant getragen.

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Die ersten 13 Jahre lebte Aubrey Dawkins in North Carolina, danach zog die Familie um nach Kalifornien. Im Sommer 2014 entschied er sich, die University of Michigan zu besuchen und dort für die Michigan Wolverines auf Korbjagd zu gehen. Nachdem Dawkins‘ Vater im Sommer 2016 zum Headcoach des Basketball-Teams der University of Central Florida ernannt wurde, folgte ihm sein Sohn zur UCF, musste allerdings aufgrund der NCAA-Regeln ein Jahr aussetzen. Vor der Saison 2017/18 zog Dawkins sich eine schwere Verletzung zu und absolvierte auch in dieser Spielzeit keine College-Basketball-Partie. In seinem letzten Studienjahr 2018/19 stand der 1,98 Meter große Flügelspieler dann in 33 Partien für die UCF Knights auf dem Parkett. Erste Profistation waren die Erie BayHawks in der G-League.

Dawkins schwärmt für „Apfeltaschen“

Göttingen habe er schon erkundet, das GPS brauche er nicht mehr, sagt Aubrey Dawkins, der in Grone eine Wohnung hat und die Stadt als „friedlich“ bezeichnet. Ins Schwärmen gerät er, wenn er über die vielen Bäckereien spricht. „Die sind sehr verlockend“, sagt er und versucht zu beschreiben, was er liebsten mag. Es sind „Apfeltaschen“, deren Namen er deutsch ausspricht. Beim Einkauf zeige er dann aber doch eher darauf als das Wort auszusprechen. Er versuche, Deutsch zu lernen, aber das sei schwierig, weil alle um ihn herum in der Mannschaft nur Englisch sprechen würden.

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Vor dem Lockdown ist der Basketballer regelmäßig essen gegangen: Italienisch, Burger, Sushi – Präferenzen hat er nicht. Schnitzel als typisch deutschen Essen hat er schon gegessen, von der großen Wurst, die es hier gibt, habe er dagegen noch nicht so viel probiert. Aubrey Dawkins gibt zu, kein guter Koch zu sein. „Heute wünsche ich mir, ich hätte mich mehr dafür interessiert. Aber es gab immer nur Basketball.“ Er sieht in seinem Desinteresse aber auch Vorteile: „Dadurch lerne ich die Städte und auch die Kultur besser kennen.“ Die Kochkünste seiner Mutter vermisst er. „Das wird das erste sein, wenn ich nach Hause kommen. Alles, was sie kocht, ist gut genug für mich.“


Geisterspiele: „Spezielle Erfahrung“

Auf seine Mannschaftskameraden und seinen Trainer lässt er nichts kommen. Auch wenn Corona es gerade verhindert, dass Team-Treffen außerhalb des Trainings kaum möglich sind. Die Situation im Moment bezeichnet er als „hart“. Ohne Fans zu spielen, findet er besonders schade. „Die Menge um sich herum zu haben, ist positiv. Sie bringt viel Energie. Jetzt hast du sechs, sieben Teamkameraden um dich herum in der Halle, die klatschen. Das ist eine ganz spezielle Erfahrung. Ich habe schon in ruhigen Hallen gespielt, aber nie komplett ohne Zuschauer. Ein paar Freunde waren immer da.“

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Kontakt zu Familie und Freunden hält ein noch klassisch über Telefonate oder WhatsApp. Generell ist der 25-Jährige kein Fan von sozialen Medien. „Die brauche ich nicht. Ich muss nicht immer verbunden sein. Ich brauche meine Privatsphäre. Leute, die mich mögen, kümmern sich um mich und finden einen Weg, mit mir in Kontakt zu bleiben.“ Deshalb hat er auch nicht mitbekommen, dass er Zweiter in den Jahres-Top-Ten bei MagentaSport geworden ist: „Ach wirklich?“ So herrlich uneitel sind wahrscheinlich nur wenige Spieler.