08. Januar 2021 / 14:57 Uhr

BG Göttingen: Center Tai Odiase ist für die Veilchen ein Volltreffer

BG Göttingen: Center Tai Odiase ist für die Veilchen ein Volltreffer

Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
Tai Odiase kommt in der laufenden BBL-Saison auf durchschnittlich 15,7 Punkte pro Partie.
Tai Odiase kommt in der laufenden BBL-Saison auf durchschnittlich 15,7 Punkte pro Partie. © Pförtner
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Kaum einer beherrscht den spektakulären Dunk in der Basketball-Bundesliga aktuell so gut wie Tai Odiase, 25-jährige Neuverpflichtung der BG Göttingen. Dabei ist er privat eher ein ruhiger Typ.

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Er ist eine Verpflichtung, die sich für den Basketball-Bundesligisten BG Göttingen als Volltreffer erwiesen hat: Tai Odiase, 25-jähriger Center, dessen Lieblingsbeschäftigung auf dem Parkett der spektakuläre Dunk ist. Mit durchschnittlich 15,7 Punkten pro Partie ist er nach Luke Nelson (15,9) bester Veilchen-Scorer, dazu kommen im Durchschnitt 6,6 Rebounds. Der US-Amerikaner mit nigerianischen Wurzeln fühlt sich in Göttingen pudelwohl und ist rundum glücklich – das machte er neulich im Instagram-Post publik, und das hängt auch mit einer schweren Verletzung zusammen.

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Tai Odiase in Aktion für die BG Göttingen

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Tai Odiase in Aktion für die BG Göttingen ©

Im August 2018 merkte der 2,06 Meter-Hüne, der damals in Griechenland spielte, dass mit seinem Bein etwas nicht stimmt. Ein Arzt riet jedoch von einer Operation ab und setzte auf einen natürlichen Heilungsprozess – ein fataler Irrtum: „Das hat mich sechs Monate gekostet“, berichtet Odiase. Denn erst bei seinem neuen Klub in der US-amerikanischen G-League wurde Anfang 2019 diagnostiziert, dass sein Unterschenkel angebrochen war und drohte, bei einer unglücklichen Landung durchzubrechen.

Enorme Sprungkraft durch eine Stange im Bein?

Der Schock war groß, es folgte eine Operation, und seitdem hat der Center eine Metallstange in seinem Bein. „Einige witzeln immer, dass ich wegen der Stange so hoch springen kann“, berichtet Odiase. Erst am 6. Dezember 2019 ging es für ihn wieder los, zuvor hatte er sich per Einzeltraining wieder herangekämpft. Schmerzen hat er mittlerweile keine mehr, spürt nur hin und wieder die vier Schrauben unterhalb des Knies und im Knöchel. „Das harte Training hat sich ausgezahlt“, sagt Odiase.

Bilder vom Spiel in Gießen:

Jobstairs Giessen 46ers - BG Göttingen

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Jobstairs Giessen 46ers - BG Göttingen © Pförtner

Der US-Amerikaner gilt in Göttingen als Sprungwunder, allerdings wurde er in einer Situation des Spiels gegen Gießen vom Teamkollegen Aubrey Dawkins übersprungen, der sich beim Dunk-Versuch jedoch prompt verstopfte. Wer kann höher springen? „Wir haben das mal getestet, Aubrey ist besser“, sagt Odiase. Dass Dawkins in der konkreten Situation nicht gepunktet habe, habe jedoch daran gelegen, dass sich beide eng beieinander wähnten und beim Aufkommen nicht verletzen wollten, unterstreicht der 109-Kilo-Koloss.


Odiase, der in Illinois in einem Vorort von Chicago aufwuchs und dessen Eltern, die seinerzeit per Greencard aus Nigeria in die USA imigierten, beruflich mit geistig behinderten Menschen arbeiten, hat zwei Brüder: Lucky ist 23 Jahre alt, Ken ist Tais Zwilling. „Er sieht mir gar nicht ähnlich“, sagt Odiase, ein Vergleich mit Schwarzenegger und DeVito im Film „Twins“ sei jedoch übertrieben. Jedoch sei Ken drei Zentimeter kleiner.

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Als Kinder auf dem Spielplatz und als Schüler bis zur Highschool hätten die drei Brüder stets zusammen Basketball gespielt. Für Tai ging es zum College, dann in die spanische Liga nach Teneriffa und schließlich über Griechenland und die G-League nach Göttingen. Sein großer Traum ist nach wie vor die NBA, auch wenn er in der BBL als „einer der Top-Ligen Europas“ bereits viel gelernt habe, vor allem in taktischer Hinsicht. Sein großes Vorbild ist Dirk Nowitzki: „Der hat geworfen wie ein Gott“, sagt er, „ich wollte immer so sein wie er“. Nowitzkis Spezialwurf, den „One-Legged Fadeaway“, habe er zwar versucht zu imitieren, jedoch nicht mit durchschlagendem Erfolg.

Heimspielatmosphäre kennt er nur vom Video

In Göttingen würde Odiase gern mal die berühmte Heimspielatmosphäre in einer vollbesetzten S-Arena erleben, die er bis jetzt nur vom Video kennt. Mit seinem Team („Wie eine Familie“) und Trainer Roel Moors („Ich habe noch nie einen Coach gehabt, der so individuell auf die Spieler eingeht“) ist er aber bereits sehr glücklich. Moors hält große Stücke auf Odiase, insbesondere auch wegen dessen Athletik, mahnt aber, er müsse beim Rebound konstanter werden: „Der Ball fliegt dir nicht automatisch in die Hände.“

In seiner Freizeit liest Odiase gern, momentan liegt „The Four Agreements“ von Don Miguel Ruiz auf dem Nachttisch. Tägliche Meditation, deren Technik er sich über YouTube angeeignet hat, hilft ihm, ruhig zu werden, besonders wenn er vor Spielen wieder mal Nervenflattern hat.

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Zweimal war er bereits in der elterlichen Heimat in Nigeria, wo seine Verwandten ziemlich stolz auf ihn sind. Stolz auf ihn ist auch seine Freundin Corin, die nach wie vor in Chicago lebt, ihn aber im Oktober in Göttingen besucht hat. Und dann ist da noch sein zweieinhalbjähriger Sohn Khaleigh aus einer früheren Beziehung, mit dem er täglich telefoniert – so gut es geht: „Er weiß, was ich sage, aber ich weiß nie, was er sagt“, berichtet Odiase.

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