13. Januar 2022 / 18:00 Uhr

BG Göttingen gerät in der Schlussphase aus dem Tritt

BG Göttingen gerät in der Schlussphase aus dem Tritt

Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
Philipp Hartwich gibt in Chemnitz alles und sucht Halt bei Karl Marx, doch die BG geht am Ende leer aus.
Philipp Hartwich gibt in Chemnitz alles und sucht Halt bei Karl Marx, doch die BG geht am Ende leer aus. © Bert Harzer/ Eibner- Pressefoto
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Hätte die BG Göttingen mit einem größeren Kader in der Endphase der Partie bei den Niners Chemnitz besser ausgesehen? Diese Frage beschäftigt Fans des Basketball-Bundesligisten. Trainer Roel Moors findet, dass seine Mannschaft die Partie letztlich in der Verteidigung verloren hat.

Viele BG-Fans hatten die Partie angesichts der Dominanz und Kaltschnäuzigkeit, die der Göttinger Basketball-Bundesligist im letzten Viertel an den Tag legte, schon als gewonnen abgehakt, und in der Tat standen die Vorzeichen am Mittwochabend mehr als günstig: Top-Shooter Kamar Baldwin hatte ein Riesenspiel gezeigt und mit 35 Punkten einen neuen BBL-Saisonbestwert aufgestellt, die Veilchen lagen im Verfolgerduell beim Bayern-Bezwinger Niners Chemnitz mit 83:67 vorn. Zu spielen waren zu diesem Zeitpunkt noch 6:34 Minuten. Dann jedoch war bei den Vielspielern aus Göttingen der Tank leer, und die Partie ging noch mit 86:87 in die Binsen – weshalb nach der letzten Sirene der Jammer groß war.

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Niners Chemnitz - BG Göttingen, BBL 2021/22

Niners Chemnitz - BG Göttingen, BBL 2021/22 Zur Galerie
Niners Chemnitz - BG Göttingen, BBL 2021/22 © Eibner-Pressefoto

Läuft es gut, macht der Trainer alles richtig, geht mal was daneben, wird mit Kritik nicht gespart – diese Erfahrung machte BG-Trainer Roel Moors auch nach der Chemnitz-Pleite. Was ihm angesichts eines Teams, das in den letzten 6:34 Minuten nur noch einmal per Dreier von Jake Toolson traf und offenbar stehend K.o. war, aufs Brot geschmiert wurde, war zu erwarten gewesen: Schuld gewesen sei der kleine Kader, der nach den Abgängen von James Dickey III und Zack Bryant schon längst hätte aufgefüllt werden müssen, wolle man nicht die Playoff-Teilnahme gefährden, hieß es seitens einiger Anhänger auf der Facebookseite der BG. Und den Ball immer nur einem völlig ausgepowerten Baldwin zu geben, sei auch nicht der Stein der Weisen gewesen – die BG hätte bei ihrem erfolgreichen Teambasketball bleiben müssen.

Kamar Baldwin war am Ende total ausgelaugt

Dass Baldwin total ausgelaugt war, war nicht zu übersehen. Bestes Beispiel war in der Schlussphase ein Airball des Scharfschützen. Erschwerend hinzu kam, dass Spielmacher Stephen Brown angeschlagen ins Spiel gegangen war und seiner Mannschaft in den entscheidenden Minuten nicht mehr helfen konnte.


Was Moors, der am Tag danach nicht zu erreichen war, nach dem Spiel umtrieb, war eher die plötzliche Fahrlässigkeit in der Defensive: „Wir haben heute lange Zeit das Spiel kontrolliert. Aber zugleich möchte ich sagen, dass die Niners den Sieg dennoch verdient haben, weil sie heute 40 Minuten gespielt haben und wir nur 35. Am Ende haben wir das Spiel in der Verteidigung mit drei schlechten Defensivsequenzen verloren, wovon Chemnitz profitiert und offene Dreier versenkt hat“, sagte der Belgier in der Pressekonferenz nach dem Spiel.

Auch offensiv habe sich sein Team in der Schlussphase schwer getan, räumte Moors ein, und fügte hinzu: „Wir haben momentan einige personelle Probleme, unter anderem ist Stephen Brown eigentlich verletzt. Aber das soll keine Ausrede sein. Wir hätten diese Partie gewinnen können, wenn wir 40 Minuten Defensive gespielt hätten.“

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Auf der anderen Seite hatte die BG selbst noch nach den Punkten von Niklas Wimberg zur 87:86-Führung des Gastgebers 21 Sekunden vor Schluss mit dem letzten Angriff die Möglichkeit, den Auswärtssieg unter Dach und Fach zu bringen. Nur weil Wimberg mit einem Riesenblock beim Versuch von Baldwin 2,2 Sekunden vor Schluss über sich hinauswuchs, und auch der Baldwin-Halbdistanzwurf mit der Schlusssirene nicht fiel, gingen die Veilchen als Verlierer und nicht als Sieger vom Parkett. Hätte Baldwin wie neulich schon einmal mit der letzten Aktion getroffen, wäre die Taktik der Schlussphase wieder einmal aufgegangen.

BG ärgert sich über überraschende Spielverlegung

Wer Moors kennt, weiß, dass er nicht zur Tagesordnung übergeht. Der Druck nachzuverpflichten ist größer geworden, aber nach wie vor gilt, dass möglichst nur Akteure geholt werden sollen, die der Mannschaft tatsächlich weiterhelfen, und das vor allem auch im Hinblick auf die mögliche Playoff-Qualifikation. Der BG-Headcoach wird sich nach der Pleite eher darüber ärgern, dass der eigentliche Spieltermin vor Weihnachten, als die Niners personell geschwächt waren, wegen überraschender Quarantäneanordnungen des Gesundheitsamtes verschoben werden musste.

Das aktuelle Spieltagsmagazin zum Heimspiel gegen Frankfurt findet ihr hier.

Trösten wird sich Moors damit, dass seine Mannschaft über weite Strecken der Partie das bessere Team war. Dass die Veilchen andererseits erneut eine hohe Führung sang- und klanglos abgeschenkt haben, diesmal mit fatalem Ausgang, wird ihn demgegenüber noch eine Weile beschäftigen. Die Chance, es besser zu machen, bietet sich bereits am Sonnabend um 18 Uhr im Heimspiel gegen die Fraport Skyliners.

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