15. Oktober 2021 / 19:38 Uhr

BG Göttingen: Haris Hujic hatte schon einen Basketballkorb im Babybett

BG Göttingen: Haris Hujic hatte schon einen Basketballkorb im Babybett

Kathrin Lienig
Göttinger Tageblatt
Haris Hujic (r.) kommt mit großen Vorschusslorbeeren zur BG: Vor dem ersten Heimspiel erhielt er die MVP-Auszeichnung aus der vergangenen ProA-Saison von seinem Kapitän Akeem Vargas.
Haris Hujic (r.) kommt mit großen Vorschusslorbeeren zur BG: Vor dem ersten Heimspiel erhielt er die MVP-Auszeichnung aus der vergangenen ProA-Saison von seinem Kapitän Akeem Vargas. © Swen Pförtner
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Haris Hujic kommt aus der ProA und hat sich für seine Bundesliga-Saison viel vorgenommen. Bei der BG Göttingen fühlt er sich wohl und geschätzt – und hofft auf möglichst viel Spielzeit, um viele Dreier zu treffen und seine Mitspieler mit guten Pässen zu versorgen.

Haris Hujic isst am liebsten Curry-Gerichte und mag die vielen asiatischen Restaurants in Göttingen, einen Urlaub in Asien hat der Bundesliga-Basketballer der BG Göttingen allerdings noch nicht gemacht. „Bali und vor allem Japan stehen aber ganz oben auf meiner Liste“, sagt der 24-Jährige, der vor der Saison von den Bayer Giants Leverkusen nach Südniedersachsen gewechselt ist.

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Bevorzugtes Urlaubsziel von Hujic und seiner Familie ist Bosnien und die benachbarte kroatische Küste. Seine Eltern stammen beide aus dem ehemaligen Jugoslawien, haben ihre Heimat aber – bedingt durch den Krieg – verlassen. Seine Mutter kam bereits mit 14 Jahren, sein Vater „mit Anfang 20“ nach Deutschland. „Kennengelernt haben sie sich dann erst hier“, berichtet Haris Hujic, dessen Vorname überhaupt nicht ungewöhnlich sei. „Haris gibt es in Bosnien so oft wie in Deutschland Lukas. Und meine Freundin Constanze, die in Lettland studiert, hat mir jetzt gerade erst ein Foto geschickt, auf dem zu sehen ist, dass Harry Potter im litauischen Haris heißt“, erzählt der Basketballer, der zweisprachig aufgewachsen ist und neben deutsch auch fließend serbokroatisch spricht.

"Bevor ich laufen konnte, konnte ich schon werfen"

Sein Vater, ein Basketballer, war an der Neugründung eines Vereins in Lüdenscheid, wo der BG-Neuzugang geboren wurde, beteiligt. „Bevor ich laufen konnte, konnte ich schon werfen, hatte im Babybett einen Korb“, berichtet der Guard von seinen Anfängen. Mit vier Jahren ist er dann erstmals zum Vereinstraining gegangen. „Es war immer klar, dass ich Basketball spielen wollte, weil ich es mochte. Ich hatte die Chance auch andere Sportarten auszuprobieren“, erzählt Hujic. Er habe ein Tenniscamp besucht, mit seinen Freunden gekickt und im Sommer auch mal Volleyball gespielt. „Aber beim Basketball hatte ich meine Freunde. Das ist auch der einzige Vereinssport, den ich betrieben habe.“

Weil Hujic immer mit Älteren gespielt hat, hat er sich schnell entwickelt. „Ich habe nicht ans Profidasein gedacht, habe immer aus Spaß gespielt und die Zeit genossen. So kam eins zum anderen.“ Als Standort für die Bundesligen im Nachwuchsbereich bot sich Hagen als Verein für den Basketballer an. Er konnte wohnortnah Basketball spielen, wurde während seiner NBBL-Zeit dort auch MVP. „Das war für mich perfekt, ich hatte 15 Minuten Fahrzeit.“

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Nach dem Abitur unterschrieb Hujic einen Drei-Jahres-Vertrag in Nürnberg, verließ den Verein, bei dem der Hauptsponsor dann absprang, nach einem Jahr wieder und wechselte nach Oldenburg, wo er drei Jahre blieb und auch die ersten kurzen Einsätze in der Bundesliga hatte. Von dort ging er nach Rostock, allerdings wurde der Spielbetrieb coronabedingt abgebrochen, sodass er nach Leverkusen wechselte, mit den Bayer Giants eine starke Saison spielte und sogar das Finale in der ProA erreichte, was zum Aufstieg gereicht hätte. Diese Chance nahm der Verein nicht wahr, weil die Strukturen fehlen. „Die befinden sich gerade im Umbruch, da fehlen viele Menschen, die im Hintergrund mitarbeiten.“

Die Entscheidung für die BG Göttingen fiel nicht nur, weil das Team in der ersten Liga spielt. Für Hujic war es wichtig, eine Mannschaft zu finden, „in der ich mich wertgeschätzt fühle und in der ich spielen kann und nicht nur auf der Bank sitze. Das habe ich mit den Coaches aber auch mit mir selbst abgemacht, hätte es nicht so gepasst, wäre ich auch nicht nach Göttingen gekommen“, erzählt der Guard, der seine Stärken im Distanzwurf und in der Verteilung der Bälle an seine Mitspieler sieht. Er stehe im ständigen Austausch mit den Coaches und möchte sich Stück entwickeln, „in eine Rolle reinwachsen und vielleicht aus rauszuwachsen, wenn sich alles perfekt ergibt“.


"Fühle mich in der Stadt extrem wohl"

Er fühle sich bei der BG und „auch in der Stadt mit den vielen verwinkelten Gassen extrem wohl“. Außerdem gefällt ihm, dass viele jungen Menschen hier leben.“ Mit „den Jungs“ gehe er gern in der Stadt mal etwas essen, das sei gut für das Teamgefüge. Auf seine Mitspieler lässt er nichts kommen: „Das sind keine Egoisten, da freut sich jeder für den anderen. Hauptsache das Team gewinnt.“

Angesichts des holprigen Starts mit Niederlagen im ersten Ligaspiel und im MagentaSport BBL Pokal, war Hujic, der dann beim Sieg gegen die Telekom Baskets Bonn wegen muskulärer Probleme pausieren musste, keinesfalls beunruhigt. „Vielleicht haben uns gerade diese Niederlagen weiter geholfen, entscheidend wird es sowieso erst im Dezember oder Januar“, sagt der Profi, der inzwischen mit einem Wirtschafts-Informatik-Fernstudium begonnen hat. „Das mache ich Stück für Stück nebenbei, es hilft mir extrem für den Sport und um abzuschalten. Mir ist es auch wichtig, nicht nur Bälle, sondern auch mal Zahlen zu sehen. Da verliert man sich am Ende nicht so in einem Tunnel.“

BG empfängt Ludwigsburg

Die BG Göttingen empfängt am Sonnabend um 18 Uhr Ludwigsburg. Personalisierte Einzeltickets für das Spiel sind in den Tageblatt-Geschäftsstellen in Göttingen (Wiesenstraße 1) und Duderstadt (Marktstraße 9) sowie im Online-Ticketshop der BG Göttingen erhältlich. Zutritt haben nur geimpfte oder genesene Personen. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren sind ohne jegliche Nachweise zugelassen, benötigen aber alle ein Ticket.