19. März 2021 / 11:03 Uhr

BG Göttingen: Harper Kamp ist der Rückkehrer der Saison

BG Göttingen: Harper Kamp ist der Rückkehrer der Saison

Filip Donth
Göttinger Tageblatt
Hat in Göttingen seine Heimat gefunden: Harper Kamp mit seiner Frau Tabea und Tochter Marli.
Hat in Göttingen seine Heimat gefunden: Harper Kamp mit seiner Frau Tabea und Tochter Marli. © R/Kamp
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Er ist beim Basketball-Bundesligisten BG Göttingen jetzt schon der Überraschungsspieler der Saison: Rückkehrer Harper Kamp. Der 32-Jährige sollte eigentlich nur mal im Training aushelfen und steht mittlerweile regelmäßig in der Starting Five.

Auf einmal stand sein Name wieder auf der Anzeigetafel. Am 6. November stand Harper Kamp wieder für den Basketball-Bundesligisten BG Göttingen auf dem Parkett. Im ersten Ligaspiel gegen Ludwigsburg spielte er rund zwölfeinhalb Minuten und erzielte sechs Punkte. Da war er wieder – vollkommen überraschend für Fans, Medien und ihn selbst.

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Denn der 32-Jährige hatte seine Karriere 2018 eigentlich beendet. Sein Rücken machte Probleme. Ein anderer Plan musste her: „Ich hatte akzeptiert, kein Spieler mehr zu sein und wollte mich zum Trainer ausbilden.“ Dieser Schritt fiel dem US-Amerikaner schwer. „Aber ich musste irgendwas machen“, sagt er.

Moors fragte Kamp, ob er einspringen kann

Kamp übernahm die Regionalliga-Herren des ASC 46 als Headcoach und bot Roel Moors an, als Assistenz-Coach bei der BG zu arbeiten. Als bei einer Trainingseinheit nicht genügend Spieler da waren, fragte ihn der Belgier, ob er einspringen könne. Von diesem Zeitpunkt an trainierte Kamp regelmäßig mit der Mannschaft. „Da habe ich noch nicht gedacht, dass ich wieder spielen möchte. Ich wollte nur helfen“, erinnert er sich.

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Doch der BG-Headcoach hatte andere Pläne mit ihm. Sein Rücken bereitete Kamp auch nach einigen Wochen im Mannschaftstraining keine Beschwerden, und Moors stellte vor dem Ludwigsburg-Spiel die entscheidende Frage: „Harper, bist du bereit?“ Seitdem hat Kamp weitere 20 Bundesligapartien für die BG bestritten, 13-mal stand er in der Starting Five, im Durchschnitt spielte er 18 Minuten und steuerte rund sechs Punkte pro Partie bei. Starke Zahlen für jemanden, der keinen Gedanken daran verschwendet hat, noch mal Profibasketball zu spielen.

„Für mich ist es noch nicht real, eher wie ein Traum. Es ist komisch, wie alles gelaufen ist“, betont Kamp, der bereits 2013 und 2017 bei der BG unterschrieben hatte. „Ich bin sehr zufrieden, obwohl ich immer mehr will“, sagt er über seine bisherige Leistung. „Besonders am Anfang habe ich noch aufgepasst, um keine Verletzung zu riskieren.“ Doch auch physisch läuft es wie gewünscht: „Ich fühle mich gut. Hier und da habe ich kleine Beschwerden. Aber der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass ich keine Vorbereitung hatte. Das dauert für den Körper.“

Der Wechsel vom Trainer zum Spieler sei für ihn eine Umstellung gewesen, erklärt Kamp. Zum einen habe er als Trainer eine neue Perspektive gewonnen, die ihm nun auch auf dem Parkett weiterhelfe. Zum anderen habe sich seine Beziehung zu Headcoach Roel Moors verändert: „Wir reden jetzt weniger miteinander über das Training. Ich muss mich stattdessen mehr auf mein Spiel fokussieren. Wir haben jetzt ein bisschen mehr Distanz, aber der Respekt ist immer noch groß.“

Moors weiß jedenfalls, was er an dem Forward hat: „Harper ist ein einfach ein Teamspieler, der immer die kleinen, wichtigen Sachen macht, um dem Team zu helfen“, sagt der Belgier. Unter anderem kann Kamp seine Erfahrung aus 122 BBL-Spielen an die Jüngeren im Team weitergeben. „Für mich als Spieler war es immer wichtig, von einem älteren Spieler Rückmeldung zu bekommen“, sagt er.

BG Göttingen: Harper Kamp im Bild

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BG Göttingen: Harper Kamp im Bild ©

Wer waren seine Vorbilder als junger Spieler? In Sachen Führungsstil habe er sich viel bei Khalid El-Amin abgeschaut, erzählt Kamp: „Er hat im richtigen Moment immer wichtige Dinge gesagt.“ Eines von vielen Big-Man-Vorbildern sei Ryan Anderson gewesen, mit dem er im College gespielt hat. Für Anderson ging es nach dem College in die NBA, für Kamp nach Europa.

Nach ersten Profistationen in Griechenland und Nordmazedonien wechselte er 2013 zur BG Göttingen, die damals noch in der zweiten Liga spielte. 2014 stieg er mit den Veilchen auf. Kamp verfolgte die Entwicklung der BG über Jahre hinweg hautnah. „In den ersten Jahren hat sich noch viel verändert“, sagt Kamp. Doch die BG habe sich schnell „zu einem BBL-Verein entwickelt“. In seinen Augen zeichnet sich der Klub seitdem vor allem durch Stabilität aus: „Die Verantwortlichen haben es geschafft, in der Liga zu bleiben. Es ist beeindruckend, wie sie mit kleinem Budget so stabil bleiben.“

Göttingen ist für Kamp schnell zur Heimat geworden

Die BG Göttingen nimmt in seiner Karriere eine wichtige Rolle ein: „Wenn ich an meine Profikarriere denke, denke ich an Göttingen und die BG.“ Auch privat hat er in Göttingen Wurzeln geschlagen: Mit seiner Frau, die er im ersten Jahr bei den Veilchen kennengelernt hat, und seiner Tochter lebt Kamp glücklich in der Leinestadt. „Göttingen ist für mich schnell zur Heimat geworden. Die gesamte Stadt und der Verein sind Heimat für mich.“

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Nach seiner Rückkehr aufs BBL-Parkett denkt Kamp derzeit nicht daran, die Basketballschuhe nach dieser Saison gleich wieder an den Nagel zu hängen. „Es würde mich freuen. Wenn ich gesund bin und die Mannschaft eine Rolle für mich hat, dann würde ich auf jeden Fall bei der BG bleiben“, sagt der 32-Jährige. „Ich würde gerne noch eine oder auch zwei Saisons spielen.“ Vielleicht steht sein Name also auch in der kommenden Saison auf der Anzeigetafel.

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