17. Oktober 2021 / 13:21 Uhr

BG Göttingen: Headcoach Roel Moors sieht Schlüssel zum Erfolg in der Defensive

BG Göttingen: Headcoach Roel Moors sieht Schlüssel zum Erfolg in der Defensive

Kathrin Lienig
Göttinger Tageblatt
Erst verletzt, dann nicht zu stoppen: Jake Toolson (r.) drehte im zweiten und dritten Viertel so richtig auf.
Erst verletzt, dann nicht zu stoppen: Jake Toolson (r.) drehte im zweiten und dritten Viertel so richtig auf. © Harald Kuhl
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In einem waren sich die Trainer anschließend einig: Die Zuschauer sind das Salz in der Suppe. Nach dem Sieg gegen die MHP Riesen Ludwigsburg lobte Roel Moors, Headcoach des Basketball-Bundesligisten BG Göttingen, die lauten Fans in der Halle ebenso wie sein Trainerkollege John Patrick.

Mit einem positiven 4:2-Punktekonto geht Basketball-Bundesligist BG Göttingen in die nächsten beiden schwierigen Spiele bei Alba Berlin und in der Sparkassen-Arena gegen die EWE Baskets Oldenburg (31. Oktober). 2120 Veilchen-Fans haben beim frenetisch gefeierten 78:69 (41:31)-Sieg gegen die MHP Riesen Ludwigsburg mit ansehen können, dass dieses BG-Team das Potenzial hat, auch die vermeintlich großen Namen in dieser Liga nicht nur in Bedrängnis bringen zu können, sondern auch mit Niederlagen auf die Heimreise zu schicken.

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Die Geschichte des Ludwigsburg-Spiels ist schnell erzählt. Die ersten drei Viertel gingen an die BG Göttingen (17:16, 25:15, 20:12), das letzte an die Gäste (26:16). Aber so nüchtern, wie sich diese Zahlen lesen, verlief dieser Abend nicht. Es waren viele Emotionen im Spiel, viel Kampfgeist und Disziplin. Diese hob BG-Headcoach Roel Moors anschließend in der Pressekonferenz auch hervor: „Wir haben defensiv die richtigen Dinge gemacht. Der Schlüssel war unsere Verteidigung gegen Jordan Hulls und Jonah Radebaugh, die zwei sehr kreative Spieler sind. Und die Unterstützung von den Fans war unglaublich, das gibt den Spielern Energie.“

Basketball-Bundesliga: BG Göttingen - MHP Riesen Ludwigsburg, BBL 2021/22

Die Partie wird ab 20.15 Uhr live bei Magenta Sport übertragen. Kommentiert wird das Spiel von Sebastian Ulrich. Der SPORTBUZZER-Liveticker beginnt ebenfalls um 20.15 Uhr. Zur Galerie
Die Partie wird ab 20.15 Uhr live bei Magenta Sport übertragen. Kommentiert wird das Spiel von Sebastian Ulrich. Der SPORTBUZZER-Liveticker beginnt ebenfalls um 20.15 Uhr. © Harald Kuhl

Akeem Vargas hatte das mit der Energie wohl am meisten verinnerlicht, er ging als Kapitän in der Startphase voran, markierte die ersten acht Punkte zum 8:4 und holte in diesem Viertel drei seiner vier Rebounds.

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In puncto Kampfgeist stand ihm Center Philipp Hartwich nicht nach, ackerte vor allem unter dem eigenen Korb (sechs Rebounds). Er hatte bisweilen Pech im Abschluss, obwohl er einige Male sehr gut von seinen Mitspielern eingesetzt worden war und erzielte seinen einzigen Punkt in der 39. Minute von der Freiwurflinie. Dafür feierte ihn das Publikum. Sein Teamkollege James Dickey auf dieser Position punktete auch nicht übermäßig (5), sicherte seinem Team aber insgesamt zehn Rebounds.

Einen holprigen Start ins Spiel hatte Jake Toolson mit zwei Fehlwürfen und einer Verletzung im ersten Viertel. Gestützt von seinen Teamkameraden musste er vom Platz geführt werden, wurde hinter der Bank behandelt. Eine Behandlung mit außergewöhnlichen Folgen: In den Viertel zwei und drei drehte der Amerikaner vor den Augen seiner Eltern, die zu Besuch in Göttingen sind, auf, kam jeweils auf zehn Punkte pro Abschnitt. Und dabei traf er sowohl vier Dreier als auch alle vier Freiwürfe und schloss – als es in einer Phase aus der Distanz mal nicht so lief – auch aus Korbnähe erfolgreich ab. „Jake hat schlecht angefangen, dann aber viele gute Entscheidungen getroffen“, lobte ihn Moors.

Mathis Mönninghoff war – gewohnt – konstant, stand am Ende gemeinsam mit Kamar Baldwin bei der BG am längsten auf dem Feld und hatte neben seinen sieben Punkten auch sechs Rebounds geholt. Als Mönninghoff seinen einzigen Dreier zum 38:27 (18.) traf, streckte auch Moors die Hand heraus und klatschte mit dem zurücklaufenden Forward ab. Nicht seinen besten Tag im Abschluss hatte Stephen Brown auf der Spielmacher-Position erwischt, kam auf „nur“ vier Punkte. Allerdings hatte er immer ein Auge für seine Mitspieler, die er mit neun Assists versorgte. Mit Zack Bryant saß sein Point-Guard-Kollege zwar auf der Bank, kam aber nicht zum Einsatz. Nach einem gerade überstandenen grippalen Infekt und zwei Trainingstagen hatte ihn ein Magen-Darm-Infekt erneut außer Gefecht gesetzt.

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So wurde Baldwin zum zweiten kreativen Spieler der Veilchen. Er hatte in Radebaugh einen „Schatten“, der ihm wenig Raum ließ und ihn einige Male zu Abschlüssen kurz vor Ablauf der Shotclock zwang. Baldwin nahm viele Würfe und damit auch viel Verantwortung, war wieder einmal der treffsicherste Veilchen-Spieler (21 Punkte) und versenkte erneut im traumwandlerischer Sicherheit alle seine neun Freiwürfe. Überhaupt waren 90 Prozent Trefferquote von der Freiwurflinie einer der Erfolgsgaranten für den BG-Sieg. Das führte auch Gäste-Trainer John Patrick anschließend an: „Wenn man nur zehn von 20 Freiwürfen trifft und so schläft in der Pick-and-Roll-Verteidigung, dann ist es schwer zu gewinnen gegen eine gute Mannschaft. Göttingen war besser organisiert und hat sauberere Offense gespielt.“

Sein Gegenüber hatte den Fokus auf die andere Seite des Spielfeldes gelegt: „Ich bin sehr zufrieden mit unserer Leistung. Ludwigsburg ist ein Team, das sehr physisch und defensiv orientiert ist. Der offensive Rhythmus kommt, wenn man in der Defensive gut agiert“, sagte Moors. Patrick, der bei seinem Team „wenig Center-Input“ ausgemacht hatte und die Champions-League-Reise nach Kiew während der Woche nicht als Ausrede gelten ließ, lobte noch einmal die „super Atmosphäre“ in der Halle: „Die Stimmung war sehr laut und sehr gut. Das freut mich sehr, denn wir haben so lange ohne Zuschauer gespielt – nicht nur zu Hause, sondern auch auswärts.“