24. März 2020 / 11:26 Uhr

BG Göttingen ist Kevin Bryants erste Station in der Bundesliga

BG Göttingen ist Kevin Bryants erste Station in der Bundesliga

Kathrin Lienig
Göttinger Tageblatt
Kevin Bryant und seine Freundin Luisa.
Kevin Bryant und seine Freundin Luisa. © R
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Weil Kevin Bryant immer das machen wollte, was sein zwei Jahre älterer Bruder Steven vorgemacht hat, spielt er heute Basketball. Seit Saisonbeginn ist der 25-Jährige beim Bundesligisten BG Göttingen unter Vertrag. Die Veilchen sind seine erste Erstliga-Station.

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Beim SSV Ulm hat der Sohn einer Deutschen und eines US-Amerikaners im Alter von zehn Jahren mit dem Basketballspielen angefangen. Als er 14 Jahre alt war, wechselte er auf die nahe Ulm gelegene Urspringschule, machte seinen Realschulabschluss und später das Abitur. Weil er danach noch ein Jahr für das Team Urspring in der Nachwuchs Basketball Bundesliga (NBBL/U19) spielen konnte, wurde er Sportsoldat, bevor er sich seinen Kindheitstraum erfüllte und zum Studium in die USA ging. Nach einem Vorbereitungsjahr und vier weiteren Jahren an der Newman University im US-Bundesstaat Wichita kam er mit viel Basketball-Erfahrung und einem Abschluss in Wirtschaftsinformatik zurück. „Ich hatte mir das Studienfach ausgesucht, mit dem man später mal viel Geld machen kann“, sagt Bryant lachend. Gleich darauf wird er aber ernst und sagt: „Im IT-Bereich muss man immer dran bleiben, da ändert sich vieles so schnell. Im Sommer muss ich da ein bisschen nacharbeiten.“

Von Beginn an zweisprachig erzogen

Englisch ist inzwischen zu seiner „Hauptsprache“ geworden. Als Kind war er zweisprachig erzogen worden, nach der Rückkehr nach Deutschland ist ein leichter Akzent geblieben. „Das ist aber unbewusst. Ich war neulich in einer Grundschule, da habe ich auch mal ein falsches Wort benutzt und die Lehrerin hat mich direkt korrigiert“, erzählt der Basketballer von einer Veilchen@School-Aktion.

Nach fünf Jahren in den USA wollte Bryant in Deutschland durchstarten, doch während eines Probetrainings im Mai 2018 bei den Löwen Braunschweig riss ihm die Achillessehne. „Das war erst einmal ein Schock.“ Nach neun Monaten konnte er bei den Rostock Seawolves in der Pro A trainieren und kam immer wieder zu Kurzeinsätzen. Dann unterschrieb er in Göttingen, hatte aber zunächst auch wieder Verletzungspech – immer wieder zwickte es im Oberschenkel. Eine Blutuntersuchung brachte schließlich eine Mangelerscheinung zutage. Seit Bryant dagegen steuert, geht es ihm gut und er ist verletzungsfrei. Ausgerechnet beim Pokal-Viertelfinale in seiner Heimatstadt Ulm stand er zum ersten Mal im Kader der Veilchen.

Am liebsten Spareribs von seinem Vater

Die Stadt Göttingen hat sich Bryant immer dann genauer angeschaut, wenn seine Freundin Luisa zu Besuch war. „Allein macht das nicht so viel Spaß. Ich bin auch nicht so ein Shopping-Typ.“ Sein Lieblingsessen ist ein Sommergericht, das es nur im heimischen Garten beim Familienbesuch gibt: „Gegrillte Spareribs von meinem Vater.“ Aber auch bei Käsespätzle nach dem Rezept seiner Mutter und Großmutter kann der 1,95 Meter große Basketballer, der neben dem Bruder noch eine in der Schweiz lebende ältere Schwester sowie zwei kleine Neffen und eine Nichte hat, nicht widerstehen.

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Team-Chemie stimmt

Mit seiner Mannschaft und der Chemie innerhalb des Teams ist er zufrieden. „Alle sind auf einer Wellenlänge, Streit gibt es nicht.“ Seine Rolle bezeichnet er – angesichts der langen Verletzungsphase zum Saisonstart – als „berechtigt“. Solange es meine Aufgabe ist, meine Teamkameraden im Training besser zu machen und ihnen das hilft, ist mir das recht. Meine Rolle ist vom Coach verteilt. Und wenn jeder seine Rolle akzeptiert, funktioniert es auch. Das ist sicherlich auch ein Grund dafür, dass wir uns so gut verstehen“, sagt der Basketballer, der am liebsten verteidigt und in der Defensive auch seine Stärken sieht.

Die Corona-Pandemie und deren Folgen haben nicht nur seinen Arbeitgeber BG Göttingen mit voller Wucht getroffen, auch die Spieler kämpfen mit erschwerten Bedingungen. „Natürlich habe ich im Moment viel Langeweile, die gesamte Situation ist schon frustrierend“, sagt Bryant, der sich die Zeit mit „Home-Workout, Skypen mit Familie und Freunden, Serien im Fernsehen anschauen und Social-Media-Challenges“ vertreibt. Inzwischen kocht er viel zu Hause und hofft auf eine baldige Entscheidung, wie es sportlich weitergehen wird. „Jeder hofft, dass er in sein normales Leben zurückkehren kann. Das ist eine absolut unbefriedigende Situation.“

Entscheidung fällt am Mittwoch

Für die erste Entscheidung, die Saison wegen der Corona-Pandemie zu unterbrechen, war noch bei einem Meeting in Stuttgart gefallen. Am Mittwoch debattieren die Verantwortlichen der Klubs und der Basketball-Bundesliga per Videochat, wie es weitergehen soll. Frank Meinertshagen wird für die BG Göttingen mit dabei sein.

Veilchen-Headcoach Johan Roijakkers hofft noch immer auf eine Fortsetzung der Saison: „Natürlich hoffe ich, dass wieder gespielt wird. Und ich glaube auch, dass wir noch spielen werden“, sagt der Niederländer. Er habe keine Probleme damit, später zu spielen. „Es geht auch noch im Juni oder später. Wir sind jedenfalls bereit.“ Wie schnell dann Kyan Anderson und Dylan Osetkowski aus den USA zum Team zurückkehren könnten, vermag er nicht zu sagen. „Beide haben die Option, es hängt aber auch davon ab, ob es dann in ihren Familien Corona-Fälle gibt.“