12. Januar 2022 / 21:10 Uhr

BG Göttingen kassiert trotz überragendem Kamar Baldwin Pleite in den Schlusssekunden

BG Göttingen kassiert trotz überragendem Kamar Baldwin Pleite in den Schlusssekunden

Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
Kamar Baldwin (l.), hier gegen Ex-Veilchen Nelson Weidemann, kam in Chemnitz auf 35 Punkte.
Nach der Hinrunde wurde abgestimmt: Bester Offensivspieler ist Kamar Baldwin (BG Göttingen) Im MVP-Voting musste er sich noch geschlagen geben, doch Baldwin ist mit 58,8 Prozent zum besten Offensivspieler gewählt worden. Baldwin stellt mit 20,8 Punkten pro Partie den Topscorer der Liga, dazu steuert der US-Amerikaner 4,3 Rebounds sowie 3,4 Assists bei. Bei der 86:87-Niederlage in Chemnitz markierte er mit 35 Zählern jüngst seine Saisonbestleistung. Wenig überraschend: Mid-Season-MVP Shorts landet auf dem zweiten Platz, Caleb Homesley (Hamburg Towers) folgt dahinter. © Eibner- Pressefoto
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Was für eine bittere Niederlage für die BG Göttingen: Die Veilchen unterlagen in den Schlusssekunden eines dramatischen Spiels in Chemnitz mit 86:87 – trotz eines überragenden Kamar Baldwin, der einen neuen BBL-Saisonbestwert aufstellte.

Große Enttäuschung beim Basketball-Bundesligisten BG Göttingen: Die Veilchen hatten am Mittwochabend im Spiel bei den Niners Chemnitz fast schon den Sieg sicher, gaben ihn aber in den letzten Sekunden noch aus der Hand und unterlagen mit 86:87 (51:40).

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Der Ex-BGer Nelson Weidemann stand in der Starting Five des Gastgebers, und die zeigten mit dem ersten Angriff den Göttingern erst mal, was auf sie zukommen könnte: Mindaugas Susinskas schloss einen schönen Angriff mit einem freien Dreier zur 3:0-Führung ab. Weil Stephen Brown und später auch Jake Toolson ihre Dreier-Versuche verpassten, Jonas Richter dafür aber erfolgreich dunkte, zog Chemnitz zunächst auf 5:0 davon.

Niners Chemnitz - BG Göttingen, BBL 2021/22

Niners Chemnitz - BG Göttingen, BBL 2021/22 Zur Galerie
Niners Chemnitz - BG Göttingen, BBL 2021/22 © Eibner-Pressefoto

Niemand anders als Kamar Baldwin verbuchte dann im Fastbreak die ersten Zähler für die Veilchen, leistete sich dann aber einen Steal durch Weidemann, sodass sich der Gastgeber über eine 9:2-Führung freuen konnte. BG-Headcoach Roel Moors blieb ruhig, änderte personell nichts und wurde dafür belohnt: Jeff Roberson, Baldwin und noch mal Roberson für Drei brachten die BG auf 9:11 heran (6.).


Mönninghoff bestreitet seinen 300. Einsatz in der BBL

Kurz darauf spielte Baldwin seine ganze Klasse aus und traf per Dreier gegen eine direkte Verteidigung seines Gegenspielers Trent Lockett. Kurze Zeit später war es Brown vorbehalten, für Drei den 15:15-Ausgleich zu erzielen (8.). Kurz vor dem Ende des Durchgangs kam Mathis Mönninghoff aufs Parkett und durfte sich über seinen 300. BBL-Einsatz freuen.

In die Viertelpause ging es schiedlich, friedlich mit einem 23:23-Zwischenergebnis. Die ersten Punkte des zweiten Durchgangs waren dann, natürlich per Dreier, dem Jubilar Mönninghoff vorbehalten. Überhaupt starteten die Veilchen hervorragend ins zweite Viertel, angeführt von ihrem Top-Shooter Baldwin, auf den die Niners besonders Acht geben wollten, der aber bereits in den ersten zehn Minuten auf 14 Punkte kam. Ebenfalls bemerkenswert: Mönninghoff war es, der Anfang des zweiten Viertels für das allererste BG-Foul des Spiels überhaupt sorgte.

In der Folge setzten sich die Gäste ab, weil nun auch der bis dato unglücklich agierende Jake Toolson seine Dreier-Qualitäten unter Beweis stellte. Die große Show aber war wieder einmal Baldwin, der bei Ballbesitz BG in den letzten Sekunden des zweiten Durchgangs den grandiosen Schlusspunkt setzte: Mit Ertönen der Sirene traf er einen extrem langen Dreier zur 51:40-Halbzeitführung der Veilchen – Baldwin spielt momentan in der Form seines Lebens.

Die BG hatte allein im zweiten Durchgang 28 Punkte erzielt und ging entsprechend selbstbewusst ins dritte Viertel. Doch die Niners versuchten noch einmal alles, und erst Lockett und dann Darion Atkins, der in dieser Phase nicht so richtig auf dem Radar der BG war, brachten beim 52:55 den Gastgeber bis auf drei Punkte heran (25.).

Baldwin beendet Lauf im Alleingang

Diesen Lauf beendete Baldwin im Alleingang, und im weiteren Verlauf präsentierte sich die BG extrem abgezockt, auch weil der eiskalte Kapitän Akeem Vargas nervenstark aus der Distanz traf, selbst in einer Situation, in der die Niners noch eine Spur aggressiver verteidigten (29.). Vor dem letzten Durchgang waren es dann wieder elf Punkte Vorsprung.

Das Spiel in der Ticker-Nachlese gibt es hier

Im Schlussdurchgang konnte einem der Gastgeber zunächst fast leid tun: Chemnitz versuchte alles, die BG blieb cool. Doch dann wurde es immer enger, und die Veilchen begannen, um einen sicher geglaubten Sieg zu zittern. 50 Sekunden vor der Schlusssirene waren die Niners durch einen Lockett-Dreier wieder auf einen Punkt herangekommen.

Stimmen zum Spiel

Roel Moors (Headcoach BG Göttingen): „Wir haben heute lange Zeit das Spiel kontrolliert. Aber zugleich möchte ich sagen, dass die NINERS den Sieg dennoch verdient haben, weil sie heute 40 Minuten gespielt haben und wir nur 35. Am Ende haben wir das Spiel in der Verteidigung mit drei schlechten Defensivsequenzen verloren, wovon Chemnitz profitiert und offene Dreier versenkt hat. Auch offensiv haben wir uns in der Schlussphase schwergetan. Wir haben momentan einige personelle Probleme, unter anderem ist Stephen Brown eigentlich verletzt. Aber das soll keine Ausrede sein. Wir hätten diese Partie gewinnen können, wenn wir 40 Minuten Defensive gespielt hätten.“

Rodrigo Pastore (Headcoach NINERS Chemnitz): „Ich bin heute mit den ersten fünf Minuten sehr zufrieden und mit den letzten fünf. Dazwischen war unsere Leistung aber einfach nicht gut. Wir sind etwas glücklich noch mit dem Sieg davongekommen. Wenn wir allerdings nicht 40 Minuten durchgehend so spielen, wie wir es möchten, werden wir nicht so erfolgreich sein, wie wir es könnten. Es gilt, die guten Dinge aus den ersten und letzten Minuten mitzunehmen. Als wir mit hoher Intensität spielten, den Ball gut bewegten und füreinander kreierten. Am Ende gelang uns so ein 20:3-Lauf. Die Jungs gaben nie auf und machten einige ‚Big Plays‘, als es darauf ankam. Trent Lockett, Frantz Massenat, Darion Atkins, Minde Susinskas und Niklas Wimberg trafen extrem wichtige Würfe. Außerdem spielte Jonas Richter heute sehr stark und war vor allem defensiv herausragend. Ich freue mich für die Jungs, aber wir haben noch jede Menge Arbeit vor uns.“

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Dem überragenden Kamar Baldwin, der nach seinem persönlichen BBL-Bestwert in Gießen mit 31 Punkten nun mit 35 Zählern einen BBL-Saisonbestwert aufstellte, gingen am Ende sichtlich die Kräfte aus, und Niklas Wimberg mutierte zum Chemnitzer Helden: Erst brachte er den Gastgeber mit 87:86 in Führung, dann blockte er 2,2 Sekunden vor Schluss entscheidend Baldwin. Der letzte Baldwin-Versuch prallte vom Ring ab.

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