08. November 2020 / 13:36 Uhr

BG Göttingen: Ludwigsburg ist ein zu starker Auftaktgegner

BG Göttingen: Ludwigsburg ist ein zu starker Auftaktgegner

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der Comebacker Harper Kamp hat hier im Zweikampf mit Ludwigsburgs Desi Rodriguez (l.) das Nachsehen.
Der Comebacker Harper Kamp hat hier im Zweikampf mit Ludwigsburgs Desi Rodriguez (l.) das Nachsehen. © dpa
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Wer nach den guten Auftritten im BBL-Pokal gedacht hatte, dass Basketball-Bundesligist BG Göttingen auch bei den MHP Riesen Ludwigsburg gut aussehen würde, sah sich getäuscht: Die 73:100-Niederlage zum BBL-Saisonauftakt schlug auch Headcoach Roel Moors auf den Magen.

Sie hatten sich den BBL-Saisonauftakt ganz anders vorgestellt: Spätestens als Andrew Warren per Freiwurf für Ludwigsburg die 100 vollmachte und damit 56 Sekunden vor Schluss den Vorsprung auf 32 Zähler hochschraubte, war dem Basketball-Bundesligisten BG Göttingen klar, dass an diesem Freitagabend im Auswärtsspiel bei den MHP Riesen die guten Leistungen und Ergebnisse im BBL-Pokal nichts wert sind. Letztlich ging die Saisonpremiere mit 73:100 (30:54) verloren – die Veilchen waren auf dem Boden der Tatsachen angekommen.

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Zwar präsentierten sich die vom ehemaligen BG-Trainer John Patrick gecoachten Ludwigsburger von Beginn an konsequent und konzentriert in der Defense und durchsetzungsstark und explosiv unter dem gegnerischen Korb. Ein bisschen mehr Aggressivität, ein bisschen mehr Gegenwehr hatten sich die BG-Fans aber von ihrem Team erhofft. Entsprechend hart ging BG-Headcoach Roel Moors mit seiner Truppe ins Gericht. „Das war ein sehr schwaches Spiel von uns“, resümierte Moors unverblümt nach der Partie.

MHP Riesen Ludwigsburg - BG Göttingen, BBL 2020/21

MHP Riesen Ludwigsburg - BG Göttingen, BBL 2020/21 Zur Galerie
MHP Riesen Ludwigsburg - BG Göttingen, BBL 2020/21 © dpa

In der Offensive sei seine Mannschaft nicht gut mit dem Druck umgegangen. „Außerdem“, fügte Moors hinzu, „hat Ludwigsburg sehr viel Talent. Wenn man sie im Eins-gegen-eins nicht stoppt, dann bekommt man ein Problem. Wir wissen, dass Jordan Hulls ein guter Werfer ist. Wir wissen, dass Yorman Polas Bartolo jedem Rebound hinterhergeht. Wenn man das nicht respektiert, dann ist das ein Problem.“

Gefahr erkannt, aber nicht gebannt – so etwas regt einen Trainer gemeinhin am meisten auf. Entsprechend frustriert mag Moors nach einer Partie gewesen sein, in der seine Veilchen lediglich nach der starken Anfangsphase der Gastgeber eine Ahnung davon vermittelten, welches Potenzial im Teambasketball der BG schlummert: Ab Mitte des ersten Viertels hatten sich die Gäste in der MHPArena gefangen und dominierten, angeführt von einem gut aufspielenden Galen Robinson jr., phasenweise das Parkett.

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Gutierrez wird von Ludwigsburg aus dem Spiel genommen

Die BGer agierten in diesem Spielabschnitt zielstrebiger, wobei einer, der in der Pokal-Gruppenphase in Vechta groß auftrumpfte, diesmal gar nicht zum Zuge kam: Point Guard Jorge Gutierrez hatte nicht seinen besten Tag erwischt, wurde aber auch von den Ludwigsburgern gut aus dem Spiel genommen. Für ihn sprang Robinson jr. ein, aber an das technisch perfekte und mit Überblick gesegnete Können von Gutierrez kommt die Nachverpflichtung nicht heran.

Statistik:

MHP Riesen – BG 100:73 (26:18, 28:12, 19:23, 27:20)

Ludwigsburg: ​Hulls (20 Punkte/4 Dreier/1 Rebounds/7 Assist), Jacob Patrick (3/1/1/), Smith (24/3/7/5), Brown (10/1/6/5), Johannes Patrick (1/0/0/0), Harris (13/0/4/1), Herzog (4/0/0/0), Polas Bartolo (13/1/4/1), Wohlfahrt-Bottermann (2/0/7/1), Darden (9/0/0/2). – Teamwerte: Feldwürfe: 36/65 (55 %), Dreier: 10/25 (40 %), Freiwürfe: 18/25 (72 %), Rebounds: 37 (13 Off/24 Def), Assists: 23, Ballverluste: 9, Fouls: 20.

BG: ​Weidemann (3/1/0/1), Nelson (11/1/0/5), Gutierrez (5/0/0/5), Vargas (3/1/2/1), Kramer (2/0/3/1), Omuvwie (10/2/4/0), Odiase (9/0/2/0), Mönninghoff (3/1/2/0), Kamp (6/0/3/3), Dawkins (7/0/2/1), Robinson jr. (12/1/1/4), Turudic (2/0/2/1). – Teamwerte: Feldwürfe: 26/56 (46 %), Dreier: 9/28 (32 %), Freiwürfe: 12/18 (67 %), Rebounds: 28 (9 Off/19 Def), Assists: 19, Ballverluste: 14, Fouls: 24.

Ansonsten wussten Marvin Omuvwie, Luke Nelson und auch der Überraschungsspieler des Abends, ein Ex-Veilchen, zu gefallen: Der 32-jährige Harper Kamp, eigentlich Trainer des Regionalligsten ASC 46 und bei der BG Trainingsspieler, gab sein BBL-Comeback und konnte es kaum glauben: „Nach zwei Jahren wieder da zu sein, ist ein gutes Gefühl. Für mich war es eine totale Überraschung“, sagte Kamp, der sechs Punkte erzielte.

Außerdem fiel auf, dass Moors auf eine große Rotation setzt: Elf Spieler hatten am Ende teilweise weit mehr als zehn Minuten Einsatzzeit auf dem Konto – wann hat es das in der jüngeren Vergangenheit schon mal gegeben? Womöglich ist es dem Saisonbeginn geschuldet, Tatsache ist aber, dass Moors die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen möchte. Der Nachteil: Die BG spielte phasenweise gut mit, aber auch nicht mehr, weil es gegen ein BBL-Spitzenteam letztlich an Durchsetzungskraft und individueller Qualität mangelte.

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Bei einem 24-Punkte-Rückstand zur Halbzeit war die Partie eigentlich schon gelaufen, ein passables drittes Viertel und ein schlechterer Schlussdurchgang führten dann zu einer deutlichen Niederlage – und zur Gewissheit, dass Moors einen Plan B benötigt, wenn sein Spielmacher Gutierrez lahmgelegt ist.

Derweil entwickelt sich die BBL-Saison immer mehr zur Corona-Lotterie: So mussten sich nach den Jobstairs Giessen 46ers auch die Niners Chemnitz, bei denen mehrere Spieler und Teammitglieder positiv getestet worden waren, in Quarantäne begeben. In der Folge fiel am ersten Spieltag neben den Partien medi Bayreuth gegen Telekom Baskets Bonn und Jobstairs Giessen 46ers gegen Syntainics MBC auch das Spiel Hakro Merlins Crailsheim gegen Niners Chemnitz aus.

Sie erreichen den Autor per E-Mail an e.warda@goettinger-tageblatt.de

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