20. Juni 2020 / 22:38 Uhr

BG Göttingen: Raus mit Applaus nach Hundt-Gala gegen Berlin

BG Göttingen: Raus mit Applaus nach Hundt-Gala gegen Berlin

Andreas Fuhrmann
Göttinger Tageblatt
Bennet Hundt machte eine klasse Partie gegen seinen Ex-Verein ALBA Berlin.
Bennet Hundt machte eine klasse Partie gegen seinen Ex-Verein ALBA Berlin. © imago images/BBL-Foto
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Wer hätte das gedacht: Die BG Göttingen hatte den haushohen Favoriten ALBA Berlin im zweiten Spiel des Viertelfinales am Rande einer Niederlage. Am Ende verloren die Veilchen zwar 85:88 (31:52) und schieden aus dem BBL-Finalturnier aus, verdienten sich aber großen Respekt mit einer in der zweiten Halbzeit phänomenalen Leistung.

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Raus mit Applaus: Die BG Göttingen ist zwar erwartungsgemäß im Viertelfinale des BBL-Finalturniers ausgeschieden, hat dabei aber eine große Show abgeliefert. Im Münchener Audi Dome lagen die Veilchen im Rückspiel gegen den haushohen Favoriten ALBA Berlin bereits aussichtslos zurück, kämpften sich nach der Pause aber noch einmal heran und hatten die Albatrosse am Rande einer Niederlage. Am Ende behielt ALBA aber mit 88:85 (52:31) die Oberhand. Dennoch verdienten sich die Veilchen großen Respekt, weil sie auch gegen einen übermächtigen Gegner nie aufgaben, aufopferungsvoll kämpften und am Ende sogar am Sensationssieg schnupperten.

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Die BG Göttingen startete mit Ruoff, Kramer, Omuvwie, Mönninghoff und Hundt in die Partie – und das nicht gerade überzeugend. Man hatte Intensität, Aggressivität und Mut erwartet von den Veilchen, um zumindest die Minimalchance auf das Halbfinale (Trainer Johan Roijakkers hatte von einem Wunder gesprochen) zu wahren. Stattdessen wirkten die Göttinger unkonzentriert, eingeschüchtert und fehleranfällig.

2. Viertelfinale: ALBA Berlin - BG Göttingen

Die BG Göttingen verabschiedet sich mit einer beherzten Vorstellung gegen ALBA Berlin aus dem BBL-Finalturnier in München. Zur Galerie
Die BG Göttingen verabschiedet sich mit einer beherzten Vorstellung gegen ALBA Berlin aus dem BBL-Finalturnier in München. © Imago

Mönninghoff brachte die Veilchen zwar mit einem Dreier anfangs mit 3:2 in Front. Danach lief bei der Roijakkers-Truppe aber nicht mehr viel zusammen. Ballverluste, die den Göttingern bereits im Hinspiel das Genick gebrochen hatten, reihten sich an Ballverluste. Und so hatte ALBA, das Siva und Cavanaugh schonte, von Beginn an leichtes Spiel. Immer wieder kamen die Berliner zu leichten Punkten, weil die BG kaum einen Pass an den Mann brachte und eine ganz schwache Offense spielte. Die Quittung: Nach etwa fünf Minuten führte ALBA 13:3. Roijakkers nahm folgerichtig die erste Auszeit.

Das half etwas: Allen brachte auf Seiten der Göttinger zumindest wieder Schwung rein, als er er nach einem tollen Pass von Ruoff per Dreier auf 8:13 verkürzte. Das aber war nicht mehr als ein Strohfeuer, weil Lockhart einen Airball einstreute, Hundt einen weiteren Fehlpass spielte und Kramer ein ums andere Mal neben sich stand. Dennoch gaben die Veilchen nicht auf und versuchten alles – immer wieder lautstark angefeuert von der Bank. Trotz der Unterlegenheit auf dem Parkett stimmte es im Team. Und so machten Allen und Lockhart mit jeweils sicheren Dreiern wieder etwas Boden gut (14:20). Der erste Durchgang ging dennoch mit 22:16 an die Berliner.

Viele Fehler der BG Göttingen vor der Pause

Über das zweite Viertel sollte man am besten den Mantel des Schweigens decken. Die Veilchen spielten jetzt zwar aggressiver, leisteten sich aber weiterhin viel zu viele Fehler und kassierten unnötige Fouls. Kramer hatte relativ schnell drei persönliche Fouls auf dem Konto (und kassierte später auch noch Nummer 4 und 5). So flogen der BG die Albatrosse langsam, aber sicher davon. Über 27:19 und 40:23 setzten sich die Berliner auf 52:31 ab. Bei diesem Stand ging es auch in die Pause. Bester Mann bis dahin auf Göttinger Seite: Terry Allen mit elf Punkten und drei Rebounds. Magere Bilanz der BG: 25 Prozent Freiwurfquote, 10:4 Turnovers und 13:6 Fouls.

Die Göttinger kamen wie verwandelt aus der Pause, und vor allem einer schien in Zaubertrank gebadet zu haben: Dominic Lockhart. Hatte die Nummer drei in den ersten beiden Vierteln nicht gerade überzeugt, avancierte er zur besten Waffe der Veilchen. Immer wieder Lockhart tauchte plötzlich auf dem Scoreboard auf, auch in der Defense war er nicht zu stoppen. Und weil die Berliner das doch irgendwie beeindruckte und ohnehin mehrere Gänge zurückgeschaltet hatten, tasteten sich die Veilchen wieder heran. Lockhart hatte zum Ende des dritten Durchgangs plötzlich 17 Punkte auf dem Konto – und ALBA führte nur noch 73:57.

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Die BG hatte jetzt Lunte gerochen. Gepusht von den Spielern auf der Bank machten die Veilchen einfach aggressiv und nervenstark weiter – und die Albatrosse ließen immer mehr Federn. Als Andric per Dreier auf 63:73 verkürzte, hatte die BG plötzlich sogar wieder eine kleine Siegchance. Berlin wackelte beträchtlich, fiel aber nicht. Doch auch die BG gab nicht auf. Nachdem die Berliner wieder auf 80:65 weggezogen waren, brachten der weiterhin starke Allen, der gewohnt wuselige Hundt und der unglaubliche Lockhart die Veilchen wieder heran (72:80). Als dann noch Omuvwie spektakulär per Alley Oop zum 74:80 traf, nahm ein verunsichertes ALBA knapp drei Minuten vor dem Ende die Auszeit.

Bennet Hundt dreht auf

Das brachte aber nicht viel. Als Hundt wenig später zum 78:82 traf, hielt es die Göttinger nicht mehr auf ihren Sitzen. Es war jetzt beinahe so laut in der Halle, als wären doch Fans zugelassen, solche Stimmung machte die Veilchen-Bank. Und Hundt hatte noch lange nicht genug. Plötzlich drehte der Youngster gegen seinen Ex-Klub richtig auf, und als er bei einem Korbleger noch das Foul zog und den fälligen Freiwurf versenkte, war die BG auf einen Punkt dran (83:84) und der Sensation ganz nah, dem Titelfavoriten die erste Niederlage des Turniers beizubringen.

Doch Ruoff und Andric hatten jeweils Pech bei ihren Versuchen von jenseits der Dreierlinie, und ALBA zeigte zumindest an der Freiwurflinie keine Schwäche. Als Allen dann Sekunden vor Schluss den letzten Dreier verpasste, hatte Berlin zwar 88:85 gewonnen und den Halbfinaleinzug klar gemacht. Der BG aber bleibt der große Respekt für eine kämpferische Leistung und ein klasse Finalturnier, bei dem die Göttinger weiter kamen, als es ihnen der ein oder andere zugetraut hatte. Oder wie es Bennet Hundt nach dem Spiel auf den Punkt brachte: „Wir haben nie aufgegeben.“

 Basketball easyCredit BBL Final-Turnier Basketball München 20.06.2020 Saison 2019 / 2020 easyCredit BBL Final-Turnier 2020 Viertelfinale Spiel 2 Alba Berlin - BG Göttingen letzter Wurf Terry Allen Göttingen, No.25 München Audi-Dome Deutschland *** Basketball easyCredit BBL Final Tournament Basketball Munich 20 06 2020 Season 2019 2020 easyCredit BBL Final Tournament 2020 Quarterfinal Game 2 Alba Berlin BG Göttingen last throw Terry Allen Göttingen, No 25 Munich Audi Dome Germany
Die letzte Chance: Terry Allen Sekunden vor Schluss mit dem Dreierversuch, der leider nicht das Ziel trifft. © Imago

Stimmen zum Spiel

Johan Roijakkers (Headcoach BG Göttingen):

„Berlin hat verdient gewonnen. Meine Mannschaft verdient auch ein großes Kompliment. Wir haben die Saison und das Final-Turnier mit Stil abgeschlossen. In der ersten Halbzeit hatten wir wieder zu viele Ballverluste – wir wussten, dass dies ein Schlüssel ist, um im Spiel zu bleiben. In der ersten Halbzeit hatten wir zehn Ballverluste, in der zweiten nur noch vier. Dann sieht man gleich, dass wir eine Chance haben mitzuspielen, und am Ende hatten wir sogar noch die Möglichkeit, das Spiel auszugleichen. Danke an die Sponsoren, die Gesellschafter, Frank Meinertshagen und die Fans in Göttingen, die sicherlich heute mitgefeiert haben. Ein spezieller Dank geht an Kai Winkler und Julian Meier, die ihre Freizeit für uns hergegeben haben. Außerdem danke ich dem Athleticum Junge, dass unser Physiotherapeut Uwe Klaßen, der tolle Arbeit geleistet hat, hier die ganze Zeit bei uns sein durfte und dafür zur Verfügung gestellt wurde.“

Aito Garcia Reneses (Headcoach ALBA BERLIN):

„Wir haben am Anfang gut gespielt, mit einem guten Fokus. Göttingen hat am Ende sehr gut gespielt, weil sie das sehr gut gemacht haben, aber auch, weil wir den Fokus verloren haben. Ich weiß, dass es schwer ist, wenn man einen so großen Vorsprung aus dem ersten Spiel hat.“

Thomas Oppermann, Göttinger Bundestagsabgeordneter (SPD):


"Grandios gekämpft, well performed und beinah gewonnen gegen ALBA Berlin. Die BG Göttingen hat sich mit einem tollen Spiel aus einer großartigen Saison verabschiedet. Jetzt drücken wir Alba die Daumen."

BG Göttingen verlässt den Audi Dome

Statistik

ALBA BERLIN vs. BG Göttingen 88:85 (52:31)
Viertelfinale, 2. Spieltag
Arena: Audi Dome München | Zuschauer: 0

Die Viertel im Überblick: 22:16, 30:15, 21:26, 15:28

ALBA: Hermannsson (19 Punkte/0 Dreier/3 Rebounds/7 Assists), Eriksson (13/3/2/3), Nnoko (10/0/9/1), Sikma (10/0/5/1), Giffey (9/1/7/1), Giedraitis (8/0/2/1), Peno (8/2/3/3), Ogbe (5/0/1/0), Mattisseck (3/1/0/1), Thiemann (3/0/4/1), Delow (0/0/0/1), Brenneke (0/0/0/0). –Teamwerte: Feldwürfe 51,7% (31/60), Dreier 36,8% (7/19), Freiwürfe 76% (19/25), Rebounds 37 (29 def./8 off.), Fouls 16, Turnovers 15, Assists 20.**

BG:** Lockhart (19 Punkte/3 Dreier/2 Rebounds/2 Assists), Hundt (18/2/4/6), Allen (16/3/3/2), Kok (8/0/4/0), Kramer (6/0/2/0), Omuvwie (6/0/6/1), Andric (5/1/2/1), Ruoff (4/0/2/7), Mönninghoff (3/1/3/0), Williams (0/0/3/5). –Teamwerte: Feldwürfe 50% (36/72), Dreier 33,3% (10/30), Freiwürfe 42,9% (3/7), Rebounds 31 (23 def./8 off.), Fouls 26, Turnovers 14, Assists 24.