08. April 2021 / 15:42 Uhr

BG Göttingen: Rückfall in alte Gewohnheiten

BG Göttingen: Rückfall in alte Gewohnheiten

Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
BG-Trainer Roel Moors war ganz und gar nicht einverstanden mit dem, was seine Spieler am Mittwochabend in der Sparkassen-Arena ablieferten.
BG-Trainer Roel Moors war ganz und gar nicht einverstanden mit dem, was seine Spieler am Mittwochabend in der Sparkassen-Arena ablieferten. © Swen Pförtner
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Eigentlich, darauf hatte Roel Moors gebaut, sollte so etwas wie am Mittwochabend nicht wieder passieren. Doch der Headcoach des Basketball-Bundesligisten BG Göttingen musste in der Sparkassen-Arena mitansehen, wie sein Team beim 79:98 (47:47) gegen den Abstiegskandidaten Jobstairs Giessen 46ers regelrecht einbrach.

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Wer geglaubt hatte, die Heimpartie gegen den Abstiegskandidaten Jobstairs Giessen 46ers nutzt Basketball-Bundesligisten BG Göttingen in der aktuellen Form mit einer verbesserten Intensität in der Defensive zu einer erneuten Demonstration der Stärke, sah sich am Mittwochabend in der Sparkassen-Arena getäuscht – und spätestens beim 79:98 (47:47)-Endstand auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Die Veilchen verfielen in alte, längst überwunden geglaubte Gewohnheiten, brachen im dritten Viertel regelrecht auseinander und ließen schließlich kollektiv die Köpfe hängen.

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Bilder vom BG-Spiel gegen die Giessen 46ers:

BG Göttingen - GIESSEN 46ers, BBL 2020/21

BG Göttingen - GIESSEN 46ers, BBL 2020/21 Zur Galerie
BG Göttingen - GIESSEN 46ers, BBL 2020/21 © Pförtner

Ob sich die BG vom Gegner, der nach dem Coup gegen den FC Bayern mit frischem Selbstbewusstsein angereist war, vorführen ließ, wie die BG in einer Pressemitteilung selbstkritisch konstatierte, sei dahingestellt. Tatsache ist jedoch, dass im entscheidenden dritten Viertel so gut wie nichts mehr ging – die Gießener, angeführt vom Routine-Monster John Bryant, nutzten die Mentalitäts-Sturzfahrt des Gegners gnadenlos aus und setzten sich nach bis dato ausgeglichenem Spiel entscheidend ab.

Moors ist von seinem Team „sehr, sehr enttäuscht“

BG-Headcoach Roel Moors war im Anschluss entsprechend bedient: „Ich bin natürlich sehr, sehr enttäuscht“, sagte er. „Ich habe heute nicht das Team der vergangenen Wochen gesehen. Ich habe ein Team gesehen, dass von Anfang an nicht im Spiel war, mit sehr wenig Energie gespielt hat, aber trotzdem im Spiel geblieben ist.“

Die Veilchen hatten nach der schweren Partie gegen Ludwigsburg weniger Regeneration als die 46ers, und alles in allem wirkten die Hessen auch griffiger, was sich besonders unter den Körben bemerkbar machte. Bei Teams wie der BG hängt jedoch vieles von der richtigen Einstellung ab, und vom Mentalitätsmonster waren die BG-Akteure am Mittwoch so weit entfernt wie die Erde von der Sonne. „Wir machen ein, zwei Fehler, und mental kommt nichts mehr, so wie uns das auch schon vor ein, zwei Monaten passiert ist“, klagte Moors. „An erster Stelle war es mental eine sehr schwache Leistung.“

MagentaSport-Highlights: BG Göttingen - Jobstairs Giessen 46ers

Die BG hatte sich bereits im ersten Durchgang eine Schwächephase geleistet und war kurz vor Viertelende mit 17:28 ins Hintertreffen geraten. Dass es beim 24:48 lediglich mit einem Vier-Punkte-Rückstand in die Pause ging, war nur der Lässigkeit der 46ers und schnellen Punkten von Nelson, Dawkins und Booker zu verdanken.

Das zweite Viertel mit einem groß aufspielenden Aubrey Dawkins waren die besten zehn Spielminuten der BG am Mittwochabend. Der dritte Durchgang war spätestens nach einem Booker-Fehlpass und einem krachenden Dunk von Alen Pjanic zum 74:59 für die Gäste einer zum Vergessen und ging desaströs gegen ein BBL-Kellerkind mit 12:29 verloren.

Veilchen haben in Drucksituationen keinen Führungsspieler

Wieder einmal zeigte sich, dass die Veilchen in Drucksituationen keinen Führungsspieler haben, der Verantwortung übernimmt. Nachverpflichtung Deishuan Booker sah zuletzt ziemlich gut aus, diesmal zog er sich den Zorn von Moors zu: „Die Körpersprache von Booker kann ich nicht akzeptieren. Du kannst den Ball verlieren, aber du kannst doch nach hinten laufen, denke ich. Das war nicht gut.“

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Der BG-Coach habe zuletzt das Gefühl gehabt, „das wir endlich auf dem richtigen Weg sind“. Die Analyse nach dem Gießen-Spiel sah ganz anders aus: „Wir waren nicht bereit zu spielen, haben ohne Intensität gespielt.“ Die sportliche Achterbahnfahrt der Veilchen, so viel steht seit Mittwoch fest, geht damit in dieser Saison weiter, passend dazu ist das Team endgültig im sportlichen Niemandsland zwischen Playoffplätzen und Abstiegszone angekommen. Auf Roel Moors, auch das steht fest, kommt vor der Heimpartie am Sonntag um 15 Uhr gegen s.Oliver Würzburg viel Arbeit zu – auch der nächste Gegner benötigt im Abstiegskampf jeden Sieg.

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