24. Januar 2022 / 16:10 Uhr

BG Göttingen: Schwierige Suche nach einem Guard und Center

BG Göttingen: Schwierige Suche nach einem Guard und Center

Kathrin Lienig
Göttinger Tageblatt
Um Point Guard Stephen Brown (r.) auch während eines Spiels Erholungsphasen auf der Bank geben zu können, sucht die BG Göttingen schon seit Wochen nach einer Ergänzung.
Um Point Guard Stephen Brown (r.) auch während eines Spiels Erholungsphasen auf der Bank geben zu können, sucht die BG Göttingen schon seit Wochen nach einer Ergänzung. © foto: Swen Pförtner
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Basketball-Bundesligist BG Göttingen ist weiterhin auf der Suche nach zwei neuen Spielern. Geschäftsführer Frank Meinertshagen berichtet, wie schwierig die Situation auf der Transfermarkt derzeit ist.

Vier Niederlagen in fünf Spielen seit Jahresbeginn: Die BG Göttingen ist nach der Niederlage am Wochenende in Weißenfels aus den Playoff-Rängen der Basketball-Bundesliga gefallen. Der Minikader der Veilchen scheint an seiner Belastungsgrenze angekommen zu sein. Die Rufe nach Nachverpflichtungen werden lauter.

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Seit Ende November gehören nur noch vier internationale Spieler dem BG-Kader an. Die Trennung von Center James Dickey (nach Israel) und Guard Zack Bryant (nach Finnland) schien zunächst nicht ins Gewicht zu fallen. Im Gegenteil: Die Veilchen traten noch motivierter und kämpferischer auf. Inzwischen sind aber Abnutzungserscheinungen zu erkennen. Ein straffes Programm mit vielen Auswärtsspielen und entsprechend hohen Belastungen sowie Verletzungen zeigen, dass dieses personelle Konstrukt der BG ein sehr fragiles ist.

Die Konkurrenz ist dagegen nicht untätig geblieben. Die Crailsheimer sind in Bologna fündig geworden und haben bis Saisonende den isländischen Guard Jon Axel Gudmundsson verpflichtet, der unter Headcoach Sebastian Gleim schon in Frankfurt auflief. Beim Gegner vom vergangenen Wochenende, dem MBC, haben im Januar Center John Bryant (kam aus Gießen) und Reggie Upshaw (vom ukrainischen Pokalsieger Budivelnyk Kiew) bis Saisonende unterschrieben. Das sind nur einige Beispiele. Warum tut sich die BG so schwer mit Nachverpflichtungen?

Entlastung für Baldwin und Brown

BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen stellt klar: „Die Trennung von den beiden Spielern im November war von unserer Seite ja nur halb freiwillig. Bryant wollte unbedingt gehen und Dickey war das Niveau in der BBL zu hoch.“ Am liebsten hätte der BG-Chef schon im Dezember neue Spieler geholt, wobei er keine Position priorisiert. „Wir brauchen beides: Einen Guard um Stephen Brown und Kamar Baldwin zu entlasten und einen Center, um besser zu rebounden.“ Das sei zuletzt bei der Niederlage gegen den MBC besonders auffällig gewesen.

Syntainics MBC - BG Göttingen, BBL 2021/22

Für die BG Göttingen gab es in Weißenfels beim Syntainics MBC die vierte Niederlage im fünften Spiel des Jahres 2022 Zur Galerie
Für die BG Göttingen gab es in Weißenfels beim Syntainics MBC die vierte Niederlage im fünften Spiel des Jahres 2022 © Andreas Bez

„Wir waren schon einige Male nah dran. Dann gab es in dem einen Verein aber einen Trainerwechsel und der neue Coach wollte den Spieler behalten – allerdings hat der unter dem neuen Trainer noch gar nicht gespielt“, erzählt Meinertshagen. Auch die Suche auf dem US-Spielermarkt gestalte sich schwierig. „Die NBA verpflichtet gerade, wenn es Corona-Fälle in den Klubs gibt, Spieler immer wieder nur für zehn Tage.“ Durch diese Kurzzeit-Kontrakte sei der Markt für Basketballer, die auch für Europa interessant wären, viel kleiner und auch sehr unübersichtlich geworden.

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Lomazs-Verpflichtung war Glückgriff

Einen Spieler wie Rihards Lomazs zu finden, ist in Meinertshagens Augen etwa so, wie die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Der Lette war vor genau einem Jahr vom französischen EuroLeague-Klub Villeurbanne auch mitten in der Saison zu den Veilchen gewechselt. „So einen Spieler wie ihn bekommen wir alle hundert Jahre einmal. Das war ein echter Glückgriff – aber auch, weil wir zu diesem Zeitpunkt viel Geld frei hatten, das wir investieren konnten. Diese Summe haben wir jetzt nicht zur Verfügung“, sagt der BG-Geschäftsführer.


Meinertshagen ist – auch nach den verlorenen Spielen im Januar – zufrieden mit der Hinrunde. „Mir ist das im Moment zu viel Schwarz-Weiß-Malerei. Entweder ist alles super toll oder super schlecht. Es kann noch alles passieren. Wir haben erst eine Partie in der Rückrunde gespielt.“ Eine Gefahr, dass bei der Mannschaft der Frust einsetzen könne, sieht er nicht. „Wir haben gegen Braunschweig und den MBC einfach schlecht gespielt. Die knappe Niederlage in Chemnitz war eine Folge der stressigen Phase mit vielen Auswärtsspielen und Reisen binnen weniger Tage“, sagt der Geschäftsführer, der in Interviews während dieser Spielzeit nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass er das Team gern in den Playoffs und in der kommenden Saison auch in einem internationalen Wettbewerb sehen würde.