19. Mai 2020 / 18:11 Uhr

BG Göttingen steigt am Mittwoch ins Training für das BBL-Turnier ein

BG Göttingen steigt am Mittwoch ins Training für das BBL-Turnier ein

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bennet Hundt freut sich darauf, wieder ein Ziel zu haben, auf das er hin trainieren kann.
Bennet Hundt ist froh, wieder ein Ziel zu haben, auf das er hin trainieren kann. © Swen Pförtner
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Spieler und Trainer freuen sich auf das Final-Turnier der Basketball-Bundesliga in München. Die bayerische Landesregierung hat am Dienstag grünes Licht für den Saisonendspurt gegeben. Reaktionen aus dem Umfeld der BG Göttingen auf die Entscheidung fallen positiv aus.

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Die Basketball-Bundesliga spielt ihre Saison 2019/20 mit dem BBL-Turnier im Münchener Audi Dome ab Anfang Juni zu Ende. Die bayerische Landesregierung hat am Dienstagmittag grünes Licht für das „Final10“ gegeben, an dem zehn der 17 Bundesliga-Mannschaften – darunter auch die BG Göttingen – teilnehmen werden.

„Wir sind dankbar, dass das von der Liga erstellte Hygiene- und Sicherheitskonzept akzeptiert wurde“, sagt BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen. „Es ist gut, dass wir nun den nächsten Schritt machen und wieder ein Ziel haben, auf das wir hinarbeiten können.“ Das Final-Turnier 2020 wird voraussichtlich am 6. Juni beginnen – das letzte Finalspiel ist am 28. Juni vorgesehen.

Überzeugendes Konzept

Das Kabinett der bayerischen Landesregierung hat das Hygiene- und Sicherheitskonzept der Basketball-Bundesliga nach der Zustimmung zur Fortsetzung der Saison gelobt. Florian Herrmann (CSU), Leiter der Staatskanzlei, nannte die Pläne der BBL am Dienstag „ein sehr überzeugendes Hygienekonzept, weil es praktisch unmöglich ist, dass einer nach außen geht oder von außen etwas reingetragen wird“. Die Fußball-Bundesliga habe es am vergangenen Wochenende vorgemacht, dass die Rückkehr des Sports in der eingeschränkten Form möglich sei.

Herrmann bezeichnete das Vorhaben der BBL als „eine ganz besondere Maßnahme“ und bezeichnete es als „Quarantäne-Turnier“ mit engmaschigen Tests im Vorfeld. Er erläuterte während der Pressekonferenz, dass das Turnier ausschließlich im Münchener Audi Dome ausgetragen werde und betonte, dass nicht – wie in der Fußball-Bundesliga – „die Mannschaften durchs ganze Land“ zu ihren Spielen fahren müssen. „Deshalb konnte man auch angesichts der positiven Entwicklung der Zahlen insgesamt, aber auch aufgrund der ersten Erfahrungen der Fußball-Bundesliga hier wirklich aus Überzeugung sagen: Ja, das Konzept ist überzeugend und kann durchgeführt werden“, sagte Herrmann.

Team trainiert ab Mittwoch gemeinsam

Der Spielbetrieb zur Saisonfortsetzung unterteilt sich in das vorgelagerte Mannschaftstraining und die Turnierphase in München. „Wir haben von der niedersächsischen Landesregierung bereits die Genehmigung für die Aufnahme des Mannschaftstrainings erhalten, sodass wir morgen damit starten“, sagt Meinertshagen unmittelbar nach der Entscheidung.

BG-Trainer Johan Roijakkers wartet auf das „Go“ der Liga, um mit der Vorbereitung für das BBL-Turnier zu beginnen.
BG-Trainer Johan Roijakkers empfängt seine Spieler am Mittwoch zur ersten gemeinsamen Trainingseinheit. © Swen Pförtner
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Roijakkers mit Neuverpflichtungen zufrieden

Auch BG-Headcoach Johan Roijakkers ist froh, dass er nicht mehr länger warten muss, um mit allen Spielern gemeinsam zu trainieren. Er vermutet, dass einige Akteure „richtig gut durch die lange Pause gekommen sind, andere dagegen weniger“ und wartet ab, wie sich das Training anlässt. Die beiden niederländischen Nachverpflichtungen Leon Williams und Jito Kok sind schon in Göttingen, nun werde er sich anschauen, wie sich der Personalwechsel auswirkt. „Klar ist, dass Jito kein Dylan Osetkowski ist“, sagt Roijakkers über seinen Landsmann und schiebt nach: „Für unseren Etat und für diese kurzfristige Entscheidung bin ich aber sehr zufrieden.“

Zufrieden ist er auch mit der Form von Rückkehrer Alex Ruoff, der sich während seines USA-Aufenthaltes so gut wie möglich fit gehalten habe. Trainings-Rhythmus wird wie in der Saison sein. Mit der Unterbringung aller Teams in einem Hotel in München hat Roijakkers kein Problem. „Ich habe mich informiert, das ist okay. Da sind sonst 800 Gäste und wir werden insgesamt 200 sein – also Platz genug, um sich auch mal aus dem Weg zu gehen.“

Nach dem letzten Sieg gegen die Hamburg Towers im März wurde Elias Lasisi zur Siegeshumba gebeten
Nach dem letzten Sieg gegen die Hamburg Towers im März wurde Elias Lasisi zur Siegeshumba gebeten © Swen Pförtner

Lasisi lobt Professionalität der BBL

Der Belgier Elias Lasisi, der in den vergangenen Wochen in Göttingen geblieben war, hatte die Chancen als hoch eingestuft, dass das Turnier gespielt werden würde und nannte als Indiz dafür die Tatsache, dass alle teilnehmenden Teams schon ihre Kader vervollständigt haben. „Ich denke, die Form, wie gespielt wird, ist sehr gut. Das Turnier wird nicht lange dauern und jedes Detail ist in einem Handbuch geplant, was erneut die Professionalität der BBL zeigt, die alles wirklich gut vorbereitet hat, um zu spielen. Die meisten Teams werden bei 70 Prozent ihrer Spieler oder mehr sein, was bedeutet, dass es immer noch sehr wettbewerbsfähig sein wird. Das einzige, was ich hoffe, ist, dass es keine größeren Verletzungen geben wird, da die Vorbereitungszeit nicht sehr lang sein wird und es sehr intensiv sein wird, drei Matches pro Woche zu spielen.“

Hundt nennt es EM-Feeling

Bennet Hundt vergleicht das anstehende Turnier mit der Sommer-Europameisterschaft, die er im Nachwuchsbereich in einigen Altersklasse gespielt hat. „Von diesen Turnieren kenne ich es, dass alle Mannschaften in einem Hotel untergebracht sind und das oft gespielt wird und man eigentlich den Rhythmus Spiel/Hotel/Training ständig hat.“ Er begrüßt es auch, dass zu den für alle geltenden gleichen Rahmenbedingungen gehört, dass auch das Team des FC Bayern im Hotel untergebracht sein wird.

Der 21-Jährige freut sich auf die am Mittwoch beginnenden gemeinsamen Einheiten mit der Mannschaft und darauf, dass „wieder mit einem Ziel trainiert wird“. Es sei in den vergangenen Wochen „schon komisch“ gewesen, sich ohne Perspektive immer wieder motivieren zu müssen. Seine beiden neuen Mannschaftskameraden aus den Niederlanden hat er schon getroffen und einen „super Eindruck“ von ihnen erhalten. „Sie sind motiviert und freuen sich darauf, noch spielen zu können“, sagt Hundt. Dadurch, dass Kyan Anderson und Dylan Osetkowski nicht zurückgekommen sind fehle den Veilchen zwei wichtige Bausteine. „Aber Alex ist zurück – und das hilft uns ganz sicher weiter.“

Urlaub vor dem Fernseher

Christian Zigenhorn, Mitglied des Fanclubs Veilchen-Power, sieht den sportlichen Wert des Turniers eher gering, vor allem weil viele Teams zahlreiche Veränderungen im Kader haben hinnehmen müssen. „Wir haben auch zwei neue Spieler verpflichten können, die können aber sicher Dylan und Kyan nicht ersetzen. Aber das geht anderen Teams auch so“, sagt Zigenhorn, der von einer „ungewöhnlichen Situation“ spricht, die keiner gewollt habe.

Nicht nur aufgrund des anstehenden Urlaubs, der in diesem Jahre zu Hause verbracht wird, wird der Veilchen-Fan voraussichtlich einen Großteil der Spiele schauen. „Ich finde das Format spannend. Das ist ein wenig an den Modus bei Welt- oder Europameisterschaften angepasst“, so Zigenhorn. Dass keine Fans mit dabei sein können, tut dem Einpeitscher „in der Seele weh“. „Wir müssen das beste daraus machen. Ich denke, dass Spiele mit Fans vorerst kein Thema sein werden“, betont er. Sportlich traut Zigenhorn dem veränderten Kader in München einiges zu. „Wir werden sicher kein Meister, aber Platz drei oder vier, sprich das Viertelfinale, sollte schon möglich sein.“

Des weiteren hofft der BG-Fan darauf, dass sein Lieblingssport eine größtmögliche Aufmerksamkeit erhalte. Da könnten viele Spiele im Free-TV sicher dazu beitragen, sagt Zigenhorn. „Aus jeder Krise entsteht auch eine Chance. In diesem Fall – mehr Leute für Basketball zu begeistern.“

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Größere Aufmerksamkeit für die BBL

„Ich freue mich, dass die Saison in diesem modifizierten Playoff-Modus zu Ende gespielt werden kann. Nach dem Abbruch anderer Top-Ligen, zum Beispiel im Handball oder Eishockey, kommt der BBL jetzt auch eine viel stärkere Aufmerksamkeit zu. Es ist also eine gute Chance, Werbung für den Basketballsport zu machen, auch wenn die besondere Fan-Atmosphäre gerade in einer Halle fehlen wird“, sagt Rainer Hald, Vorstands-Vorsitzender der Sparkasse Göttingen, die einer der Hauptpartner der BG Göttingen ist.

Sportlich werde es ein schweres Turnier, aber die BG könne sich mit einem guten Auftritt für die harte Arbeit in dieser Saison belohnen. „Und ich bin mir sicher, die tollen Göttinger Fans werden ihre Veilchen bei den Spielen unterstützen – wenn auch nur emotional im Geiste und mit Leidenschaft vor dem Fernseher“, sagt Hald.

"Die Gesundheit aller Beteiligten steht an erster Stelle. Dazu muss das Sicherheitskonzept mit aller Konsequenz und Disziplin durchgeführt werden", betont das Unternehmen Sartorius, ebenfalls Top-Partner der BG. "Sartorius steht zur Förderung der BG Göttingen, und wir stellen unsere Unterstützung für die BG auch in der Corona-Krise nicht infrage. Gleichzeitig hoffen wir natürlich, dass auch die anderen treuen Sponsoren weiter dabeibleiben. Wir freuen uns auf ein spannendes Turnier und drücken natürlich unserer BG die Daumen."

„Gewisse Rückkehr zur Normalität“

Der Präsident der Arbeitsgemeinschaft BBL, Alexander Reil, freut sich auf die Saison-Fortsetzung: Dies ermöglicht uns in der schwierigen Zeit dennoch einen würdigen Deutschen Meister zu küren und den Fans, zumindest im Wohnzimmer, ihre Teams verfolgen zu lassen. Ganz besonders bedanken möchte ich mich bei der Politik, insbesondere bei der Bayerischen Staatsregierung für den hohen Vertrauensvorschuss, bei den Behörden an den verschiedenen Standorten für ihre kooperative Zusammenarbeit und bei all denjenigen die ein sehr gutes Sicherheits- und Hygienekonzept erarbeitet haben und an der Umsetzung beteiligt sein werden. Diese besondere Situation erfordert jetzt von allen Beteiligten, insbesondere den Spielern, Trainern und Betreuern ein hohes Maß an Bereitschaft und Disziplin. Auch hierfür möchte ich mich schon jetzt bei allen Akteuren bedanken. Wir müssen jetzt vorbildhaft zeigen, dass sich größtmöglicher Gesundheitsschutz und eine gewisse Rückkehr zur Normalität gut vereinbaren lassen.“

Der Präsident des Deutschen Basketball Bundes, Ingo Weiss, lobte: „Einmal mehr hat die Bayerische Staatsregierung mit Ministerpräsident Markus Söder an der Spitze ihre sehr positive Einstellung zum Sport bewiesen. Ich begrüße es sehr, dass die Politik der BBL ermöglicht, ihre Saison mit diesem attraktiven Turnier zu beenden.“

Spielplan erscheint demnächst

Beim Final-Turnier im Münchener Audi Dome wird dann unter den zehn teilnehmenden Basketball-Bundesligisten – allerdings ohne Zuschauer – der deutsche Meister ausgespielt. Die Veilchen treten in der Vorrunden-Gruppe A gegen den FC Bayern München, die Hakro Merlins Crailsheim, die EWE Baskets Oldenburg und ratiopharm Ulm an. Die ersten vier Teams der Gruppe qualifizieren sich für das Viertelfinale, die Gruppenfünften tragen ein Platzierungsspiel um Rang neun aus. Ein genauer Spielplan wird von der Liga in den kommenden Tagen veröffentlicht.

MagentaSport zeigt in der Gruppenphase täglich zwei Live-Spiele und eine ausführliche Hintergrund-Berichterstattung mit Analysen. Zusätzlich liefert MagentaSport aktuelle Highlights, News, Interviews und umfassende Stimmungsberichte vom Final-Turnier. Darüber hinaus wird auch SPORT1 ausgewählte Spiele parallel im Free-TV zeigen.

Von Kathrin Lienig, Eduard Warda und Jan-Philipp Brömsen