19. Januar 2021 / 11:51 Uhr

BG Göttingen: Trainer Roel Moors im Tageblatt-Interview

BG Göttingen: Trainer Roel Moors im Tageblatt-Interview

Filip Donth
Göttinger Tageblatt
BG-Headcoach Roel Moors (M.) mit seinen beiden Leistungsträgern Tai Odiase (l.) und Luke Nelson.
BG-Headcoach Roel Moors (M.) mit seinen beiden Leistungsträgern Tai Odiase (l.) und Luke Nelson. © Pförtner
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Wie bedrohlich ist die aktuelle Situation in der Basketball-Bundesliga für die BG Göttingen? Headcoach Roel Moors rät im Tageblatt-Interview dazu, angesichts der Misere nicht in Panik zu verfallen.

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Eine Leerstelle auf der Point Guard-Position, nur zwei Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge und das Kellerduell gegen Rasta Vechta vor der Brust: Roel Moors, Headcoach der BG Göttingen, muss sich derzeit mit mehreren Baustellen gleichzeitig auseinandersetzen. Im Tageblatt-Interview rät dazu, trotz der aktuellen Tabellensituation nicht in Panik zu verfallen.

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Tageblatt: Herr Moors, die Mannschaft hat gegen Ulm mal wieder zwei Gesichter gezeigt: Im zweiten und dritten Viertel begegnete sie dem Gegner auf Augenhöhe, während sie im ersten und vierten Viertel keinen Stich landen konnte. Wie erklären Sie sich diese Inkonstanz?

Moors: Es ist mental schwierig für eine Mannschaft, die schon Probleme hat. Ich finde, dass die Mannschaft mit der richtigen Energie und Intensität gespielt hat. Leider hat das nicht gereicht. Wir hatten im dritten Viertel einige Chancen, um noch näher an Ulm ranzukommen, haben dann aber Dreier nicht getroffen, die Ulm auf der anderen Seite getroffen hat. Wir haben momentan zu wenig Spieler, die uns zum Erfolg bringen können.

Sie haben vor der Partie zum wiederholten Mal die Mentalität der Mannschaft thematisiert. Wie zufrieden waren Sie mit der Einstellung Ihrer Spieler gegen Ulm?


Wenn wir über Energie, Mentalität und Intensität sprechen, haben wir gemacht, was wir machen müssen. Ich glaube, dass das Spiel gegen Frankfurt mit dieser Einstellung anders verlaufen wäre, aber wir dürfen nicht zurückschauen. Wir müssen jetzt so weiterarbeiten.

Im Gegensatz zum Frankfurt-Spiel können Sie also trotz einer deutlichen Niederlage Positives mitnehmen?

Ja, viele positive Sachen. Aber wenn du am Ende mit 24 Punkten verlierst, gibt es natürlich auch einige negative Aspekte. Ich glaube, das Ergebnis ist im Hinblick auf unsere Leistung am Ende zu hoch ausgefallen. Wir haben gegen ein Team gespielt, das viel Qualität hat und mehrere Spieler, die den Unterschied machen können. Das fehlt uns momentan.

„Nelson versucht zu machen, was er kann“

Damit sprechen Sie die Personalsituation an. Einer, der für die BG Göttingen den Unterschied machen kann, ist Luke Nelson. Er musste gegen Frankfurt pausieren, stand gegen Ulm aber schon wieder auf dem Parkett. War er schon wieder bei 100 Prozent?

Nein. Er hat aber versucht zu machen, was er kann. Dabei war er nicht immer erfolgreich, hatte zum Beispiel zu viele Ballverluste. Es spricht auf jeden Fall für Luke, dass er spielen wollte.

Zumal er nach der Vertragsauflösung mit Jorge Gutierrez noch mehr Verantwortung als ohnehin schon zu schultern hatte. War es der richtige Zeitpunkt, sich zwei Tage vor dem nächsten Ligaspiel von seinem Aufbauspieler zu trennen?

Die Entscheidung, sich von Jorge zu trennen, ist schon vorher gefallen. Wir müssen uns darüber im Klaren sein: Er war nicht verantwortlich für all’ unsere Probleme. Das habe ich auch nie gesagt. Aber er konnte nicht bringen, was er hätte bringen müssen. Er hat mit zu wenig Energie gespielt. Und körperlich hat er zu viele Probleme. Das ist für ihn persönlich nicht leicht, das hat man ihm angesehen. Ich habe dafür auch Verständnis. Aber das Team braucht eine andere Körpersprache. Natürlich fehlt uns nun ein Spieler, aber ich glaube, es war die richtige Entscheidung.

Zu dieser Phase der Saison sind nicht viele Spieler auf dem Markt. Wie weit sind Sie mit der Suche nach einem Ersatz?

Es ist sehr, sehr schwierig, einen Spieler zu finden, der die Qualitäten hat, um uns zu helfen. Zudem wird es schwierig sein, einen wirklichen Point Guard zu finden. Vielleicht müssen wir uns für einen Spieler entscheiden, der auch scoren kann und so etwas Druck von den anderen Spielern nimmt. Es gibt derzeit wenige freie Spieler auf dem Markt. Daher wäre es ideal, wenn ich einen Spieler verpflichten könnte, der schon in Europa ist, der spielt und einen Rhythmus hat.

BG Göttingen - Ratiopharm Ulm Saison 2020/21

Kämpferisch zeigte die BG Göttingen gegen Ulm endlich mal, was in ihr steckt. Für den Sieg gegen Ulm reichte aber auch das am Ende nicht aus. Zur Galerie
Kämpferisch zeigte die BG Göttingen gegen Ulm endlich mal, was in ihr steckt. Für den Sieg gegen Ulm reichte aber auch das am Ende nicht aus. © Swen Pförtner

Für das Kellerduell gegen Vechta werden Sie dann wohl noch keinen Neuzugang präsentieren können.

Das ist möglich. Aber ich möchte an dieser Stelle einmal betonen: Es ist ein wichtiges Spiel für uns, auch für Vechta. Aber es ist kein Spiel, dass für uns die Saison entscheiden wird.

„Die Zukunft des Vereins und mein Job hängen daran“

Die Ausgangssituation vor diesem Spiel ist alarmierend. Nur zwei Punkte trennen die BG Göttingen von Vechta und damit von einem Abstiegsplatz.

Das ist richtig. Aber wir dürfen nicht in Panik geraten, das wird uns nicht weiterhelfen. Die Saison ist noch sehr lang. Jede Woche passiert etwas, das man nicht erwartet. Natürlich wollen – und vielleicht auch müssen – wir dieses Spiel gewinnen, aber es wird unsere Saison nicht allein entscheiden.

Sie sind in Ihrer fünften Saison als Headcoach im Profibasketball. Waren Sie bislang schon mal in der Situation, sich mit Abstiegskampf auseinandersetzen zu müssen?

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Es ist eine ganz neue Erfahrung, die mir natürlich keine Freude bereitet. Aber es kann mir in meiner Karriere weiterhelfen, auch mit so einer Situation fertig zu werden. Fest steht: Es ist nicht einfach momentan. Die Zukunft des Vereins und mein Job hängen daran, das weiß ich. Ich werde weiter hart arbeiten.